Panorama

Paket auf Giftstoffe untersucht Tod zweier Hermes-Mitarbeiter gibt Rätsel auf

Zwei Hermes-Mitarbeiter in Haldensleben sterben binnen eines Tages unter noch ungeklärten Umständen. Ein weiterer wurde schwer verletzt gefunden. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Todesfällen?

Nach dem plötzlichen Tod zweier Mitarbeiter und dem Fund eines Schwerverletzten beim Paketdienstleister Hermes in Haldensleben (Sachsen-Anhalt) geht die Polizei von einer unglücklichen Verkettung von Zufällen aus. Die ungewöhnliche Häufung führte bis in den frühen Morgen hinein zu einem Großeinsatz der Feuerwehr. Dabei wurden auch Vorkehrungen für eine mögliche Gefährdung durch Giftstoffe getroffen, die sich bisher jedoch nicht bestätigte. "Wir gehen davon aus, dass das ein unglücklicher Zusammenhang ist, aber wir können halt nicht ausschließen, dass es sich um eine Gefährdungssituation handelt", sagte Polizeisprecher Matthias Lütkemüller von der Polizei Börde in der Nacht.

Der Betrieb in dem Versandzentrum steht zunächst still. "Das Wichtigste ist, dass unsere Mitarbeiter nicht gefährdet sind, dass es keine Rückstände mehr von irgendwas gibt, falls und was auch immer es war", sagte ein Hermes-Sprecher. Er könne noch überhaupt nicht sagen, wann der Betrieb wieder aufgenommen werde. "Die Gedanken sind bei den Verstorbenen und ihren Familien", sagte der Sprecher.

Auf dem Gelände des Versandzentrums war am frühen Dienstagmorgen zunächst ein toter Mann entdeckt worden. Der 58-Jährige sei zusammengebrochen und vor Ort gestorben, sagte der Polizeisprecher. Am Nachmittag wurde dann in Haldensleben in einem Transportfahrzeug von Hermes ein weiterer Mitarbeiter tot aufgefunden. Der 45-Jährige saß leblos auf dem Fahrersitz. Zudem wurde am Dienstag auf dem Gelände des Versandzentrums ein Mann schwer verletzt entdeckt. Wie die Polizei am frühen Morgen mitteilte, habe sich dies jedoch als "ein ganz normaler medizinischer Notfall" herausgestellt.

Bei dem Großeinsatz der Feuerwehr waren 120 Kräfte im Einsatz. Der Betrieb im Versandzentrum Haldensleben mit 3000 Mitarbeitern wurde in der Nacht vorsichtshalber vorübergehend eingestellt. Das Gelände sei für die Ermittler abgesperrt, sagte ein Hermes-Sprecher. Dem Polizeisprecher zufolge wurde die Spätschicht früher entlassen, die Nachtschicht habe nicht begonnen. Dies sei als Vorsichtsmaßnahme geschehen, weil zwei völlig gesund wirkende Menschen innerhalb kürzester Zeit gestorben seien.

Untersuchung auf mögliches Gift ergab bislang nichts

Feuerwehrleute in Schutzanzügen und mit Atemmasken suchten in der Nacht eine Wohnung auf, wo der 45 Jahre alte Hermes-Mitarbeiter vor seinem Tod ein Paket ausgeliefert hatte. Sie untersuchten es auf mögliche Giftstoffe - mit negativem Ergebnis.

Zwischenzeitlich sorgte am Mittwoch der Fund geringster Mengen eines Stoffes an einem Paket für Aufregung. Laut Polizei könnte er in großen Mengen gefährlich sein. Die Feuerwehr öffnete deshalb alle Pakete in dem Transporter, in dem ein Mitarbeiter vor seinem Tod am Dienstag Pakete ausgeliefert hatte. Kurze Zeit später gab es Entwarnung. "Das sind ganz normale Zustellpakete gewesen mit handelsüblichem Inhalt", betonte der Polizeisprecher. Über die Menge des gefundenen Stoffes sagte er: "Die Dosis, die man braucht, um zu sterben, wurde nicht erreicht."

An dem Standort wickelt Hermes neben der Lagerlogistik auch die Paketzustellung ab. Das Transportfahrzeug wurde anschließend abgeschleppt und ebenfalls auf giftige Stoffe hin untersucht. Am Morgen sollte die Untersuchung abgeschlossen sein. Der erste Teil der Untersuchung sei aber unauffällig gewesen, sagte der Polizeisprecher. Die Leichen der beiden Männer sollen am Mittwoch obduziert werden, um die Todesursache zu klären. Hinweise auf Fremdeinwirkung gab es laut Polizei nicht.

Quelle: ntv.de, bad/joh/dpa