Auf der Suche nach LadendiebenUS-Polizisten erschießen einjährigen Jungen

Die Polizei wird zu einem Ladendiebstahl alarmiert. Als den Beamten ein Auto auf dem Parkplatz gefährlich nahekommt, schießen sie. Ein Kleinkind verliert sein Leben, die Mutter kämpft um ihres.
In Senatobia im US-Bundesstaat Mississippi haben Polizeibeamte einen einjährigen Jungen erschossen. Die Polizisten waren am Sonntagnachmittag gegen 14 Uhr wegen Ladendiebstahls zu einem Walmart alarmiert worden, berichtet der Sender WREG. Als die Streifenwagenbesatzung am Supermarkt eintraf, entdeckten sie ein Auto, das zu flüchten schien. Dabei handelte es sich um den Wagen zweier Frauen, in dem auch das Kleinkind saß. Sie hatten gerade ihren Einkauf beendet und wollten nach Hause fahren.
Die Polizei teilte nach dem tödlichen Vorfall mit, dass sie versucht hätte, den Wagen anzuhalten. Die Frauen hätten jedoch ihre Fahrt unbehelligt fortgesetzt und dabei fast einen Beamten erfasst. Das Mississippi Bureau of Investigation, das nun in dem Fall ermittelt, sagte, die Polizisten hätten aufgrund der Beinahe-Kollision das Feuer eröffnet.
Auf Fernsehbildern ist ein Einschussloch auf der Beifahrerseite der Windschutzscheibe zu sehen. Dort saß die Mutter des Einjährigen, die das Kleinkind auf dem Schoß hatte. Die Kugel tötete den Jungen und verletzte die Frau lebensgefährlich. Die Fahrerin des Autos, die Tante des Kindes, fuhr sofort ins nächstgelegene Krankenhaus, dort konnte nur noch der Tod des Jungen festgestellt werden.
Angehörige sind fassungslos. "Es hätte nicht so weit kommen müssen. Man hätte es anders handhaben können", sagt LiCole Wiley bei WREG. Die Oma des Kindes könne nicht verstehen, wie ein Einsatz wegen Ladendiebstahls so eskalieren könne, dass ein Kind stirbt. "Jemand muss dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Das ist einfach nicht richtig", fordert der Großvater des Jungen, Carlos Haynes. Am Dienstagabend wurde vor dem Walmart gegen Polizeigewalt demonstriert. Die Polizei löste den Protest mit Tränengas auf, wie Fernsehbilder von Action News 5 zeigen.
"Die Polizei von Senatobia kommt mit viel zu viel durch", sagt Urgroßmutter Carolyn Stokes. WREG trägt zusammen, dass die Behörde im vergangenen Jahr eine Frau mit Taser niederstreckte, da sie fälschlicherweise auf einem Behindertenparkplatz parkte. 2023 haben die Beamten einen Zehnjährigen festgenommen, weil er auf dem Parkplatz einer Anwaltskanzlei urinierte. 2022 ging die "als rüde beschriebene" Festnahme eines 31-Jährigen viral. Seit den Vorfällen hat die Polizei von Senatobia eine neue Führung und einzelne Beamte sind nicht mehr im Dienst.
Zu dem aktuellen Fall äußern sich die Ermittler nicht, Konsequenzen wurden noch keine angekündigt. "Wir legen großen Wert auf vollständige Transparenz", kündigte die Behörde noch am Sonntag an. "Im Laufe der Ermittlungen und sobald die Fakten überprüft sind, werden wir so viele Informationen wie möglich veröffentlichen."