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Forensische Lektion in Sao Paulo Studenten lernen an Mengeles Knochen

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Munoz mit Mengeles Schädel im Kreis seiner Studenten.

(Foto: AP)

Wenn die Studenten im brasilianischen Sao Paulo etwas über die Möglichkeiten der Forensik hören, bekommen sie dazu ganz besonderes Anschauungsmaterial: den Schädel des KZ-Arztes Josef Mengele. Daran lässt sich einiges lernen.

Dr. Daniel Romero Munoz gehört zu den Forensikern, die 1985 gefundene sterbliche Überreste zweifelsfrei dem früheren KZ-Arzt Josef Mengele zuordneten. Seitdem lagerten die Gebeine Mengeles im Rechtsmedizinischen Institut der brasilianischen Stadt.

Seit einigen Monaten hat Munoz die Knochen des als "Engel des Todes" berüchtigten Nazi-Arztes einer neuen Bestimmung zugeführt, berichten lokale Medien. Der Leiter der Abteilung für Rechtsmedizin an der Universität von Sao Paulo nutzt sie in seinen forensischen Kursen.

"Die Knochen werden helfen, zu lehren, wie die Überreste einer Person untersucht werden müssen und die dabei gewonnenen Informationen mit Daten aus Dokumenten dieser Person in Zusammenhang zu bringen", sagt Munoz zur Begründung. Mengeles Leben auf der Flucht und das Mysterium über seinen Verbleib machten seine Knochen zu einem besonders nützlichen Lehrmittel, so der Mediziner.

Als die sterblichen Überreste untersucht wurden, habe man beispielsweise festgestellt, dass die Person einmal einen Beckenbruch erlitten hatte. Aus Mengeles Armee-Akten war bekannt, dass er sich bei einem Motorrad-Unfall im berüchtigten Nazi-Todeslager Auschwitz das Becken gebrochen hatte.

Der KZ-Arzt war nach dem Zweiten Weltkrieg nach Lateinamerika geflohen, 1960 kam er nach Sao Paulo, wo er von einem deutschen Paar aufgenommen wurde. 1979 starb er bei einem Badeunfall in der Küstenstadt Bertioga und wurde unter falschem Namen begraben. 1985 wurden die sterblichen Überreste exhumiert: Teams aus Deutschland, Israel. Den USA und Brasilien bestätigten schließlich, dass es sich dabei um Mengele handelte.

Quelle: n-tv.de, sba

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