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Pleiten und tragische TodesfälleVenedigs verfluchter Palazzo steht zum Verkauf

01.02.2026, 11:29 Uhr A. Affaticati 1Von Andrea Affaticati, Mailand
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Die Ca' Dario ist einer der bekanntesten Paläste in Venedig und hier rechts im Bild zu sehen. (Foto: picture alliance / CHROMORANGE)

So richtig Glück hat Ca' Dario, die sich im Canal Grande in Venedig spiegelt, niemandem gebracht. Im Gegenteil. Jede Art von Leid mussten die Besitzer erfahren. Jetzt steht der Palazzo zum Verkauf. Ob der Preis ihn schmackhaft macht, wird man sehen.

Glauben Sie an Gespenster? Und was meinen Sie - kann es so etwas wie für alle Zeiten verfluchte Gebäude geben? Der Verstand rät, sich auf solche Thesen gar nicht erst einzulassen. Es gibt aber Geschichten, die einen dann doch verblüffen, Rationalität hin oder her.

Genauso ein Fall ist die Ca' Dario (Ca' steht für Casa, also Haus) in Venedig. Wer schon in der Lagunenstadt war, hat den Palazzo sicher gesehen. Er liegt schräg gegenüber vom Markusplatz am anderen Ufer des Canal Grande, im Sestiere Dorsoduro. Es ist ein typisch venezianischer Bau aus der Renaissance und so gelungen, dass er einst den französischen Maler Claude Monet inspirierte. Aber die prachtvolle Ca' Dario hat den Ruf, ein verhexter Palazzo zu sein - in dessen Bann jedoch immer wieder jemand gerät.

Aktuell steht die Ca' Dario mal wieder zum Verkauf. Und zwar für 20 Millionen Euro, heißt es in den Zeitungen. Eine gar nicht mal so hohe Summe für ein Gebäude mit einer solchen kunsthistorischen Relevanz. Um den Verkauf kümmern sich die Immobilienunternehmen Christie's International Real Estate aus den USA und Engel & Völkers aus Deutschland.

Der Palazzo ist vier Stockwerke hoch, hat 15 Zimmer, 9 Schlafzimmer, 8 Bäder und eine Terrasse mit Blick auf den Canal Grande. Der Markusplatz ist Luftlinie einen Katzensprung entfernt und liegt einem praktisch zu Füßen. Nichtsdestotrotz könnte sich der Verkauf schwierig gestalten. Denn an und in diesem Palazzo sind schon mehrere Besitzer zugrunde gegangen.

Eine Mitgift mit fatalen Folgen

Es war Giovanni Dario, Sekretär der Serenissima Republik, der den Palazzo 1479 vom Architekten Pietro Lombardo errichten ließ. 1485 wurde er dann zur standesmäßigen Mitgift für seine Tochter, die den Gewürzhändler Vincenzo Barbaro heiratete.

Ein tolles Geschenk, das aber anscheinend unter keinem guten Stern errichtet worden war: Irgendwann lief es mit Barbaros Geschäften nicht mehr gut, er ging pleite und starb eines gewaltsamen Todes. Daraufhin stürzte sich seine Frau aus lauter Verzweiflung in den Canal Grande und ertrank. Und auch dem Sohn der beiden war kein besseres Schicksal beschert, er wurde auf Kreta ermordet.

Dass alle drei Mitglieder einer Familie auf so tragische Weise aus dem Leben scheiden, ist schon außergewöhnlich. Es war aber nur der Anfang. Mehreren der darauffolgenden Besitzer erging es nicht besser.

So zum Beispiel Arbit Abdoll. Der armenische Edelsteinhändler hatte Anfang des 19. Jahrhunderts den Palazzo von der Familie Barbaro gekauft. Doch auch von ihm wandte sich irgendwann das Glück ab. Das Geschäft ging den Bach runter und er musste die Ca' Dario zu einem Spottpreis verkaufen.

