Wirtschaft

Die Zukunft? Oder alles Quatsch? Wie realistisch Flugtaxis wirklich sind

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Der "CityAirbus" soll bis Ende 2018 erstmals abheben.

Airbus

Der Spott über "Flugtaxi-Ministerin" Bär ist groß. Doch während sich Kritiker noch an der neuen Digitalisierungs-Beauftragten abarbeiten, basteln Start-ups bereits an Prototypen. Auch die großen Luftfahrtkonzerne mischen mit.

Dass Dorothee Bär, neue Staatsministerin für Digitalisierung, es wagte, sich nicht nur über Breitband-Ausbau in ländlichen Gebieten, sondern auch zu möglichen Anwendungsgebieten wie autonomes Fahren und Flugtaxis zu äußern, schlug hohe Wellen. Im Netz erntete die CSU-Frau Spott und Häme, die Medienwelt war bei ihrer Einschätzung gespalten: "Flugtaxis sind Quatsch", schrieben die einen, "Flugtaxis sind die Zukunft", die anderen.

Während der Streit über Sinn und Unsinn von Bärs Aussagen anhält, werden Flugtaxis bereits Realität. Gemeint ist damit meist eine größere, senkrechtstartende Flug-Drohne mit vier oder mehr Propellern, die Menschen befördern kann. Das ist bisher zwar nur bei wenigen Tests gelungen, an voll einsatzfähigen Flugtaxis wird aber intensiv geforscht. Neben vielversprechenden Start-ups wie Lilium aus München und dem Karlsruher Unternehmen E-Volo mit seinem Volocopter mischen mittlerweile auch die Granden der Luftfahrtindustrie mit.

Der europäische Flugzeugbauer Airbus etwa hat mittlerweile zwei Prototypen von Flugtaxis entwickelt: das mit Kippflügeln ausgestattete Fluggerät Vahana und die Quadrokopter-Gondel CityAirbus. Noch vor Ende 2018 soll der CityAirbus zu seinem Jungfernflug starten. Zugleich erprobt Airbus in Singapur mit dem System Skyways die digitale Infrastruktur, die für den urbanen Luftverkehr der Zukunft nötig sein könnte.

"Batterie-Technologie geht schnell voran"

Auch Airbus-Konkurrent Boeing setzt auf Flugtaxis und übernahm dafür kürzlich den Drohnen- und Roboter-Flugzeugbauer Aurora. Bereits im Jahr 2021 sollen die ersten Flugtaxis abheben. Mit von der Partie ist der US-Fahrdienstanbieter Uber: Nutzer sollen sich per Smartphone-App einen Flug buchen und mit den Boeing-Lufttaxis von einem sogenannten Vertiport - einem festen Start- und Landepunkt - zum nächsten fliegen können.

"Es ist heute noch schwer zu begreifen, aber die Batterie-Technologie geht so schnell voran, wir können es einfach machen", sagte Investor Frank Thelen, der sich an dem Start-up Lilium beteiligt hat, gegenüber n-tv. Und er ist sich sicher: Nicht erst in zehn Jahren, sondern eher in vier bis fünf Jahren wird es so weit sein. Auch der Vizechef der Produktentwicklung bei Boeing, Mike Sinnett, sagte, dass die "Grundbausteine für die Technik" des autonomen Luftverkehrs bereits zur Verfügung stünden.

Während die Technik nur eine Formsache zu sein scheint, bleibt eine andere wichtige Frage: Werden Menschen überhaupt bereit sein, ihr Schicksal einem Computer als Piloten anzuvertrauen? Eine Umfrage der Schweizer Großbank UBS im Rahmen einer Studie zur autonomen Luftfahrt ergab, dass in diesem Punkt noch Vorbehalte bestehen.

Deutsche haben Angst vor Flugtaxis

Etwas mehr als die Hälfte der Befragten aus verschiedenen Ländern würde keinen Fuß in ein autonomes Flugtaxi setzen. Etwa ein Fünftel hingegen wäre mutig genug. In den USA ist dieser Anteil übrigens wesentlich höher, fast ein Drittel der dort Befragten würde sich in ein Flugtaxi setzen. Die größte Skepsis herrscht bei Franzosen und Deutschen. Was die Umfrage aber auch offenbart: Die heranwachsende Generation ist wesentlich aufgeschlossener gegenüber dieser Technik, ebenso Menschen mit höherem Bildungsgrad.

Welche Rolle das Flugtaxi im Verkehr von morgen tatsächlich spielen kann, zeigt ein Blick auf die Vor- und Nachteile des Systems. Das Verlockende am Flugtaxi ist seine Schnelligkeit. Es kann in Städten einfach über Staus hinwegfliegen, muss nicht an Ampeln warten und fliegt schnurstracks von A nach B. Doch bei heiklen Wetterlagen, wie Sturm und Hagel, müssten alle Flugtaxis am Boden bleiben.

Nicht nur deshalb ist ein Einsatz als Massenverkehrsmittel schwer vorstellbar. In einer Großstadt wie Berlin gibt es jeden Tag fast 300.000 Pendler, fast vier Millionen Menschen nutzen den öffentlichen Nahverkehr. Sollte dieses Passagieraufkommen nur zum Teil durch Flugtaxis ersetzt werden, wäre eine Armada von Drohnen über den Köpfen der Stadtbewohner die Folge. Allein wegen des Lärms dürfte dies auf wenig Akzeptanz stoßen.

Eher ein Nischen-Angebot?

Dennoch ist das erste Flugtaxi am Himmel wohl nur eine Frage der Zeit. Aber es wird voraussichtlich nur in einer Nische Platz finden. Auch preislich dürfte es einen kleinen Kundekreis ansprechen - etwa den Top-Manager, der aus der City schnell zum Flughafen will.

Dennoch muss sich die Politik auch diesen Herausforderungen stellen; die Aussage von Digitalisierungs-Ministerin Bär zeigt zumindest ein Bewusstsein dafür. Der Normalbürger wird sich mit seinem Smartphone vorerst eher eine Verbindung via Bus, Bahn oder Carsharing suchen - wofür der Breitband-Ausbau mindestens genauso dringend benötigt wird.

Quelle: n-tv.de

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