Panorama

Retter von Notre-Dame geehrt Streit über Spenden überschattet Gedenken

119437227.jpg

Diesen Männern und Frauen ist es zu verdanken, dass Notre-Dame noch steht.

(Foto: picture alliance/dpa)

Unter Einsatz ihres Lebens bewahren Hunderte Rettungskräfte Notre-Dame vor der kompletten Zerstörung. Doch die Kathedrale wird bei dem verheerenden Brand stark beschädigt. Der Wiederaufbau wird Jahre dauern und viel Geld kosten. Darum ist nun eine Debatte ausgebrochen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat Einsatzkräften eine Medaille für ihren Mut bei dem Löscheinsatz in der Kathedrale Notre-Dame verliehen. Macron empfing im Elysée-Palast Hunderte Feuerwehrleute, Polizisten, Mitarbeiter des Roten Kreuzes und des Zivilschutzes. "Sie haben uns beispielhaft gezeigt, wie wir alle sein sollten", sagte der Präsident. Die ganze Welt habe live am Fernseher verfolgen können, mit welchem Einsatz die Retter Notre-Dame in der Nacht zu Dienstag vor einem Einsturz bewahrt hätten.

Auch die Stadt Paris ehrte die rund 600 Einsatzkräfte mit einem Festakt auf dem Vorplatz des Rathauses. Die Bürgermeisterin Anne Hidalgo lobte den "grenzenlosen Mut" der Feuerwehrleute und sprach ihnen ihre "unendliche Dankbarkeit" aus. Unter Einsatz ihres Lebens hätten sie "einen Teil von uns" gerettet. Hidalgo kündigte an, die Einsatzkräfte als Ehrenbürger von Paris vorzuschlagen.

Überschattet wurden die Feierlichkeiten durch einen Streit um Spenden: Linke Parteien, Gewerkschaftsführer und Aktivisten der Protestbewegung der "Gelbwesten" werfen reichen Unternehmern vor, den Brand in Notre-Dame für eine "PR-Aktion" zu ihren Gunsten zu nutzen. Der Chef des Luxusgüterkonzerns LVMH um die Marken Louis Vuitton, Dior und Fendi, Bernard Arnault, wies die Vorwürfe zurück: "Es ist bestürzend, dass man in Frankreich kritisiert wird, wenn man sich (für das Gemeinwohl) einsetzt", sagte er unter dem Applaus von Hunderten Aktionären bei der Hauptversammlung seines Unternehmens.

Arnault kündigte an, seine Spende in Höhe von 200 Millionen Euro nicht steuerlich geltend zu machen. Ähnlich hatte sich zuvor bereits die Milliardärsfamilie Pinault geäußert, die 100 Millionen Euro für die Instandsetzung von Notre-Dame bereitstellen will. Insgesamt sind bereits rund 850 Millionen Euro zugesagt, der Großteil von Superreichen und Firmen.

Rechtspopulisten wettern gegen Modernisierung

Das Internationale Olympische Komitee will eine halbe Million Euro spenden, wie sein Präsident Thomas Bach ankündigte. Damit solle sichergestellt werden, dass die Arbeiten an der Kathedrale bis zu den Olympischen Sommerspielen in Paris 2024 beendet werden könnten, sagte er. Dieses Ziel hat Präsident Macron ausgegeben.

Mit der Leitung des Wiederaufbaus hat Macron den Fünf-Sterne-General Jean-Louis Georgelin beauftragt. Der 70-Jährige sagte, er sehe die Aufgabe als "Kampf". Er werde "alle Teilnehmer für die Schlacht mobilisieren", damit der Wiederaufbau innerhalb von fünf Jahren abgeschlossen werden könne.

Frankreichs Rechtspopulisten warnten vor einer übertriebenen Modernisierung von Notre-Dame. Im Gespräch sind unter anderem ein feuerfestes Stahldach statt des abgebrannten Dachstuhls aus Holz und ein gläserner Ersatz für den eingestürzten Spitzturm. "Wir sollten diesen Wahnsinn stoppen", sagte der Spitzenkandidat für die rechtspopulistische Nationale Sammlungsbewegung (Rassemblement National), Jordan Bardella. Der 23-jährige Mitarbeiter von Marine Le Pen forderte "absoluten Respekt für das französische Erbe."

Kurzschluss als Brandursache?

Notre-Dame wurde im Laufe ihres mehr als 850-jährigen Bestehens mehrfach modernisiert, zuletzt im 19. Jahrhundert - aus dieser Zeit stammte auch der eingestürzte Turm des Architekten Eugène Viollet-le-Duc. Zunächst stehen jedoch weitere Arbeiten zur Sicherung der Kathedrale an. Laut Kulturminister Franck Riester wurden unter anderem beschädigte Stellen am Kirchenschiff sowie am südlichen Glockenturm verstärkt.

Die Brandursache ist bisher nicht geklärt. Ermittler gehen davon aus, dass die Katastrophe auf einem Unfall beruht. Die Anhörungen von Zeugen wurden fortgesetzt, wie die Staatsanwaltschaft berichtete. Unter den Zeugen sind Arbeiter, die vor dem Feuer an Renovierungsarbeiten beteiligt waren. Zu Medienberichten, wonach der Brand durch einen Kurzschluss ausgelöst wurde, erklärte die Staatsanwaltschaft auf Anfrage, dass "derzeit keine Hypothese ausgeschlossen" werde.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP/dpa

Mehr zum Thema