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Tipps für PaareWie man beim Sex bekommt, was man sich wünscht

25.01.2026, 16:31 Uhr 9B4A6383-1Von Lauren Ramoser
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Für Gespräche über sexuelle Wünsche ist das Bett nicht der richtige Ort. (Foto: picture alliance / Zoonar)

Offene Kommunikation ist der Schlüssel zu einer erfüllten Beziehung. Doch vor allem langjährige Paare sprechen nur selten über sexuelle Wünsche. Wie der Anfang dieser Gespräche gelingt.

Was sich Menschen in der Sexualität wünschen, ist ihnen oftmals gar nicht klar. Es soll aufregend sein und sich echt anfühlen. Doch wie findet man, was die eigene Fantasie anregt? "Um seine Wünsche zu erkennen, muss man ein bisschen in sich selber hineinhören und dann den Mut haben, sich das einzugestehen. Auch wenn es etwas ist, was nicht den gesellschaftlichen Normen entspricht", sagt Sexualtherapeutin Dr. Beatrice Wagner im Gespräch mit ntv.de.

Hat man eine konkrete Vorstellung im Kopf, kostet es dennoch Überwindung, diese zu teilen. Die Sexualtherapeutin kennt diese Unsicherheit aus der Praxis. "Viele Frauen wünschen sich zum Beispiel, der Mann möge ein bisschen dominanter sein, aber natürlich nur im Bett - sonst nicht." Die Kommunikation dieses Wunsches sei aus mehreren Gründen schwierig.

Zum einen komme der Wunsch mit Einschränkungen. Die Dominanz soll sich auf den Sex beschränken und nicht auf die Hausarbeit, Kinderbetreuung oder die Gehaltsebene ausbreiten. Zum anderen geht es um die Scham der Fremdwahrnehmung. "Viele haben Angst davor, in eine Schublade gesteckt zu werden", weiß die Therapeutin aus der Arbeit mit Klienten.

Was Frauen wollen

So behalten viele ihre Fantasien für sich. Die Wünsche von Frauen sind nicht nur in Beziehungen, sondern auch in der öffentlichen Wahrnehmung selten sichtbar. Im Zuge der sexuellen Revolution der 1970er Jahre hat die amerikanische Autorin Nancy Friday die geheimen Wünsche in "Die sexuellen Phantasien der Frauen" erstmals sichtbar gemacht. Anonymisierte Briefe Dutzender Frauen erzählten unverblümt von bislang unausgesprochenen Fantasien.

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Rund 50 Jahre später entscheidet sich Schauspielerin Gillian Anderson für eine Neuauflage. In der Vorbereitung auf ihre Rolle der Sexualtherapeutin Dr. Jean Milburn in der Netflix-Serie "Sex Education", liest sie Fridays Buch und fragt gemeinsam mit dem britischen "Guardian" moderne Frauen nach ihren unausgesprochenen Fantasien.

In "Want - sexuelle Fantasien der Frauen im 21. Jahrhundert" sind etliche dieser anonymen Briefe gesammelt. Unter dem Deckmantel der Anonymität trauen sich die Schreiberinnen, ihre intimsten Fantasien zu teilen. Manchmal kurz und knapp, andere verpacken sie in ausschweifenden Erzählungen. So detailreich, dass sie schon etliche Male im Kopf durchgespielt worden sein müssen. Einige Fantasien scheitern in der Umsetzung wohl schon am Beziehungsstatus der Schreiberinnen, wenn es sich um Seitensprünge mit dem besten Freund des Partners dreht. Andere träumen von Sex auf der Kirchenbank oder homosexuellen Abenteuern.

Das konkrete Ansprechen

Laut einer aktuellen Elitepartner-Studie redet nur knapp die Hälfte der Befragten offen mit dem Partner oder der Partnerin über sexuelle Wünsche. Mit steigender Beziehungsdauer nehmen Offenheit und Kommunikation über Sexualität ab, obwohl sich die Paare vermeintlich besser kennen. In Beziehungen unter drei Jahren sprechen über 70 Prozent der Paare offen darüber, nach zehn Jahren nur noch gut die Hälfte, so die Ergebnisse der Studie. Dabei können offene Gespräche über sexuelle Wünsche die Beziehung verbessern.

"Generell würde ich dazu raten, dem Partner oder der Partnerin nicht gleich ein fertiges Konzept vorzulegen", empfiehlt Wagner. Eine Partei trägt den sexuellen Wunsch schon länger mit sich herum, entwickelt konkrete Ideen, malt sich die Fantasie in Details aus. Das sei ein enormer Vorsprung. "Wenn ich das dann ausspreche, kann das der anderen Person den Boden unter den Füßen wegziehen. Das ist ein Vertrauensmissbrauch", sagt Wagner.

Stattdessen rät sie dazu, die Wünsche grober zu umreißen. "Ich würde es einfach mal so ansprechen und sagen: Ist doch schön, wenn man mal was Neues entdeckt", so die Therapeutin. Dabei dürfe die Wertschätzung für das bisherige Liebesleben nicht zu kurz kommen. "Das muss man unbedingt sagen, dass es total schön war, wenn es denn so war", sagt Wagner. "Und dass man aber diese fixe Idee hat, Folgendes mal auszuprobieren. Und wie stehst du dazu?"

Die große Sorge vor dem Nein

Im Allgemeinen rät die Sexualtherapeutin, sich nicht zu verstellen, nur um den Partner nicht zu verunsichern. Dennoch empfinden viele Menschen eine große Angst vor Ablehnung bei der Vorstellung, ihre intimen Wünsche mit dem Partner oder der Partnerin zu teilen. "Aber man selbst darf ja nicht verkümmern, nur um es dem anderen recht zu machen", warnt Wagner.

"In der Sexualität darf man sich verhalten, wie man sich außerhalb der Sexualität nicht verhält", sagt die Therapeutin. "Man darf vieles ausprobieren. Allerdings hat man kein Recht darauf, dass der andere auch wirklich darauf einsteigt." Es bleibt ein vorsichtiges Abwägen, empathische Gespräche stellen allerdings die Weichen, sich gemeinsam mit dem Partner oder der Partnerin auch sexuell zu entwickeln.

Quelle: ntv.de

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