The-Who-Manager, Bassist und mörderischer Seemann

Es geschah aber nicht nur in der mehr oder weniger entfernten Vergangenheit, dass Besitzer oder Gäste des Palazzos von einem bösen Schicksal heimgesucht wurden. Auch das 20. Jahrhundert hat so manchen Fall vorzuweisen. Zu den bekanntesten Persönlichkeiten und Protagonisten eines Dramas in Verbindung mit dem Gebäude gehört Christopher "Kit" Lambert. Der ehemalige Manager der US-Band The Who hatte sich von dem tragischen Ende des Grafen Filippo Giordano delle Lanze, der 1970 im Palazzo von einem kroatischen Seemann ermordet worden war, nicht abschrecken lassen und die Ca' Dario gekauft.

Ein fataler Schritt, will man den Abergläubischen recht geben. Plötzlich stand Lamberts Leben auf dem Kopf: Er wurde drogensüchtig, kam hinter Gitter und wurde mittellos. Damit aber nicht genug. Der Bassist von The Who, John Entwistle, hatte die Ca' Dario 2002 für eine Woche gemietet. Zurück in den Vereinigten Staaten starb er sieben Tage später an einem Herzinfarkt.

Will man der Vox populi Glauben schenken, hat diese nicht enden wollende Serie dramatischer Geschehnisse mit dem Friedhof der Tempelritter zu tun. Es heißt nämlich, die Ca' Dario sei auf dem Areal des Friedhofs gebaut worden. Diese These wird zwar von Fachkundigen bestritten, das Gerücht besteht aber weiter.

Und es waren wahrscheinlich diese Geschichten, in Verbindung mit Warnungen, die Woody Allen, der kurz vor dem Kauf der Ca' Dario gestanden haben soll, dann doch umstimmten. Was Neurosen betrifft, kennt er sich ja bestens aus, wie er in seinen Filmen immer wieder bewiesen hat. Der Palazzo hätte ihn freilich filmisch inspirieren können - oder wie seine Vorgänger in seinen morbiden Bann ziehen.

Sogar Meisterdiebe ließen die Finger von der Ca' Dario

2006 wurde die Ca' Dario von einem Amerikaner gekauft, der aber, wie die Tageszeitung "La Repubblica" schreibt, anonym bleiben wollte. Vertreten wird er von einer amerikanischen Gesellschaft. Aber geschenkt - kurios ist vielmehr, dass dieser Besitzer den Palazzo weder bewohnt noch vermietet oder sonst irgendwie genutzt hat.

Sogar Vincenzo Pipino, heute 83 Jahre alt und einst als "der Gentleman unter den Dieben" bekannt, scheint es nicht zu bereuen, am Ende die Finger von dem Palazzo gelassen zu haben. Und das, obwohl er sein Leben lang - wenn er nicht gerade hinter Gittern saß - in den prunkvollen Palazzi und Galerien der Lagunenstadt Gemälde und Juwelen gestohlen hat. "Aber nur bei Reichen", wie er unlängst in einem Interview erzählte.

Natürlich hatte Pipino auch die Ca' Dario im Visier. Und auch ihm schien der fragwürdige Ruf, der dem Gebäude vorauseilte, nichts auszumachen. Im Gegenteil, er spornte ihn an. Außerdem hatte ihn ein venezianischer Antiquar wissen lassen, dass sich im Palazzo vier oder fünf nicht registrierte Kunstwerke befänden. Wäre es ihm gelungen, diese mitgehen zu lassen, wäre auch für ihn eine lukrative Abfindung herausgesprungen.

Als er dann aber vor dem Palazzo stand und durch das Gartentor zwei Carabinieri erblickte, die dort Wache hielten, brach er die Aktion ab. Nie wieder machte er sich an die Ca' Dario heran. Einmal hatte ihn das Schicksal gewarnt, herausfordern wollte er es aber nicht.

Quelle: ntv.de

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