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SPD: "Gut, aber zu spät" Spahn schickte Hilferuf an Pharma-Lobby

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Spahn ist wegen der Lieferengpässe beim Impfstoff unter Druck.

(Foto: imago images/Christian Thiel)

Weil der Impfstoff in Deutschland anfangs zu knapp ist, hagelt es Kritik an Gesundheitsminister Spahn. Der bleibt nach außen gelassen und teilt mit: Alles laufe wie geplant. Ein nun veröffentlichter Brief an die Pharma-Lobby belegt allerdings, dass der Minister nervös ist.

Wegen der massiven Versorgungsengpässe mit Impfstoffen gegen das Coronavirus hat das Bundesgesundheitsministerium von Jens Spahn die Pharma-Lobby schriftlich um Hilfe gebeten. Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) bestätigte den Erhalt eines entsprechenden Briefs, in dem das Ministerium "um Unterstützung" bittet.

"Angesichts der angespannten pandemischen Lage ist unser gemeinsames Bestreben, die Produktionskapazitäten von Impfstoffen für die Eindämmung der Covid-19-Pandemie weiter zu erhöhen", heißt es in dem von Gesundheitsstaatssekretär Thomas Steffen unterzeichneten Schreiben an insgesamt fünf Pharma-Verbände, aus dem das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) zitiert. "Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir mitteilen könnten, ob es in Ihrem Verband Unternehmen gibt, die zu einer Erhöhung der Produktion von Covid-19-Impfstoffen beitragen können oder sich bereits hierum bemühen", heißt es darin weiter.

Weitere Empfänger seien etwa der Bundesverband der Arzneimittelhersteller und der Verband forschender Arzneimittelhersteller. Man bitte um "kurzfristige Rückmeldung", um schnell "gemeinsam tätig zu werden". Spahn steht wegen des zögerlichen Starts der Impfkampagne und fehlender Impfdosen unter Druck. Kritik kam auch vom eigenen Koalitionspartner: Vizekanzler und SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz hatte einen ganzen Fragenkatalog zum Impfmanagement an den Gesundheitsminister geschickt.

Pharma-Verband offen für enge Zusammenarbeit

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie signalisierte seine Unterstützung für die Initiative der Bundesregierung. "Wir... haben bereits gestern dem Bundeskanzleramt und heute dem Bundesgesundheitsministerium unsere konstruktive Mitarbeit zugesichert", schrieb ein BPI-Sprecher.

Dazu stehe der Verband auch "im engen Austausch" mit seinen Mitgliedsunternehmen und werde die Ergebnisse der Bemühungen "unmittelbar in den entsprechenden Dialog mit der Bundesregierung einbringen". Dabei gehe es nicht nur um die Beschaffung von Vakzinen, sondern auch um Spritzen, Desinfektionsmaterial und Kochsalzlösung, die für die Impfungen notwendig sind. Das Gesundheitsministerium selbst war auf Anfrage nicht zu erreichen.

SPD-Parlamentsgeschäftsführer Carsten Schneider nannte den Brief an die Pharmaindustrie zwar "gut und notwendig", er komme aber zu spät. "Warum eine solche Anfrage für pragmatische Lösungen zur Steigerung der Produktionskapazitäten nicht bereits vor einem halben Jahr ergangen ist, bleibt erklärungsbedürftig", sagte Schneider dem RND.

Quelle: ntv.de, mau/DJ