Panorama

Die Zukunft des ReisensVon Oldtimer-Touren bis Beamen - (fast) alles ist möglich

25.05.2026, 14:31 Uhr dff697a9-ec36-4d60-a8dd-b9e0363450ecVon Sabine Oelmann
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Valley of Fire 2
Sieht traumhaft aus: Mit dem VW Käfer durch die Welt fahren. Einige trauen sich das ... (Foto: Manuel Vering)

Der Traum vieler Menschen ist es, sich von A nach B zu "beamen": eben noch bei der Arbeit, zack, schon an der Copa Cabana. Oder auf dem Mars. Für die einen ein Traum, für andere ein Albtraum, denn manch Reisendem geht es auch um die Sache an sich - das Reisen.

Reisen ist ein Ausnahmezustand, es sei denn, man macht es zum Beruf. Die meisten Menschen sagen, die Ferien seien die schönste Zeit des Jahres. Sie bereiten sich darauf vor, lesen über Land, Leute, Lebensmittel, packen die schönsten Kleidungsstücke ein - und auch das Beste von sich. Sie wollen Ruhe oder Action, auf keinen Fall Stress. Sie wollen Quality-Time, Liebe, Neues und Sonne. So manch einer wünscht sich nichts anderes als ein kaltes Bier und eine freie Strandliege.

Die Autorin dieser Zeilen wünscht sich, dass im Flieger nicht so viele Besoffene in Schlafanzughose sind, im Zug das Netz funktioniert und Kreuzfahrtriesen abgeschafft werden. Am liebsten reist sie mit dem Auto, hält an, wann es ihr gefällt, packt ein, was sie möchte (Taschenmesser, Sprühsahne, Sturmfeuerzeug) und hört während der Fahrt sehr laut Musik oder telefoniert, sollte das Netz stabil sein und sie nicht schneller als 130 fahren.

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Reisen ist und bleibt so individuell wie jede einzelne Person. (Foto: Manuel Vering)

Als die Menschen früher flogen, machten sie sich schick. Heute kann man froh sein, wenn die Mitreisenden einen Jogginganzug anhaben. Früher war Reisen etwas Besonderes, heute machen es alle - immer, ständig, kurz, lang, weit, nah, Hauptsache weg. Sie vergessen, dass sie immer sich selbst dabeihaben und glauben oft, woanders jemand anderes sein zu können. Sie benehmen sich manchmal schlechter als zu Hause und begründen es damit, dass sie "dafür" - also einen großen Tisch mit Freunden auf der Lieblingsinsel im schicken Restaurant und viel teurem Essen und noch teureren Getränken - ja schließlich bezahlen. Als ob die anderen Gäste das nicht täten. Sie beanspruchen Dinge, Leistungen, Aufmerksamkeit, als könne man sich alles kaufen. Das ist aber nicht möglich - egal, wie wir reisen.

Wie autonom darf es denn sein?

Auf einer Veranstaltung im DRIVE. Volkswagen Group Forum in der Berliner Friedrichstraße wurde jüngst ein bisschen Zukunftsmusik zum Thema Reisen gespielt: das autonome Reisen. Sicher, autonomes Fahren ist wahrlich nicht brandneu, aber autonom verreisen? Von Hamburg nach Florenz? Ohne Fahrerin oder Fahrer? Also, rein in den Wagen, das Ding fährt von allein, schlafen, arbeiten, spielen, lieben, aus dem Fenster oder in den Himmel gucken - was immer du möchtest, mach' die Augen zu, enjoy the ride. Die meisten Anwesenden auf der Veranstaltung möchten das (noch) nicht.

Auch Maria Ehrich, Schauspielerin und Weltenbummlerin, schüttelt den Kopf. "Kann ich mir nicht vorstellen", sagt sie. "Jedenfalls momentan nicht." Mit ihrem damaligen Freund (und heutigen Ehemann) Manuel Vering ist sie vor einigen Jahren auf Weltreise gegangen. Sie liefert die Bilder, die man sich vorstellt, wenn man das Wort "Weltreise" hört: In einem Mexiko-Käfer, "Ultima Edition", also einem der letzten seiner Art, bevor alles aerodynamischer und nicht mehr so rund war, fuhr das Paar 20.000 Kilometer aus Südamerika quer durch Nordamerika bis nach Neufundland.

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Wer reist, ist und bleibt emotional unterwegs, das weiß Maria Ehrich sehr genau. (Foto: Kai-Uwe Knoth)

Ab und zu kamen beide an ihre Grenzen, wussten nicht, ob sie diese Reise als Paar überstehen würden. Inzwischen weiß man ja, alles ist gut, aber diese Art von Reisen - Schlafen im Auto, auf dem Dach, überall, immer zusammen - hat dem Paar einiges abverlangt. Und doch noch viel mehr gebracht! Es wurde ein Film daraus, einer ohne Drehbuch, eine Zeit, in der Dinge passiert sind, von denen die meisten träumen.

Den Käfer gibt es nicht mehr, jedenfalls nicht im Hause Ehrich-Vering, aber er fährt noch, erzählt die Schauspielerin ntv.de und wird kurz wehmütig. Sagt dann aber schnell: "Nee, das ist alles gut so, wir hatten das Auto, wir haben diese Reise gemacht, es durfte weiterziehen und jemand anderen glücklich machen."

