Panorama

Waldbrände wüten an US-Westküste Viele Gebiete von Außenwelt abgeschnitten

Was bleibt, sind "rauchende Ruinen", Schornstein-Skelette und verkohlte Haushaltsgeräte. In den westlichen Bundesstaaten der USA richten Busch- und Waldbrände an vielen Orten erheblichen Schaden an. Die Zahl der Todesopfer steigt.

Die verheerenden Busch- und Waldbrände an der Westküste der USA haben inzwischen ganze Ortschaften verwüstet und in den vergangenen 24 Stunden mindestens acht Menschen das Leben gekostet. Die Behörden warnen, dass die Opferzahlen in den nächsten Tagen noch steigen könnten, da viele Gebiete komplett von der Außenwelt abgeschnitten sind. Im Bundesstaat Oregon wurden fünf Städte "großenteils zerstört", wie Gouverneurin Kate Brown bekannt gab.

Unter den Todesopfern ist ein einjähriges Baby. Der Junge starb nach Polizeiangaben am Mittwoch im Bundesstaat Washington, als seine Eltern mit ihm vor den Flammen flüchteten. Die Eltern überlebten schwer verletzt. Im Bezirk Marion in Oregon wurden nach Polizeiangaben die Leichen von zwei Opfern der Feuerkatastrophe gefunden. Laut Lokalmedien handelte es sich um einen zwölfjährigen Jungen und seine Großmutter.

Auch in Nordkalifornien wurden drei Todesopfer entdeckt. Zuvor waren bereits mindestens acht Menschen in Kalifornien durch die dort seit Wochen heftig wütenden Busch- und Waldbrände ums Leben gekommen. Von großen Teilen der Stadt Talent in Oregon stehen nur noch "rauchende Ruinen", wie die Einwohnerin Sandra Spelliscy schilderte: "Es gibt mehrere Stadtteile, wo kein einziges Gebäude mehr steht, nur noch die Skelette von Schornsteinen oder verkohlten Haushaltsgeräten."

Feuer bricht Negativrekord in Kalifornien

Ein seit Mitte August wütender Waldbrand in Nordkalifornien hat sich unterdessen auf eine Rekordfläche von mehr als 1906 Quadratkilometer Land ausgeweitet. Das sogenannte August Complex Feuer im Bezirk Mendocino County ist damit das flächenmäßig größte in der jüngeren Geschichte Kalifornien, wie die Feuerwehr mitteilte. Bisher führte das Mendocino-Complex-Fire von 2018 die Liste der 20 größten Waldbrände in dem Westküstenstaat an.

Am Donnerstag kämpften 14.000 Feuerwehrleute gegen 29 Wald- und Buschbrände an. In diesem Jahr wurde in Kalifornien eine Rekordfläche von mehr als 12.500 Quadratkilometern Land zerstört. Schon jetzt zählen sechs der derzeitigen Brände zu den 20 größten in der Geschichte Kaliforniens, seit Beginn der Aufzeichnungen um 1930.

Die erneute massive Ausbreitung der Brände wird durch eine Hitzewelle und trockenen Wind begünstigt. Hunderte weitere Häuser wurden seit dem Wochenende vernichtet, Zehntausende Menschen mussten vor den Flammen fliehen. In der kommenden Woche sollen die Temperaturen endlich sinken, was für eine gewisse Erleichterung sorgen könnte, erklärte die Feuerwehr in Kalifornien.

Kein Verständnis für Klimawandel-Leugner

Die Katastrophe könne sich zum "größten Verlust von menschlichem Leben und Eigentum" durch Busch- und Waldbrände in der Geschichte Oregons auswachsen, warnte derweil Gouverneurin Brown. Auch der Gouverneur von Washington, Jay Inslee, nannte das Ausmaß der Feuer "beispiellos und herzzerreißend". Er machte den Klimawandel für die Brände verantwortlich. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom erklärte, angesichts der Brände habe er keinerlei Verständnis für Klimawandel-Leugner: "Das hat absolut nichts mit der Realität vor Ort zu tun."

Mehr zum Thema

In Kalifornien vernichteten die Flammen bereits eine Rekordfläche von mehr als 8000 Quadratkilometern. Rund 240 Kilometer nördlich von San Francisco breitete sich zuletzt das sogenannte Bear Fire mit rasender Geschwindigkeit aus. Es vereinte sich mit älteren Bränden und bedrohte die Stadt Oroville. In San Francisco und anderen kalifornischen Regionen erwachten die Menschen unter einem orangefarbenen Himmel. Erzeugt wurde das Phänomen vom Rauch der Brände, der sich mit Nebel vermischte und das Sonnenlicht blockierte - dies erzeugte eine surreal wirkende Szenerie wie in einem Katastrophenfilm.

Mehr als 170.000 Haushalte waren in Kalifornien ohne Strom, da der Energieversorger PG&E wegen der extremen Waldbrandgefahr in weiten Teilen des Bundesstaates das Stromnetz stilllegte. Nach Angaben der Feuerwehr wurden bereits mehr als 3000 Gebäude in Kalifornien durch die Feuer zerstört.

Busch- und Waldbrände haben in Kalifornien in den vergangenen Jahren stark zugenommen, wofür Experten die Erderwärmung mitverantwortlich machen. Beim folgenschwersten Waldbrand der kalifornischen Geschichte waren im November 2018 in Norden des Bundesstaats 86 Menschen ums Leben gekommen.

Quelle: ntv.de, fzö/AFP/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen