Panorama

Zeichnung lag unter Pinguin-KotUraltes Aquarell in der Antarktis gefunden

13.06.2017, 12:00 Uhr
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Josefin Bergmark-Jimenez mit dem Wilson-Aquarell. (Foto: Antarctic Heritage Trust)

Am Cape Adare gibt es jede Menge Pinguine und zwei halbverfallene Hütten, die früher einmal von den Entdeckern der Antarktis genutzt wurden. Unter viel Pinguin-Kot, Staub und Schimmel stoßen die Forscher hier auf einen Schatz.

Die Expeditionen, die die Menschen unternahmen, um den Südpol zu erreichen, sind Legende. Zu der Mannschaft um Robert Scott, die am Ende in dem Wettrennen mit Roald Amundsen das Nachsehen hatte, gehörte auch Edward Wilson. Der Ornithologe und Maler fand gemeinsam mit Scott und drei anderen Teilnehmern 1912 den Tod im ewigen Eis.

Doch seine Kunst begeistert die Menschen bis heute. Diese Erfahrung machen gerade die Mitarbeiter des neuseeländischen Antarctic Heritage Trust, die an ungewöhnlicher Stelle auf eines seiner Bilder gestoßen sind. In einer Hütte am Cape Adare bargen sie etwa 1500 Artefakte, die seit mehr als einem Jahrhundert dort gelegen haben.

Die Gegenstände und Papiere lagen unter Pinguin-Exkrementen, Staub und Schimmel. Als Konservatorin Josefin Bergmark-Jimenez diese Funde sichtete, erlebte sie eine geradezu atemberaubende Überraschung. "Ich öffnete diese Papiersammlung und da war dieses wunderschöne Gemälde - ich bekam einen solchen Schreck, dass ich es gleich wieder zuklappte", sagte Bergmark-Jimenez über diesen Moment.

Die Papierkonservatorin war auf ein Aquarell gestoßen, das offenbar Wilson gemalt hatte. Es zeigt einen toten Vogel, der Signierung zufolge einen Baumläufer. "Ich konnte nicht aufhören, das Gemälde zu betrachten, die Farben, die Lebendigkeit, es ist so eine schöne Arbeit." Bergmark-Jimenez konnte das Bild Wilson zuordnen, nachdem sie einen Vortrag über den Naturforscher und Künstler an der Canterbury University besucht hatte.

Der Organisation zufolge wurde die Entdeckung bereits im vergangenen Jahr gemacht. Sie wurde jedoch geheim gehalten, damit sich die Konservatoren in Ruhe um alle Artefakte kümmern können. Nach Ansicht der Wissenschaftler hat Wilson das Bild nicht auf der Expedition gemalt, sondern wahrscheinlich in der Zeit, in der er sich in Europa von einer Tuberkulose-Erkrankung erholte. Wahrscheinlich führte Wilson die Zeichnung mit. Sie gelangte dann wahrscheinlich von Cape Evans, wo Scott sein letztes Basislager hatte, nach Cape Adare. Die beiden Hütten dort waren 1899 von Norwegern gebaut worden. Dort lag es 118 Jahre, bis die Forscher es schließlich fanden.

Quelle: sba

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