Panorama

Leere Betten trotz Corona-Krise Viele Kliniken beantragen Kurzarbeit

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Viele freie Betten für Corona-Patienten gibt es auch in dieser Klinik in Kiel.

(Foto: imago images/penofoto)

In der Corona-Krise bereiten sich Hunderte Krankenhäuser in Deutschland auf eine Welle von Patienten vor. Dafür werden andere Behandlungen und Operationen verschoben. Die nicht benötigten Ärzte und das nicht benötigte Pflegepersonal schicken manche Klinken nach Hause.

Zahlreiche Krankenhäuser beantragen trotz der Corona-Krise für Ärzte und Pflegepersonal Kurzarbeit. Zu den Betroffenen gehöre unter anderem die Schön-Klinik-Gruppe, berichtet der NDR. "Am Standort Vogtareuth im Landkreis Rosenheim wurde bereits vor einem Monat eine Betriebsvereinbarung über Kurzarbeit beschlossen. Daraus geht hervor, dass die Kurzarbeit für alle Berufsgruppen gilt und auch leitende Ärzte betreffen kann."

Bund und Länder hatten die Kliniken Mitte März angewiesen, alle planbaren Operationen, Aufnahmen und Eingriffe zu verschieben, um die Krankenhäuser für Corona-Fälle freizuhalten. Mittlerweile sei die erste Welle des Virus-Ausbruchs gut bewältigt worden, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vergangene Woche. Ab Anfang Mai sollen sie demnach schrittweise "in einen Regelbetrieb" zurückkehren.

In zahlreichen Kliniken in Deutschland stehen deshalb derzeit viele Betten leer. Eine betroffene Person der Schön-Klinik in Vogtareuth sagte dem NDR, dass auf einer Station Assistenz- und Oberärzte sowie Pflegepersonal in Kurzarbeit geschickt worden seien. Der Landkreis Rosenheim ist vom Coronavirus stark betroffen. Zwischenzeitlich hatte der ärztliche Kreisverband Pflegekräfte und Ärzte zur Behandlung von Corona-Patienten gesucht. "Unter diesen Umständen Nichtstun verordnet zu bekommen, fühlt sich falsch an", zitiert der NDR den oder die Betroffene.

"Nur zu einem Drittel belegt"

Dem NDR zufolge ist die Schön-Klinik keine Ausnahme. Demnach bereiten zahlreiche Kliniken Kurzarbeit vor, verhandeln mit der Belegschaft darüber oder haben schon Mitarbeiter nach Hause geschickt. Dazu gehören auch zwei Häuser der Lubinus-Stiftung in Kiel. Das Klinikum in Schleswig-Holstein sei nur zu einem Drittel belegt, sagt der Vorstandsvorsitzende Manfred Volmer. Vor allem werde nicht-medizinisches Personal in Kurzarbeit geschickt. Andere Kliniken sollen ihre Mitarbeiter aufgefordert haben, aufgrund der geringen Auslastung Überstunden abzubauen oder Urlaub zu nehmen.

Auch die Klinikgruppe Asklepios denkt trotz Rettungsschirm der Bundesregierung über Kurzarbeit nach. In einer Pressemitteilung heißt es, der Schutzschirm habe Löcher. 560 Euro für leerstehende Betten pro Tag sei zu wenig, heißt es. Gerade für Unikliniken und Spezialkliniken, die aufwändige und damit teure Eingriffe durchführten. Zudem seien die Kosten für Schutzmaterialien massiv gestiegen. Der Rettungsschirm fange diese Mehrkosten nur teilweise auf.

Das sei alles trotzdem kein Grund für Kurzarbeit, zitiert der NDR Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Es bestehe keine Notwendigkeit, dass Kliniken Kurzarbeit anmelden. Der Krankenhaus-Rettungsschirm enthalte Ausgleichszahlungen für Personalkosten. Auch aus dem Bundesgesundheitsministerium heißt es, Kurzarbeit sei "zur Sicherung der Liquidität des Krankenhauses nicht erforderlich".

Quelle: ntv.de, chr