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Die Missbrauchsvorfälle an der Universität von Südkalifornien in Los Angeles sollen bis in die 90er Jahre zurückreichen.
Die Missbrauchsvorfälle an der Universität von Südkalifornien in Los Angeles sollen bis in die 90er Jahre zurückreichen.(Foto: AP)
Donnerstag, 17. Mai 2018

Skandal an Uni von Kalifornien: US-Arzt soll Patientinnen missbraucht haben

Lange missbraucht ein Universitäts-Arzt laut einem Zeitungsbericht in Kalifornien seine Patientinnen. Obwohl es Bedenken gibt, wird er erst Jahre später entlassen. Der Mediziner bestreitet alles, noch hat ihn keine Studentin angezeigt.

Eine kalifornische Universität wird von einem Missbrauchsskandal erschüttert: Ein Gynäkologe soll über Jahrzehnte Patientinnen an der Universität von Südkalifornien in Los Angeles sexuell missbraucht haben. Wie die Zeitung "Los Angeles Times" unter Berufung auf mehrere aktuelle und frühere Mitarbeiter der Hochschule berichtete, waren die meisten der betroffenen Patientinnen noch minderjährig. Der Arzt bestreitet die Vorwürfe.

Hilfe bei sexuellem Missbrauch

Betroffene oder Menschen, die einen Missbrauch vermuten, können sich kostenfrei und anonym an das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch wenden: 0800-22 55 530. Weitere Infos zu Beratungs- und Hilfeangeboten vor Ort gibt es unter: www.hilfeportal-missbrauch.de

Die Vorfälle reichen dem Bericht zufolge bis in die 90er Jahre zurück. Der Frauenarzt soll die Patientinnen bei Untersuchungen unangemessen berührt, ihre Geschlechtsteile fotografiert und sexuelle und rassistische Bemerkungen gemacht haben. Für die Fotos gab er demnach medizinische Gründe an.

Obwohl Kollegen, Krankenschwestern und Patienten schon länger Bedenken äußerten, ließ die Universität den Arzt zunächst weiterarbeiten. Laut der "Los Angeles Times" wurde erst 2016 eine interne Untersuchung eingeleitet, als eine offizielle Beschwerde beim Gleichstellungsbüro der Universität eingereicht wurde.

Daraufhin wurde der Arzt suspendiert und entlassen, erklärte die Universität. Weil er mit einer Klage drohte, wurde aber eine finanzielle Vereinbarung mit ihm getroffen. Laut der "Los Angeles Times" beharrt der Gynäkologe darauf, dass sein Verhalten bei den Untersuchungen medizinisch vertretbar war.

Keine Hinweise gefunden

Nach Angaben der Universität wurden bei den internen Ermittlungen keine Hinweise auf "strafbares Verhalten" gefunden. Das Verhalten des Arztes sei aber ein "klarer Verstoß" gegen die Prinzipien der Hochschule und ein "beschämender Verrat" an ihren Werten. Im März meldete die Universität den Fall bei der kalifornischen Gesundheitsbehörde.

Auch Polizei und Staatsanwaltschaft seien informiert worden, schrieb Universitätspräsident Max Nikias in einem Brief an die Studierenden. Bisher hat noch keine Studentin den Arzt angezeigt. Nikias bat alle Studentinnen um Verzeihung, die im Gesundheitszentrum der Universität "nicht die respektvolle Behandlung erhalten haben, die jeder Menschen verdient".

Der Fall weckt Erinnerungen an den Sportarzt Larry Nassar, der an der Universität Michigan insgesamt 265 Sportlerinnen sexuell missbraucht haben soll. Die Hochschule kündigte gestern an, den Opfern insgesamt 500 Millionen Dollar (420 Millionen Euro) zu zahlen. Der 54-jährige Nassar war im Januar zu bis zu 175 Jahren Haft verurteilt worden. Im Februar wurde er in einem weiteren Prozess zu bis zu 125 Jahren Gefängnis verurteilt.

Quelle: n-tv.de