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Schnee-Chaos fordert Todesopfer Verschneiter Baum erschlägt Jungen

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Selbst für Räumfahrzeuge ist ein Durchkommen durch die Schneemassen schwer.

picture alliance/dpa

Südbayern und Österreich versinken immer mehr im Schnee, aber auch in anderen Teilen Deutschlands schneit es unaufhörlich. Es gibt bereits mehrere Tote, etliche Dörfer sind von der Außenwelt abgeschnitten, in bislang drei Landkreisen in Oberbayern wurde sogar der Katastrophenfall ausgerufen. Zudem stehen Züge still, Lastwagen- und Autofahrer müssen stundenlang in ihren Fahrzeugen ausharren. Ein Überblick:

München: Ein neunjähriges Kind ist in Aying bei München von einem umstürzenden Baum erschlagen worden. Die Polizei ging am Donnerstagnachmittag davon aus, dass der Baum unter der hohen Schneelast zusammengebrochen war.

Berchtesgaden: Wegen der Schneefälle gilt nun in drei oberbayerischen Landkreisen der Katastrophenfall. In dieser Region fallen durch das Wetter auch viele Züge aus. Rund um Berchtesgaden sind immer mehr Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Die Orte Vorderbrand und Ettenberg seien nun nicht mehr erreichbar, teilte das Landratsamt mit. Die Zufahrtsstraßen seien gesperrt, weil Bäume unter der Schneelast umzukippen drohten. Eine Notversorgung der Bewohner sei eingerichtet. Zuvor waren schon die Straßen zur Siedlung Buchenhöhe in Berchtesgaden und zur Gemeinde Jachenau zugeschneit worden.

Allgäu: Polizisten retteten im bayerischen Kaufbeuren einen frierenden Säugling vor dem Schnee und hielten ihn mit einer Uniformjacke warm. Passanten hatten die hilflose Mutter des Kindes betrunken im Schnee neben einem Gehweg entdeckt, die Frau hielt ihr nur unzureichend bekleidetes Baby im Arm. Die Streifenbeamten wickelten das kleine Mädchen in eine Uniform und legten es in den Polizeiwagen, bis der Rettungsdienst kam: "Nachdem es im warmen Rettungswagen noch eine Mütze aufgesetzt bekommen hatte, fiel es sofort in den Schlaf."

Ruhpolding: Mit vielen Helfern kämpfen die Organisatoren vor dem Biathlon-Weltcup im bayerischen Ruhpolding gegen die Schneemassen. Der örtliche Ski-Club hatte in einem öffentlichen Aufruf darum gebeten, den Schnee in der Chiemgau-Arena zu beseitigen, um die Veranstaltung in der nächsten Woche nicht zu gefährden. Engelbert Schweiger, der Generalsekretär des Weltcup-Organisationskomitees, sagte dem "Traunsteiner Tagblatt": "Der Weltcup ist derzeit nicht gefährdet." Doch er ergänzte: "Dass wir aber vor großen logistischen Herausforderungen stehen, ist nicht zu bestreiten."

Ulm: Auch auf der A8 saßen in der Nacht zum Donnerstag Hunderte Lastwagen- und Autofahrer wegen Schneefalls und Glätte fest. Der Verkehr sei dadurch zwischen Ulm und Nellingen in Baden-Württemberg auf einer Länge von etwa 35 Kilometern zum Erliegen gekommen. In dem stockenden Verkehr starb bei Dornstadt eine 54 Jahre alte Autofahrerin. Sie stand Polizeiangaben zufolge in dem Stau und saß allein in ihrem Fahrzeug. Die Todesursache werde geklärt, sagte ein Polizeisprecher. Ein Verbrechen werde ausgeschlossen, hieß es lediglich.

Hermsdorf: Auf der A9 in Thüringen kam es in der Nacht zum Donnerstag zu einem zeitweise rund 50 Kilometer langen Stau. Die Fahrer Dutzender Lastwagen mussten die Nacht in ihren Fahrzeugen auf der Autobahn verbringen. Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks und des Deutschen Roten Kreuzes verteilten warme Decken und heiße Getränke. Der Stau löste sich am Donnerstag auch deshalb nur zögerlich auf, weil viele Fahrer erst hätten geweckt werden mussten.

Chemnitz: Ebenfalls zu einem langen Stau kam es auf der Bundesstraße 174 bei Chemnitz. Rund 170 Lastwagen blockierten in der Nacht auf Donnerstag die Fahrbahn. Die Fahrer mussten wegen des Winterwetters in ihren Fahrzeugen ausharren. In Chemnitz finden bis zum 14. Januar aus Sicherheitsgründen keine Beerdigungen auf dem Städtischen Friedhof statt. Alle bis Montag geplanten Beisetzungen wurden abgesagt. Wegen der hohen Schneebruchgefahr bleibe der Friedhof vorerst geschlossen.

Salzburg: In Österreich starben seit dem Wochenende mindestens sieben Menschen im Schnee - darunter zwei Deutsche, die am Sonntag in Vorarlberg von Lawinen verschüttet wurden. Am Mittwoch wurde ein 16 Jahre alter Deutsch-Australier vor den Augen seiner Familie beim Skifahren von einer Lawine in den Tod gerissen. Unter anderem starben zwei Skifahrer, die bei Stürzen im meterhohen Schnee versanken, sowie zwei junge Schneeschuhwanderer, die am Montag tot unter einem Lawinenkegel gefunden wurden. Erschwerend kommt hinzu, dass Streusalz-Lieferungen immer anspruchsvoller werden. Durch den hohen Schnee sind die Straßen auch für die Lieferfahrzeuge unpassierbar.

Quelle: n-tv.de, kpi/dpa/AFP

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