Panorama

Live auf Netflix gestreamtUS-Freikletterer bezwingt Wolkenkratzer in Taipeh

25.01.2026, 05:06 Uhr
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Alex Honnold schafft die 500 Meter in knapp 32 Minuten. (Foto: picture alliance / Hans Lucas)

Dank eines Live-Streams können Zuschauer aus aller Welt verfolgen, ob der Extremkletterer Honnold beim Besteigen eines der höchsten Wolkenkratzer der Welt in die Tiefe stürzt. Der Schock bleibt aus, der US-Amerikaner schafft es heil an die Spitze.

US-Freeclimber Alex Honnold hat sich den Traum von einer Wolkenkratzer-Besteigung erfüllt. Der 40-Jährige kletterte in rund anderthalb Stunden ohne jegliche Absicherung auf den 508 Meter hohen Taipeh 101 in Taiwans Hauptstadt. Die Aktion wurde live via Netflix gestreamt - was für massive Kritik gesorgt hatte ."Ich bin total gehypt, unglaublich!", sagte Honnold, nachdem er es schließlich geschafft hatte. Auf der Spitze des Gebäudes schoss der Extremsportler zunächst ein Selfie, ehe er der jubelnden Menge am Boden zuwinkte. Honnold, einer der besten Freikletterer der Welt, benötigte für seinen Aufstieg an der Fassade des pagodenartig gebauten Hochhauses entlang eine Stunde und knapp 32 Minuten.

Vor der Aktion hatten Medienwissenschaftler die geplante Live-Übertragung massiv kritisiert. "Menschen dabei zuzusehen, wie sie sich in eine Todesrisiko-Situation begeben, halte ich persönlich für ethisch nicht vertretbar", sagte etwa der deutsche Medien- und Sportwissenschaftler Thomas Horky dem Schweizer Rundfunksender SFR. Wegen Regens war ein erster Kletter-Versuch am Samstagmorgen in Taipeh abgesagt und verschoben worden. Sie seien auf die Gnade der Natur angewiesen, betonte der Star-Kletter, der in den Tagen vorher mit Seil am Taipeh 101 geübt hatte. Rund zweieinhalb Monate bereitete sich Honnold speziell auf den Wolkenkratzer vor.

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Alex Honnold wenige Stunden, bevor er den Taipeh 101 (Mitte) erklimmt. (Foto: picture alliance/dpa/Netflix)

Der verheiratete Vater von zwei kleinen Kindern verzichtet für gewöhnlich auf ein Seil oder andere Absicherungen - so auch beim Live-Spektakel in Taipeh, das Netflix "Skyscraper live" nannte. Während des Aufstiegs wurde Honnold immer wieder von Schaulustigen hinter den Fensterscheiben der Büroetagen fotografiert und lautstark angefeuert. Davon ließ er sich jedoch nicht beirren: Es sei cool, die Erfahrung mit all den Leuten zu teilen, sagte Honnold.

Die Angst klettert mit

"Wenn du fällst, stirbst du", hatte er vor der Kletteraktion gesagt. "Ich bin mittlerweile an die Angst gewöhnt. Sie klettert immer mit." Kritik an seinem Wolkenkratzer-Projekt könne er "total verstehen". Aber wenn andere Freeclimber die Möglichkeit bekämen, das zu klettern, würden sie es auch tun. "Die Leute schauen auf das Projekt und sagen: Das ist riskant oder gefährlich. Aber für mich ist es nicht so viel anders als das, was ich sonst mache", sagte er.

Honnold erlangte über die Freikletter-Szene hinaus große Bekanntheit durch den Film "Free Solo". Die Produktion gewann 2019 den Oscar als bester Dokumentarfilm. Gezeigt wird, wie Honnold die 915-Meter-Wand des El Capitan im Yosemite Nationalpark bezwingt. Insgesamt klettert der Extremsportler bereits seit rund 30 Jahren.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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