Panorama
Gewaltbereite Randalierer zogen rund um den G20-Gipfel durch Hamburg und hinterließen eine Spur der Verwüstung.
Gewaltbereite Randalierer zogen rund um den G20-Gipfel durch Hamburg und hinterließen eine Spur der Verwüstung.(Foto: imago/Christian Mang)
Dienstag, 11. Juli 2017

Fake-News rund um G20 : Von erblindeten Polizisten und Panzern

Die Polizei war im Dauereinsatz, die Lage unübersichtlich und aufgeheizt. Während die Gewalt beim G20-Gipfel eskaliert, brodelt auch die Gerüchteküche: Erfundene Informationen verbreiten sich rasend schnell im Netz.

476 verletzte Polizisten, unzählige Verletzte auf der Gegenseite, 37 Haftbefehle und 186 Festnahmen: Hamburg erlebte am vergangenen Wochenende massive Gewaltexzesse. Offiziell ist der G20-Gipfel zwar vorüber, die Straßen der Hansestadt sind aufgeräumt und in den Schaltstellen von Polizei und Regierung werden die politischen Scherben bereits zusammengekehrt. Doch die Hamburger Krawallnächte werden noch lange im kollektiven Gedächtnis bleiben.

Während noch gerätselt wird, wie es zu einem solchen Desaster kommen konnte und wer die Täter sind, werden immer mehr Gerüchte entlarvt. Fest steht: In Hamburg wurde weder der Notstand noch der Katastrophenfall ausgerufen, es wurden keine Panzer der Bundeswehr eingesetzt, es gab keinen Sturm auf die "Rote Flora" und Tote gab es beim G20-Gipfel schon mal gar nicht. Folgende Meldungen und Fotos wurden verbreitet, die nicht stimmen:

Panzer in Hamburg - Katastrophenfall

Gleich am ersten Tag des Gipfels sorgte ein Bild, das einen Panzer-Konvoi der Bundeswehr im Hamburger Stadtteil Osdorf zeigt, für Verwirrung. Unterstützt das Militär nun die Polizei vor Ort, fragten aufgeregte User. Tatsächlich war das Bild zwar echt, der Kontext aber Unsinn. Wie das Verteidigungsministerium mitteilte, verlegte die Armee zu Beginn des Gipfels drei Fuchs-Transportpanzer von einer Kaserne in eine andere. Im Einsatz waren die Fahrzeuge der Bundeswehr aber nicht. Der Grund für den Umzug der Panzer war schlichtweg: Platzmangel. Der Zeitpunkt sei nicht optimal gewählt worden, räumte die Bundeswehr später ein. Auch die Polizei betonte wegen der anhaltenden Gerüchte auf Twitter: "KEINE Unterstützung der Bundeswehr."

Die Gerüchte über einen Bundeswehreinsatz zogen weitere Gerüchte nach sich. Bei der Polizei gingen schließlich immer mehr Anfragen ein, ob der Notstand oder der Katastrophenfall ausgerufen seien. Die Polizei wies das zurück.

Randalierer wirft Polizistem Böller ins Gesicht

Ein Foto bekam besonders viel Aufmerksamkeit und verbreitete sich rasend schnell im Netz: Darauf zu sehen ist ein Mann, stehend vor einem knieenden Menschen in Uniform. Er habe einen Böller auf einen Polizisten geworfen, schrieb irgendjemand zu dem Bild und stellte es online. Diese Meldung ist falsch. Auch die Polizei teilte später mit, dass ihnen "eine Augenverletzung durch einen vor dem Gesicht explodierten 'Böller' gemeldet" worden sei. Inzwischen stellte die Polizei mehrfach klar, dass kein Polizist erblindet oder schwerwiegend an den Augen verletzt worden sei.

Genau das war jedoch zuvor öffentlich berichtet worden. So zeigte unter anderem die "Bild"-Zeitung das Gesicht des Mannes unverpixelt. Darunter war zu lesen: "Der Mann hat dem Polizisten kurz zuvor einen Böller direkt ins Gesicht geworfen! [...] Nach BILD-Informationen könnte der Polizist [...] sein Augenlicht verlieren." Die Meldung verbreitete sich rasant in sozialen Netzwerken, wobei das Gesicht des vermeintlichen Angreifers noch vergrößert wurde. Gerade auf rechtsgerichteten Facebook-Gruppen wurden Appelle mit dem Hinweis vielfach gelikt: "Das ist der 'Demonstrant', der mit einem Böller einem Polizisten fast das Augenlicht nahm. Findet ihn! Bitte teilen." Aber auch die Deutsche Polizeigewerkschaft Königsbrunn publizierte das Foto aus Hamburg in dem sozialen Netzwerk.

Später dementierte die "Bild"-Zeitung: Der auf dem Bild zu sehende Mann sei nicht tatverdächtig, es gebe auch keinen Polizisten, der sein Augenlicht verloren hat. Vergeblich. Die Falschmeldungen nahmen weiter ihren Lauf.

Sturm auf die "Rote Flora"

Am späten Freitagabend steht auch das linksautonome Kulturzentrum "Rote Flora" im Schanzenviertel im Mittelpunkt der Vermutungen. Gerüchte, dass das Zentrum gestürmt worden sei, kursierten im Netz. Tatsächlich war die Polizei zwar vor der "Roten Flora" im Einsatz, in deren Umfeld es Ausschreitungen und Zerstörungen gegeben hat. Gestürmt wurde das Gebäude allerdings nicht.

Polizei schlägt Frau mit Faust

Die Polizei wurde auch mit einem Video konfrontiert, dass einen Polizisten bei einem Faustschlag gegen eine junge Frau zeigt. Als Beleg dafür, wie brutal die Polizei beim G20 einschreitet, musste es in den sozialen Medien hundertfach herhalten. Dabei zeigt das Video Bilder, die bei der Räumung des Neuköllner Kiezladens "Friedel 54" im Juni aufgenommen wurden. Das sei "Stimmungsmache gegen die Polizei", beklagte sich die Hamburger Pressestelle.

Angriff auf St.-Georg-Krankenhaus

Eine Sprachnachricht einer vermeintlichen Polizistin sorgte für ein weiteres Gerücht. Darin erzählt die Frau, die während der Aufnahme mit ihrem Hund spazieren geht, was sich angeblich "wirklich" in Hamburg zugetragen habe. Sie behauptet, es gäbe einen schwer verletzten Polizisten und eine Kollegin sei entwaffnet worden. Außerdem habe es Angriffe auf die Notaufnahme des Krankenhauses St. Georg und auf einen Kindergarten gegeben. Diese der Öffentlichkeit noch nicht bekannten Informationen solle der Empfänger der Sprachnachricht gerne verbreiten, damit die Wahrheit ans Licht käme. Wer die Frau ist und zu welcher Polizeieinheit sie angeblich gehört, verrät sie nicht. Kurz vor Mitternacht dementiert die Hamburger Polizei mit klaren Worten: "Gerüchte! Es gab keinen Angriff auf das Krankenhaus St. Georg! Es wurden keine Dienstwaffen durch Störer entwendet!"

Und zum Abschluss bei all den falschen Informationen, die im Rahmen des G20-Gipfels im Umlauf waren, hier nochmal die wichtigste Klarstellung:

Quelle: n-tv.de

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