30.000 Südsudanesen bedrohtUNO warnt vor tödlicher Hungersnot

Nach jahrelangem Bürgerkrieg erlangt der Südsudan 2011 seine Unabhängigkeit. Kurz darauf eskaliert die innenpolitische Situation erneut. Die Bevölkerung leidet seitdem unter den anhaltenden Kämpfen zwischen Regierung und Rebellen.
Die UNO hat vor einer Hungerkatastrophe im Südsudan gewarnt. "Mindestens 30.000 Menschen leben unter extremen Bedingungen und sind vom Hungertod bedroht", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Welternährungsorganisation FAO, des Welternährungsprogramms WFP und des Kinderhilfswerks Unicef. Zehntausende weitere Menschen befänden sich am Rande einer Hungersnot.
Am stärksten betroffen sind den Angaben zufolge die Menschen im umkämpften nördlichen Bundesstaat Unity, der über reiche Ölvorkommen verfügt. Insgesamt 3,9 Millionen Menschen, ein Drittel der Bevölkerung Südsudans, seien mittlerweile Opfer der Krise. Die Situation habe sich im Vergleich zum Vorjahr drastisch verschlechtert, in den Monaten bis zum Jahresende müsse mit einer Hungersnot gerechnet werden. Aus den Gebieten um Leer, Guit, Koch und Mayendit hätten sich die Hilfsorganisationen wegen der dortigen Kämpfe zurückgezogen.
Hilfsaufruf der UNO
Die Geber müssten "dringend mehr Geld für Nahrungsmittelhilfe zur Verfügung stellen", forderte der Landesdirektor der Organisation Oxfam, Zlatko Gegic. Der Hilfaufruf der UNO für 2015 sei bislang "nur zu 55 Prozent finanziert". Oxfam forderte die Geber auf, verstärkt Projekte zu unterstützen, die die Selbsthilfemöglichkeiten der Bevölkerung stärkten, etwa in der Landwirtschaft und Fischerei.
Der Südsudan hatte erst Mitte 2011 nach einem Jahrzehnte langen Bürgerkrieg seine Unabhängigkeit vom Sudan erlangt. In dem nordostafrikanischen Land war im Dezember 2013 ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem einstigen Verbündeten und Stellvertreter, Riek Machar, eskaliert.
Massaker und Vergewaltigungen
Seitdem wurden bei Kämpfen zwischen Regierungstruppen und den von Machar geführten Rebellen zehntausende Menschen getötet. Viele Zivilisten wurden Opfer ethnisch motivierter Massaker und Vergewaltigungen. Mehr als zwei Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht. Viele Kinder seien "von ihren Familien getrennt und alleine unterwegs", erkärte Oxfam.
Schon mehrmals wurden unter internationalem Druck Waffenruhen für Südsudan vereinbart - die dann Tage oder schon Stunden später wieder gebrochen wurden. Auch die Ende August zwischen den Konfliktparteien geschlossene Friedensvereinbarung, die eine Machtteilung zwischen Regierung und Rebellen vorsah, hielt nicht.