Ein Auto macht also glücklich? Anscheinend, und die Geschmäcker sind verschieden. Modelle wie der Volkswagen Käfer, der Bulli oder der Audi quattro haben die individuelle Mobilität geprägt und Millionen Menschen neue Möglichkeiten der Fortbewegung eröffnet. Angefangen beim ikonischen Volkswagen Wohnmobil "Irene" bis hin zum vollelektrischen ID.BUZZ. Das E-Auto, vor allem als Reisebus, scheint das Ding der Zukunft zu sein, denn man kann darin wohnen, essen, schlafen, überall anhalten. Es entspricht unserem Drang nach Individualität vielleicht am meisten, uns auf diese Art und Weise fortzubewegen.

Sind Zugfahren und Fliegen out?

Sicher nicht, aber beim Thema Auto gibt es die meisten Emotionen. Menschen geben ihren Fahrzeugen Namen, bringen sie etliche Male in die Werkstatt, und fast scheint es, als wäre das Autofahren in unserer DNA. Es war schließlich eine Art Demokratisierung des Reisens, als man sich einen VW leisten konnte und damit nach Italien, Dänemark oder Österreich düste.

Heute gehört das Auto für viele, vor allem jüngere, Menschen nicht mehr so dringend zum Leben wie noch vor ein paar Jahren. Der Blick in die Zukunft verrät allerdings, wie fortschrittliche Fahrzeuge den Nahverkehr verändern könnten. Vorrangig auf dem Land, aber auch in der Stadt, denn es wäre ja zu schön, wenn der Bus pünktlich käme. Obwohl kein Fahrer darin sitzt. Oder gerade deswegen?

Autonom fahrende Shuttles und Busse könnten den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) in Deutschland tatsächlich angenehmer und effektiver machen (Studie im Auftrag von DB Regio). Bereits in 20 Jahren könnten sich die Wartezeiten für Fahrgäste mancherorts halbieren, Straßen würden entlastet und ländliche Gebiete besser angebunden, wenn autonome Fahrzeuge flächendeckend eingesetzt werden.

In den USA und China sind autonome Fahrzeuge privater Anbieter bereits ohne Fahrer im kommerziellen Betrieb unterwegs, erste ‍sogenannte Robotaxi-Verkehre sind für deutsche und europäische Städte angekündigt. Autofahrende würden 2045 beim Umstieg auf den ÖPNV durchschnittlich 170 Euro ‌pro Monat sparen, heißt es laut Studie.

Die Befürworter sehen im autonomen Fahren und Reisen mehr als Technik: Sie sehen eine Chance, Mobilität effizient und wirtschaftlich nachhaltig zu gestalten. Da Menschen Gewohnheitstiere sind, werden sie ihre Angewohnheiten jedoch erst dann ändern, wenn das neue Angebot verlässlich und ⁠attraktiv ist und ins Alltagsleben passt.

Reisen per Flugzeug

Die Zukunft des Fliegens müsste von der Einführung CO2-freier Flugzeuge, Überschalljets und autonomer Flugzeuge geprägt werden. Diese Technologien könnten um das Jahr 2040 das Reisen revolutionieren. Ansonsten: Bye bye, Kranich und Co.? Auf der Kurzstrecke werden durch Klimawandel und Flugscham sowieso immer häufiger Bahn oder Reisebus genutzt. Und wer weiterhin fliegen möchte, erlebt eine Branche, die ihre Fluggäste lieber weiterhin drei Stunden vor Abflug antanzen lässt, statt sich um Flugausfälle und mangelnden Service zu kümmern.

Zwischendurch fragt man sich: Wann genau hatte die Welt aufgehört, sich zu drehen und zu einer Scheibe zusammenzuschmelzen? Überschall hatten wir bereits, und autonom fliegen tun wir wahrscheinlich öfter, als uns bewusst ist. Machen Sie sich ebenfalls bewusst, dass es bald nicht mehr darauf ankommen wird, ob Sie von Berlin oder München oder Düsseldorf starten wollen - Sie starten da, wo der Flieger abfliegt, basta. Das Angebot an verfügbaren Maschinen bestimmt die Nachfrage, nicht umgekehrt. Denn Direktverbindungen sind das A und O in der Branche, egal wohin - Hauptsache, die Maschinen sind ausgelastet.

Ja, das Tourismussegment im Flugsektor bröckelt weg, was neben den gestiegenen Preisen auch an mehr Achtsamkeit in Bezug auf die Wahl der Destination und der Verkehrsmittel liegt.

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Die Ausstellung "ICONIC" im DRIVE. Volkswagen Group Forum wurde um ein zusätzliches Themenfeld erweitert: das Reisen. Der neue Schwerpunkt zeigt die kulturelle, gesellschaftliche und persönliche Bedeutung, die das Unterwegssein für Menschen hat. (Foto: Kai-Uwe Knoth)

Wann wird alles wieder besser?

Jüngstes Verknappungsbeispiel: Der Rückzug von Ryanair vom Flughafen Berlin Brandenburg. Airline-Chef Eddie Wilson findet, der BER sei hoffnungslos überteuert, die Gebühren seit 2019 um rund 50 Prozent gestiegen, weitere Erhöhungen geplant. Ryanair kritisiert zudem das Fehlen einer klaren Luftfahrtstrategie seitens der Bundesregierung. Besteht Grund zur Hoffnung? Vielleicht, sobald sich Wirtschaft, Ölpreise und Flugzeugverfügbarkeit wieder stabilisiert haben.

Quelle: ntv.de

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