Panorama

Winnenden-Mörder falsch behandelt? Vater von Amokläufer scheitert mit Klage

b78c29c7f2d5574c6b7e99d2d7dcce74.jpg

Kreidespuren zeigen die Stelle, an der sich Tim K. selbst erschossen hat.

(Foto: dpa)

Vor sieben Jahren geht Tim K. schwer bewaffnet in seine ehemalige Schule in Winnenden und tötet 15 Menschen. Wurde er zuvor in einer Psychiatrie falsch behandelt, hätten Ärzte erkennen müssen, was er vor hat? Das versuchte sein Vater vor Gericht nachzuweisen.

Der Vater des Amokläufers von Winnenden ist mit einer Klage auf eine Übernahme von Schadenersatzforderungen durch die psychiatrische Klinik gescheitert, in der sein Sohn behandelt wurde. Das Landgericht Heilbronn wies seine Klage gegen das Zentrum für Psychiatrie Weinsberg und dessen Mitarbeiter ab. Es könne nicht angenommen werden, dass dort festgestellte Behandlungsfehler "mitursächlich für die Amoktat" seien. (Az. 1 O 220/12 Ri)

Der Vater hatte gefordert, dass die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und die behandelnden Therapeuten die Hälfte des verlangten Schadenersatzes tragen müssten. Es geht dabei laut Gericht um mehrere Millionen Euro. Der Vater hatte seine Klage damit begründet, dass es bei der ambulanten Behandlung seines Sohns im Jahr 2008 Behandlungsfehler gegeben habe, die für den Amoklauf "mitursächlich" gewesen seien.

Nicht "mitursächlich für die Amoktat"

Das Gericht stellte zwar nur unter Berufung auf ein Gutachten Behandlungsfehler fest. So habe Tim K. bei seinem ersten Gespräch in der Klinik "Wut und Hass auf die Menschheit" zum Ausdruck gebracht und erklärt, er habe oft Gedanken, "andere umbringen zu wollen". Den Therapeuten sei daher vorzuwerfen, nicht ausreichend nachgefragt zu haben, erklärte das Gericht. Sie hätten insbesondere nach dem Zugang zu Waffen fragen müssen.

Dennoch sah das Gericht diese Fehler nicht als "mitursächlich für die Amoktat" an. Es lasse sich nicht einschätzen, was bei einer intensiveren Befragung herausgekommen wäre, urteilten die Richter. Konkrete Ankündigungen für eine Tat habe es nicht gegeben. Zudem seien die zunächst geäußerten Gedanken bei späteren Gesprächen verneint worden.

Es bleibe auch "völlig spekulativ", wie die Eltern mit dem Thema Waffen weiter umgegangen wären. Sie hätten jedenfalls deren Verfügbarkeit im eigenen Haus nicht von sich aus angesprochen.

Der damals 17-jährige Tim K. hatte im März 2009 mit der Pistole seines Vaters 15 Menschen erschossen und anschließend sich selbst getötet. Der Vater wurde später zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt, weil er die Waffe nicht ordnungsgemäß weggesperrt hatte.

Quelle: n-tv.de, bdk/AFP/dpa

Mehr zum Thema