Panorama

Impf-Vorrecht für RisikogruppenSpahn warnt vor übereilter Vakzin-Zulassung

11.09.2020, 17:13 Uhr
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Würde Risikogruppen zuerst impfen lassen: Gesundheitsminister Spahn. (Foto: picture alliance/dpa)

Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca befindet sich in der finalen Testphase, als es zu Komplikationen und einer Unterbrechung kommt. Gesundheitsminister Spahn sieht sich daher in seiner Strategie bestätigt. Er geht davon aus, dass es gerade in der Anfangsphase nicht genügend Impfdosen für alle geben wird.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat vor einer voreiligen Zulassung eines Corona-Impfstoffes gewarnt. Schnellzulassungen seien "unverantwortlich", da solche Impfstoffe für Millionen Menschen gedacht seien, sagte Spahn zu "Focus Online". Sicherheit müsse "oberste Priorität" haben.

Spahn bezog sich bei seiner Aussage auf den britisch-schwedischen Pharmakonzern Astrazeneca. Der hatte seine klinischen Tests am vergangenen Mittwoch vorsorglich unterbrochen, nachdem ein Proband schwer erkrankt war.

Vor der Zulassung eines Impfstoffes müsse man die Phase-3-Tests mit Tausenden von freiwilligen Probanden abwarten, sagte Spahn. "Der aktuelle Vorfall bestätigt unsere Strategie. Wir setzen in der EU nicht nur auf einen Impfstoff, sondern auf unterschiedliche Forscherteams und unterschiedliche Technologien." Vielleicht führe das am Ende dazu, dass man mehr Impfstoff als Bedarf habe, betonte der Gesundheitsminister. Aber das sei besser als andersrum.

Wer wird zuerst geimpft?

Weltweit wird mit Hochdruck an Corona-Impfstoffen geforscht. Der gemeinsam von Astrazeneca und der Universität Oxford entwickelte Kandidat zählt zu den wenigen weltweit, die sich bereits in der letzten Phase der klinischen Studien befinden. Das Unternehmen hatte zuvor Hoffnung gemacht, sein Impfstoff könnte noch dieses Jahr zugelassen werden. Ob der Zeitplan durch die Unterbrechung durcheinander gerät, ist unklar. Generell sind Pausen klinischer Prüfungen nicht ungewöhnlich.

Wird die Phase 3 erfolgreich abgeschlossen, kann der Impfstoff zugelassen werden. Spahn rechnet aber damit, dass in der Anfangsphase wahrscheinlich nicht genügend Dosen für alle Menschen zur Verfügung stehen werden. Deshalb arbeite die Ständige Impfkommission an Vorschlägen, "wer zuerst geimpft werden sollte".

Der CDU-Politiker geht davon aus, dass zunächst diejenigen geimpft werden, die beruflich bedingt einem Risiko ausgesetzt sind - Pflegende, Ärztinnen und Ärzte. Dann seien Risikogruppen wie Hochbetagte oder Menschen mit Vorerkrankungen an der Reihe. "Ich bin optimistisch, dass wir nach einigen Monaten genügend Impfstoff für alle haben - wenn es dann einen gibt", sagte Spahn. Eine verpflichtende Impfung wird es seinen Angaben zufolge nicht geben.

Quelle: ntv.de, chr/dpa/AFP

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