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"Harvey" wird zur Katastrophe Texas meldet fünf Hurrikan-Tote

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Aufnahme aus Rockport/Texas.

(Foto: AP)

Hurrikan "Harvey" ist bereits abgestuft, doch er richtet trotzdem großes Chaos an. Gefahr droht nun vor allem durch Starkregen. Zehntausende Menschen im US-Bundesstaat Texas sind ohne Strom. Auch die ersten Opfer gibt es zu beklagen.

Verheerende Regenmassen und Überschwemmungen, Tod und Zerstörung: Der Wirbelsturm "Harvey" hat am Wochenende in Südtexas dramatische Verwüstungen angerichtet. Vor allem Houston hatte ein hochgefährliches Problem: Sintflutartiger Dauerregen führte in vielen Teilen der Millionenstadt zu massiven Überflutungen. Menschen waren in Häusern eingeschlossen, Autos standen bis zu den Dächern im Wasser, eine Frau ertrank beim Verlassen ihres Wagens. Auch in anderen südlichen Teilen des US-Staates, besonders an der Küste am Golf von Mexiko, spitzte sich die Lage zu. Der Wetterdienst National Weather Service meldete insgesamt fünf Tote, wie die "Washington Post" berichtete.

Obwohl "Harvey" sich am Samstag von einem Hurrikan der zweitstärksten Kategorie vier zu einem Tropensturm abgeschwächt hatte, schüttete er Rekordwassermengen über der Region ab. Hinzu kamen schwere Sturmschäden an Häusern, entwurzelte Bäume und umgestürzte Strommasten: Allein am Samstag waren mehr als 300.000 Einwohner ohne Stromversorgung.

Und das alles ist vielleicht nur der Anfang: Ein Hochdruckgebiet weiter nördlich verhinderte, dass "Harvey" weiter ins Inland ziehen konnte: Stattdessen drehte er Schleifen - und sollte die Region nach Vorhersagen von Meteorologen noch bis zur Wochenmitte mit Regen überziehen. Viele Orte würden bald möglicherweise nur noch mit Booten zu erreichen sein, warnten die Behörden, manche Gebiete seien vielleicht auf Monate unbewohnbar.

Einwohner sollen sich nicht auf Dachböden retten

Der texanische Gouverneur Greg Abbott erklärte 50 Bezirke zu Notstandsgebieten. In Houston mussten allein in der Nacht zum Sonntag mehr als 1000 Menschen, die in ihren Fahrzeugen oder Häusern eingeschlossen waren, in Sicherheit gebracht werden. Manche trugen kleine Kinder oder Haustiere in den Armen. Für weite Teile der Metropole wurde der Springflut-Notstand ausgerufen - die höchste Alarmstufe bei Überschwemmungen. "Diese Lage ist BESONDERS GEFÄHRLICH", warnte der Nationale Wetterdienst in Großbuchstaben auf Twitter. "SUCHT HÖHER GELEGENE GEBIETE AUF - JETZT."

Der zuständige Bezirkssheriff Ed Gonzalez bat die Behörden anderer Städte, mit Booten auszuhelfen. Einwohner wurden aufgerufen, sich nicht auf die Dachböden ihrer Häuser zu retten, sondern auf die Dächer, damit sie aus der Luft geborgen werden könnten. Es sei möglich, dass in der Region phasenweise 75 bis 100 Millimeter Niederschlag pro Stunde fallen könnten - "so etwas haben wir noch nie erlebt", sagte Houstons Bürgermeister Sylvester Turner.

Eine Frau aus Houston blieb mit ihrem Auto in den Fluten stecken und ertrank beim Aussteigen. Das zweite Todesopfer fanden Helfer in der Küstenstadt Rockport bei Corpus Christi. Dort hatte "Harvey" am späten Freitagabend mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 Stundenkilometern das Festland erreicht.

In Rockport, wegen seiner schönen Strände auch als "texanische Riviera" bekannt, wurden viele Häuser dem Erdboden gleichgemacht. Bürgermeister Charles Wax sprach von "verheerenden Schäden" und mehreren Verletzten. Dem örtlichen Sheriff zufolge hatten sich mehr als die Hälfte der gut 10.000 Einwohner trotz Evakuierungsaufrufen zum Bleiben entschlossen.

Häftlinge aus Gefängnis verlegt

Wax empfahl ihnen vor Eintreffen des Sturms, Namen und Sozialversicherungsnummer auf den Arm zu schreiben, damit sie im Todesfall leichter identifiziert werden könnten - so ernst wurde die Lage eingestuft. Vor diesem Hintergrund herrschte Erleichterung, dass es in Rockport zumindest zunächst nur ein Todesopfer gab. Vor der Insel Galveston warteten am Samstag vier Kreuzfahrtschiffe mit 20.000 Passagieren auf dem offenen Meer auf grünes Licht für die Fahrt in den Hafen.

Andernorts, in Rosharon, wurden 4500 Häftlinge aus einem Gefängnis in andere Anstalten verlegt, weil ein nahegelegener Fluss über die Ufer zu treten drohte. US-Präsident Donald Trump kündigte am Sonntag auf Twitter an, das Katastrophengebiet zu besuchen, sobald es die Lage vor Ort erlaube. Bereits am Freitag hatte Trump auf Ersuchen von Gouverneur Abbott den Notstand ausgerufen: Damit können Regierungsgelder für Hilfsmaßnahmen rasch nach Texas fließen.

Das Wochenende verbrachte Trump auf dem Präsidenten-Landsitz Camp David. Dort hielt er sich dem Weißen Haus zufolge ständig über die Entwicklung auf dem Laufenden und stand in Kontakt zu den wichtigsten örtlichen und Washingtoner Stellen zur Koordinierung von Hilfen. Dazu zählt allen voran die Bundesbehörde für Katastrophenmanagement (FEMA). Ihr Chef Brock Long sagte dem Sender CNN, die Langzeitfolgen von "Harvey" würden vermutlich so groß sein, "dass wir Jahre lang vor Ort sein werden".

Quelle: n-tv.de, wne/rts

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