Panorama

"Sicherheit oberste Priorität" Tausende Kameras für Bahnhöfe geplant

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Bis Ende 2024 sollen "nahezu alle großen Bahnhöfe" mit moderner Videotechnik ausgestattet werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Im Sommer sterben zwei Menschen an deutschen Bahnhöfen, weil sie vor einen Zug gestoßen werden. Um die Sicherheit zu erhöhen, wollen Bundesinnenministerium und Deutsche Bahn die Kameras auf 11.000 aufstocken. Dem Bahnhof Berlin Südkreuz kommt außerdem eine besondere Rolle zu.

Die Bahnhöfe in Deutschland werden mit Tausenden zusätzlichen Überwachungskameras ausgestattet. In den kommenden vier Jahren soll die Anzahl der Videokameras an Bahnsteigen um rund ein Drittel auf ungefähr 11.000 erhöht werden, wie das Bundesinnenministerium und die Deutsche Bahn mitteilten. Die neuen Geräte lieferten zudem hochauflösende und damit bessere Bilder. Dafür würden rund 180 Millionen Euro investiert. Derzeit seien rund 8000 Kameras an 800 Bahnhöfen installiert. Zuerst hatte die "Bild am Sonntag" darüber berichtet.

"Mit den nun vereinbarten Maßnahmen erhöhen wir die Sicherheit in Bahnhöfen und Zügen. Denn die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger hat oberste Priorität", erklärte Bundesinnenminister Horst Seehofer von der CDU. Verkehrsminister Andreas Scheuer von der CSU sagte zu den Zielen der Neuerungen: "besserer Schutz der Fahrgäste beim Aufenthalt, Ein- und Aussteigen sowie beim Warten auf den Zug".

Seehofer verwies auf die Vorfälle an den Bahnhöfen Frankfurt am Main und Voerde vom vergangenen Sommer. Die schrecklichen Ereignisse hätten gezeigt: "Es gibt Handlungsbedarf, um unsere Bahnhöfe und Züge noch sicherer zu machen." Im niederrheinischen Voerde wurde damals eine Frau von einem Zug überrollt, nachdem ein ihr unbekannter Mann sie ins Gleis gestoßen hatte. Wenige Tage später stieß am Hauptbahnhof Frankfurt/Main ein Mann einen Achtjährigen und dessen Mutter vor einen einfahrenden ICE. Die Frau konnte sich retten, ihr Sohn wurde vom Zug erfasst und starb.

Bahnhof Südkreuz wird neuer "Sicherheitsbahnhof"

Beide Taten entfachten eine Debatte über die Sicherheit auf Bahnhöfen. Das Bundesinnenministerium, das Verkehrsministerium, die Deutsche Bahn und die Bundespolizei leiteten daraufhin zusätzliche Maßnahmen ein, um die Sicherheit in Bahnhöfen weiter zu steigern. Demnach sollten bis Ende 2024 "nahezu alle großen Bahnhöfe" mit moderner Videotechnik ausgestattet werden.

Am Berliner Bahnhof Südkreuz, wo auch schon Software zur automatischen Gesichtserkennung erprobt wurde, soll ab 2021 ein "Sicherheitsbahnhof" eingerichtet werden, wie es in der Mitteilung hieß. Dort sollten verschiedene Varianten von Schutzbarrieren für Reisende auf dem Bahnsteig sowie "intelligente Videoanalysetechnik" ausprobiert und erforscht werden. Es solle auch darum gehen herauszufinden, wie sich die Sicherheit steigern lasse, ohne dass Fahrgäste Nachteile wie zum Beispiel Verspätungen erlitten.

Die Deutsche Bahn will im ersten Vierteljahr 2021 zudem eine Kampagne zur Unfallprävention und für Zivilcourage an Bahnhöfen starten. Frei zu haltende Bereiche an Bahnsteigen sollen mit zusätzlichen Schraffuren deutlicher gekennzeichnet werden. Auch Rahmenlehrpläne der Länder für Schulen zum Thema Verkehrssicherheit sollten überarbeitet werden.

Quelle: ntv.de, jru/dpa/AFP