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Harveys Fluten steigen Trump ruft Katastrophenfall für Louisiana aus

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Ein Bewohner watet in Houston (Texas) durch die Fluten, wo eigentlich eine Straße zu sehen ist.

(Foto: dpa)

Nach Texas löst US-Präsident Trump auch für Louisiana Katastrophenalarm aus. Der Wetterdienst rechnet mit steigenden Pegelständen. Hunderttausende Menschen sind ohne Strom. n-tv Meteorologe Björn Alexander nennt die Lage "unvorstellbar".

Wegen des Sturms "Harvey" hat US-Präsident Donald Trump auch für den Bundesstaat Louisiana den Katastrophenfall ausgerufen. Das Weiße Haus verkündete die Entscheidung, auf deren Grundlage Bundesmittel zur Behebung von zu erwartenden Sturmschäden freigegeben werden können. Trump will den Sturmopfern im Bundesstaat Texas bald einen Besuch abstatten.

Am Wochenende hatte der US-Präsident bereits den Katastrophenfall für Texas ausgerufen, der bislang am stärksten von den Sturmfolgen betroffen ist. Die verheerenden Überschwemmungen nach dem Tropensturm "Harvey" machen nach Einschätzung der Behörden bis zu 30.000 Menschen in Texas vorübergehend obdachlos. Besonders betroffen ist die Millionenmetropole Houston, in deren Großraum insgesamt 6,5 Millionen Menschen leben. Die US-Katastrophenschutzbehörde Fema rief die gesamte Bevölkerung auf, sich an den Hilfsarbeiten zu beteiligen. "Ich bitte alle Einwohner, zu helfen", sagte der Leiter der Behörde, Brock Long.

Rettungsmannschaften helfen Überlebenden

Schnelle Besserung ist nicht in Sicht: "Wir sehen katastrophale Überflutungen, die wahrscheinlich noch schlimmer werden, weil das Wasser nur langsam abfließt", sagte der Leiter des Nationalen Wetterdienstes in den USA, Louis Uccellini. Der Sturm sog über dem am Ende des Sommers sehr warmen Golf von Mexiko extrem viel Feuchtigkeit auf, die er nun als Regen wieder abgibt. Der heftige Regen ließ in der Nacht zum Montag etwas nach, und wird voraussichtlich wieder stärker. In den nächsten Tagen könnten weitere 50 Zentimeter Regen pro Quadratmeter zu den ohnehin extremen Wassermengen hinzukommen.

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Die Infrastruktur in Houston ist wegen des Wassers größtenteils nutzlos.

(Foto: imago/UPI Photo)

In Houston fielen 607 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 48 Stunden, sagte n-tv-Meteorologe Björn Alexander. Bis Mittwochabend werden demnach bis zu 400 weitere Liter erwartet. Dies sei zweimal der Jahresniederschlag von Berlin. "Ganz einfach unvorstellbar, ich kann mich in den vergangenen 20 Jahren nicht an Regenmengen von 1000 Litern erinnern", sagte Alexander. Laut Zahlen des US-Wetterdienstes wären das mehr als bei Hurricane Katrina. Am Donnerstag soll es aufhören zu regnen.

Hunderttausende sind ohne Strom, weil die oft über Holzmasten verlegten Leitungen der Gewalt von Wind und Wasser nicht standhalten konnten. Mindestens acht Menschen starben. Die Behörden gehen von weiteren Todesopfern aus. Die Bergung stehe aber bisher nicht im Vordergrund. Die Rettungsmannschaften konzentrierten sich stattdessen darauf, in Gefahr geratene Menschen in Sicherheit zu bringen. Die Teams nutzen Boote und Hubschrauber.

Die Infrastruktur in und um Houston ist weitgehend zusammengebrochen. Der internationale Flughafen der Stadt ist bis auf Weiteres geschlossen. Viele Straßen und Autobahnen sind unpassierbar, der Unterricht in den Schulen wurde abgesagt. Auch außerhalb Houstons machte der Sturm viele Häuser dem Erdboden gleich. Verschmutzes Trinkwasser wird mehr und mehr zum Problem. Die Behörden riefen die Bevölkerung auf, Trinkwasser abzukochen. Die Fernsehsender zeigen Bilder aus Altenheimen, aus denen Menschen in Rollstühlen gerettet werden mussten. Senioren wurden in Schlauchboote gehievt, Eltern wateten mit weinenden Kindern durch den nächtlichen Regen. Kirchen öffneten ihre Tore als Herbergen für Flutopfer. Die Stadt Dallas stellte ihr Kongresszentrum bereit.

Auch Ölindustrie betroffen

Der Bürgermeister von Houston, Sylvester Turner, verteidigte seine Entscheidung, die Millionenstadt trotz des heraufziehenden Wirbelsturms nicht vorbeugend zu evakuieren. Stattdessen riet die Stadtregierung den Bewohnern, sich innerhalb der Stadt in Sicherheit zu bringen. "Wir haben das Beste für die Einwohner von Houston und deren Sicherheit getan", sagte Turner. Auch Fema-Chef Long rechtfertigte die Entscheidung. Eine Evakuierung der Großstadt hätte mehrere Tage in Anspruch genommen, sagte er.

Abbott, der Gouverneur von Texas, erklärte 50 Bezirke zu Notstandsgebieten. Ihm zufolge sind 3000 Angehörige der Nationalgarde im Einsatz und 250 Fernstraßen geschlossen worden, seit "Harvey" am Freitagabend bei Rockport als mächtiger Hurrikan auf die texanische Küste getroffen war.

"Harvey" bedeutet womöglich auch für die in der Region von Houston vorherrschende Ölindustrie einen schweren Schlag. Viele Raffinerien sind geschlossen, teilten unter anderem die Ölkonzerne Shell und Exxon mit. Experten gehen davon aus, dass derzeit 22 Prozent der Ölförderung im Golf von Mexiko stillstehen und täglich eine Million Barrel (je 159 Liter) Öl nicht verarbeitet werden. Houston ist durch einen rund 100 Kilometer langen Kanal mit dem offenen Meer bei der Küstenstadt Galveston verbunden. Die Raffinerien und anderen Anlagen entlang der Wasserstraße sind weitgehend geschlossen.

Das Nationale Hurrikan-Zentrum stufte "Harvey" - zunächst in der zweithöchsten Kategorie vier geführt - zwar immer weiter herunter, sodass er nun nicht mehr als Hurrikan gilt, der sintflutartige Regen hält aber an: von der Stadt Corpus Christi im Osten bis Houston im Westen. Nach Angaben von Meteorologen ist "Harvey" der zweitstärkste Wirbelsturm seit "Katrina", der vor zwölf Jahren die Gegend um New Orleans schwer in Mitleidenschaft gezogen hatte.

Quelle: n-tv.de, rpe/dpa

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