Panorama

Flüchtlingen Bein gestellt Ungarische Kamerafrau freigesprochen

64552621.jpg

Die Kamerafrau erklärte ihren Tritt damit, dass sie in dem Moment Panik empfunden habe.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Bilder gehen um die Welt: Als Flüchtlinge 2015 versuchen, über die grüne Grenze nach Ungarn zu gelangen, stellt eine Kamerafrau einem Mann mit seinem Kind auf dem Arm ein Bein. Für die Aktion wird die Ungarin verurteilt - bis die letzte Instanz sie nun freispricht.

Eine ungarische Kamerafrau, die 2015 mit Tritten gegen Flüchtlinge Empörung auslöste, ist in letzter Instanz freigesprochen worden. Der Oberste Gerichtshof Ungarns urteilte, das Verhalten der Journalistin sei zwar "moralisch falsch und illegal" gewesen. Es habe sich aber nicht um Vandalismus gehandelt, wie es die vorherigen Instanzen gesehen hatten.

Vielmehr habe sich Petra L. einer "Störung" schuldig gemacht, erklärte das Gericht. Dabei handle es sich um ein Bagatelldelikt, das inzwischen verjährt sei. Petra L. war im Januar 2017 wegen Vandalismus zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Die Kamerafrau hatte im September 2015 nahe der Grenze zu Serbien unter anderem einem rennenden Flüchtling mit einem Kind auf dem Arm ein Bein gestellt. Beide stürzten daraufhin zu Boden. Auf anderen Aufnahmen ist zu sehen, wie die Frau einem fliehenden Mädchen einen Tritt versetzt. Die Bilder gingen um die Welt.

Die Vorfälle ereigneten sich, als hunderte Flüchtlinge nahe dem Ort Röszke eine Polizeiabsperrung durchbrachen. Die Kamerafrau, die für den Internet-Fernsehsender N1TV arbeitete, der der rechtsextremen ungarischen Partei Jobbik nahe steht, erklärte ihr Verhalten mit Panik angesichts der heranstürmenden Menschen. Nach dem Vorfall wurde sie gefeuert.

Im September 2015 waren täglich Tausende Flüchtlinge aus Serbien nach Ungarn gelangt. Eine Woche nach dem Vorfall in Röszke stellten ungarische Soldaten einen 175 Kilometer langen Grenzzaun fertig.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP

Mehr zum Thema