Schweiz lockt PflegepersonalStudie: Fachkräfteabwanderung steigert Sterblichkeit in Kliniken

Einen Zusammenhang zwischen der Menge an Fachpersonal und der Sterblichkeit anzunehmen, ist kaum überraschend. Wie stark dieser sein kann, zeigt nun eine Studie. Die stellt fest, dass die Mortalität an der Grenze zur Schweiz deutlich zunimmt, nachdem Pflegepersonal im großen Stil abwandert.
Eine Studie zu deutschen Krankenhäusern in der Grenzregion zur Schweiz zeigt einen Zusammenhang zwischen der Abwanderung von Pflegekräften und einem Anstieg der Sterblichkeit. Konkret sei die Mortalität in den Kliniken um 4,4 Prozent gestiegen, schreiben das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und das Ifo-Institut in ihrer Analyse.
"Der durch den Pflegekräftemangel bedingte Rückgang von notwendigen medizinischen Eingriffen wirkte sich vor allem auf ältere Patientinnen und Patienten sowie Notfälle aus. Bei ihnen erhöhte sich die Sterberate", heißt es von den Autoren. Während die Lebenserwartung im Rest Deutschlands stieg, stagnierte sie in der betrachteten Grenzregion zur Schweiz.
Im Schnitt sollen rund zwölf Prozent des Pflegepersonals die deutschen Kliniken verlassen haben. Jeder Prozentpunkt dieses Rückgangs habe die Pflegeintensität um etwa 0,8 Prozent pro Patient und die Operationswahrscheinlichkeit um ein Prozent verringert, berichtet der "Spiegel". Die Sterbewahrscheinlichkeit wiederum erhöhte sich um 0,4 Prozent. Besonders extrem stieg die Sterblichkeit bei Erkrankten mit einer Sepsis oder einem Herzinfarkt. Die Zuwächse betrugen der Studie zufolge 11,6 beziehungsweise 17,7 Prozent. Die regionale Sterblichkeit bei Älteren stieg insgesamt, die Lebenserwartung sank um 0,3 Lebensjahre.
Hintergrund ist demnach die erhebliche Abwanderung von Pflegekräften deutscher Kliniken in die benachbarte Schweiz. Die Studie untersucht zahlreiche Parameter der Jahre 2006 bis 2017. Sie kommt zu dem Schluss, dass seit 2011 die Abwanderung deutlich zunahm. Der Trend hänge der Studie zufolge mit der Finanzkrise der Jahre 2008/2009 zusammen. Der Schweizer Franken sei im Zuge dessen deutlich aufgewertet worden, heißt es. Zugleich stieg die Nachfrage nach Arbeitskräften enorm. In Deutschland wiederum stagnierten die Löhne, sodass nicht wenige Pflegekräfte ihr Glück in der Schweiz versuchten, insbesondere viele examinierte Pflegekräfte.
Durch den Mangel an Pflegekräften begannen Krankenhäuser in den betroffenen deutschen Regionen laut der Autoren, "Patientinnen und Patienten nach ihren medizinischen Bedürfnissen zu priorisieren und insbesondere die Anzahl nicht dringlicher Operationen zu reduzieren". Mit den genannten Folgen.