Immer weniger OptimistenStudie: Junge Europäer blicken nüchtern in die Zukunft

Die TUI-Jugendstudie befragt junge Menschen in Europa seit zehn Jahren nach ihrer Zufriedenheit, ihrem Vertrauen in die Zukunft und ihrer Meinung zur Demokratie. Der langfristige Trend zeigt in vielen Ländern abwärts.
Nur ein Viertel der jungen Menschen in Europa glaubt, dass es ihrer Generation einmal besser als ihren Eltern gehen wird. Das geht aus der Jugendstudie "Junges Europa" hervor, die die Stiftung des Touristikunternehmens TUI in Berlin veröffentlichte. Seit 2017 wird sie jährlich erstellt. 52 Prozent gehen demnach davon aus, dass sich ihre Lage verschlechtern wird.
Im Zehn-Jahres-Vergleich trübte sich der ehemals positive Blick den Angaben zufolge ein: 2026 gaben 57 Prozent der 16- bis 26-Jährigen an, optimistisch in die Zukunft zu blicken. 2017 sagten dies noch 70 Prozent. Besonders sichtbar sei der Rückgang in Deutschland, wo der Anteil der optimistischen jungen Menschen von 64 Prozent auf 52 Prozent sank.
Beim Blick auf die Demokratie zeigt sich ein gemischtes Bild. Zwar bleibe die Demokratie für 50 Prozent der jungen Menschen die bevorzugte Regierungsform, zugleich wächst aber unter ihnen die Unzufriedenheit damit, wie die Demokratie im Alltag funktioniert. Nur 26 Prozent der jungen Menschen zeigen sich demnach mit der Demokratie in ihrem jeweiligen Land zufrieden. Die höchsten Zustimmungswerte verzeichnen dabei Deutschland mit 35 Prozent und Großbritannien mit 39 Prozent.
Doch der langfristige Trend zeige in vielen Ländern abwärts: In Deutschland, Frankreich, Italien und Griechenland sei der Anteil der Unzufriedenen seit 2018 gestiegen, hieß es weiter. Eine gegenläufige Entwicklung zeige sich hingegen in Polen und Großbritannien, wo junge Menschen dem Funktionieren der Demokratie positiver gegenüberstehen als vor einigen Jahren.
Freiheit als Lebensbedingung
Die Studie zeigt darüber hinaus, dass junge Europäer Freiheit vor allem mit konkreten Lebensbedingungen verbinden. Als zentralen Aspekt von Freiheit nennen 41 Prozent der Befragten Chancengleichheit für alle Menschen. Für 36 Prozent bedeutet Freiheit, dass sie körperlich und psychisch gesund sind. Rund 29 Prozent sehen ein Leben ohne Armut als Freiheit. Ebenfalls 29 Prozent sagen, dass Freiheit für sie bedeute, reisen und leben zu können, wo sie möchten.
Demgegenüber treten politische Freiheitsrechte in der Wahrnehmung vieler junger Menschen etwas in den Hintergrund, so die Studienergebnisse. In Deutschland zählte etwa vor vier Jahren noch für 34 Prozent der Befragten die freie politische Meinungsäußerung zu den wichtigsten Bestandteilen persönlicher Freiheit. Aktuell sind es laut der Erhebung 28 Prozent.
Mit Blick auf Institutionen vertrauen junge Menschen am meisten der Wissenschaft, der Polizei, den Vereinten Nationen und der NATO. Dahinter folgt die Europäische Kommission und das Europäische Parlament. Europa sei damit weiterhin ein wichtiger Bezugspunkt, aber kein Selbstläufer mehr, hieß es weiter.
Werte der EU
Junge Menschen würden die Europäische Union auch weiterhin mit großen Versprechen wie Menschenrechte (37 Prozent), Frieden (36 Prozent) oder Solidarität (31 Prozent) verbinden. Im Vergleich zu 2017 werden diese Werte der EU jedoch seltener zugeschrieben.
Junge Menschen in Europa zeigen sich zugleich insgesamt mobil, planen ihre berufliche Zukunft aber mehrheitlich im eigenen Land. 52 Prozent möchten in den nächsten fünf Jahren vor allem im Heimatland arbeiten. Besonders ausgeprägt ist dieser Trend in Großbritannien mit 76 Prozent, während in Griechenland nur 34 Prozent den heimischen Arbeitsmarkt bevorzugt. Zugleich können sich 18 Prozent vorstellen, in einem anderen EU-Land zu arbeiten.
Für die Jugendstudie "Junges Europa" im Auftrag der TUI-Stiftung befragte das Meinungsforschungsinstitut Yougov 8024 Menschen im Alter von 16 bis 26 Jahren in mehreren europäischen Ländern. Die Erhebung fand im April und Mai statt. Die Jugendstudie wurde 2017 ins Leben gerufen.