Panorama

Wann wirken Impfen und Lockdown? Stöhr: Im März deutlich weniger Tote

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Klaus Stöhr ist Epidemiologe und Virologe.

Der Lockdown ist in Deutschland erfolgreich - die Zahl der neuen Corona-Fälle geht zurück. Doch die Wirtschaft liegt am Boden und die Nerven liegen blank. Hoffnung auf nachhaltige Lockerungen ruhen auf der Impfkampagne. Doch wann wird ihr Effekt endlich sichtbar?

Deutschland ächzt unter der anhaltenden Coronavirus-Pandemie. Zwar geht die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen zurück, allerdings nur zur Bedingung eines zähen Lockdowns. Die Hoffnungen ruhen auf Covid-19-Impfstoffen, welche der Epidemie in Deutschland das herbeigesehnte Ende setzen sollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuletzt betont, dass bis Ende des Sommers jeder Bundesbürger ein Impfangebot bekommen werde. Doch selbst, wenn das klappt, bleibt die Frage: Wann wird sich die Impfkampagne endlich positiv auf die Corona-Kennzahlen auswirken?

Nachgefragt hat ntv.de beim Epidemiologen Klaus Stöhr: Er rechnet damit, dass in fünf bis acht Wochen, also im März, ein erster Effekt auf die Zahl der gemeldeten Todesfälle erkennbar wird. Denn dann sollten "hoffentlich alle aber mindestens mehr als 80 Prozent" der Menschen in Alten- und Pflegeheimen einen vollen Impfschutz haben. "Die Covid-19 Todesfälle in den Pflegeheimen müssten dann drastisch zurückgehen", sagt der Epidemiologe. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass auch die Hygieneregeln weiter konsequent eingehalten werden.

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Die Zahl der Corona-Toten sollte nach dieser ersten Impf-Phase schließlich um rund ein Drittel sinken, sagt Stöhr. Allerdings sollte der aktuelle Lockdown - der womöglich noch verlängert wird - ebenfalls zu sinkenden Todesfällen führen. Erkennbar werde der Effekt der Impfkampagne aber auch auf andere Weise, so Stöhr: "In der Altersgruppe über 80 Jahren wird jetzt geimpft; dort sollte die Zahl der Todesfälle überproportional schnell sinken, also schneller als bei jüngeren, noch nicht geimpften Altersgruppen." Gleichzeitig würde auch das Durchschnittsalter der Verstorbenen sinken - derzeit liegt es laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) bei etwa 84 Jahren. Fast 90 Prozent der Verstorbenen sind 70 Jahre oder älter.

Ein noch stärkerer Effekt bei den gemeldeten Todesfällen dürfte dann ab April zu beobachten sein, so Stöhr: "Wenn Menschen im Alter von 70 Jahren und darüber durchgeimpft sind, sollte sich die Zahl der Todesfälle um weitere 40 bis 50 Prozent verringern." Allerdings alles nur unter der Voraussetzung, betont Stöhr, dass die von der Bundesregierung für das erste und zweite Quartal vorausgesagten Impfdosen auch zur Verfügung stünden und sich viele Menschen impfen ließen.

Impf-Effekt in Israel schon zu sehen?

Bisher haben in Deutschland nach Angaben des RKI knapp über zwei Millionen Menschen eine Erst­impfung erhalten, was etwa 2,4 Prozent der Gesamt­bevölkerung entspricht. 679.649 Menschen wurden bereits zum zweiten Mal geimpft. In Israel ist man hingegen viel weiter - dort hat bereits ein Fünftel der Bevölkerung zwei Impfungen erhalten. Besonders hoch ist der Anteil der Geimpften in der Altersgruppe ab 60 Jahren - Forscher sehen bereits Hinweise auf den Impf-Effekt, den auch Epidemiologe Stöhr für Deutschland voraussagt: Die Zahl der Todesfälle sinkt in Israel zuletzt bei älteren Menschen überdurchschnittlich schnell.

Der Virologe Christian Drosten hatte bei NDR-Info zuletzt betont, dass bis Ostern "noch nicht viel an Bevölkerungsschutz durch die Impfung" zu erwarten sei. Er warnte daher vor zu frühen Lockerungen der Beschränkungen - auch wenn durch die Impfungen die Sterblichkeit sinke, bleibe das Verringern der Fallzahlen für ihn essenziell. Drosten sprach von einem Szenario, in dem es zu zahlreichen schweren Krankheitsverläufen in der mehr als 23 Millionen Menschen umfassenden Gruppe der 40- bis 60-Jährigen kommen könnte, falls zu früh gelockert würde und diese Menschen noch nicht ausreichend durch Impfungen geschützt seien. Dies könne unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems und hohen Krankenständen in Unternehmen führen.

Quelle: ntv.de