Panorama

Jürgen Klopp sollte Vorbild sein WHO-Experte rügt deutsche Uneinigkeit

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Konnten bei den Bund-Länder-Gipfeln nicht immer eine einheitliche Linie durchsetzen: Michael Müller, Angela Merkel und Markus Söder.

(Foto: dpa)

Ein Jahr nachdem die WHO eine "Notlage von internationaler Tragweite" ausrief, mahnt ihr Covid-19-Beauftragter eine einheitliche Linie in der Politik an. Gerade Deutschland sollte sich ein Beispiel an anderen Staaten nehmen - und an einem berühmten Fußballtrainer.

Der Covid-19-Beauftragte der Weltgesundheitsorganisation (WHO), David Nabarro, hat Politiker in Deutschland zu mehr Einheit im Kampf gegen das Coronavirus aufgerufen. Vertreter von Bund und Ländern müssten geschlossen dieselbe Botschaft verkünden, sagte Nabarro ein Jahr, nachdem die WHO wegen der ersten Coronafälle in China eine "Notlage von internationaler Tragweite" ausgerufen hatte (30. Januar 2020). Das ist die höchste WHO-Alarmstufe. Ein Ende der Pandemie sei noch nicht abzusehen, warnte Nabarro. "Ich rechne damit, dass es noch lange dauert, Monate - wir sind dem Ende noch lange nicht nahe."

Um alle Menschen hinter die Corona-Schutzmaßnahmen zu bringen, brauche Deutschland einen Jürgen-Klopp-Effekt, sagte Nabarro mit Verweis auf den früheren Fußballtrainer von Borussia Dortmund, der heute in Liverpool arbeitet. "Klopp weiß, wie man Menschen berührt und Massen zusammenbringt", sagte Nabarro. "Er hätte sicher gute Ideen." Statt hier und da laut über Lockerungen nachzudenken, müsse die Botschaft aller Politiker unisono lauten: Maske tragen, notfalls auch draußen, Abstand halten, auch im Nahverkehr oder in Fabriken, Handhygiene und Infizierte und deren Kontakte isolieren.

"Die Gruppe der Gegner von Corona-Schutzmaßnahmen ist eigentlich klein, aber wenn Politiker streiten, wächst sie", sagte Nabarro. In Europa habe man Angst vor einem Polizeistaat, doch sei die konsequente Isolation bei Symptomen eine Voraussetzung für Freiheit. "Dieses Virus wird uns besiegen, wenn wir nicht einig sind." Deutschland sei mit rigorosen Schutzmaßnahmen im vergangenen Jahr gut gestartet. "Warum haben sie die Gründlichkeit nicht beibehalten?", fragte Nabarro. "Es ist fast so, als hätten reiche Länder gedacht, sie kämen ohne harte Arbeit durch die Pandemie." Europa könne von Ländern wie Thailand, Kambodscha, Australien und Neuseeland lernen.

"Das Virus ist ein Gegner der Menschheit"

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Mit autoritären Regierungen, wie oft behauptet werde, habe der dort erfolgreiche Kampf gegen das Virus nichts zu tun. Vielmehr würden Solidarität und Nachbarschaftshilfe so gefördert, dass die Bevölkerung rigorose Schutzmaßnahmen mittrage. Streitereien, das Horten von Impfstoffen oder ein Wettlauf, wer die meisten Menschen geimpft habe, seien kontraproduktiv, sagte Nabarro. Die bislang geringen Mengen müssten für die besonders Gefährdeten in aller Welt verwendet werden. Wenn das Virus anderswo auf der Welt ungebremst wüte, steige das Risiko neuer, noch gefährlicherer Mutationen, die wieder die ganze Welt betreffen könnten. "Das Virus ist ein Gegner der Menschheit, nicht von einzelnen Ländern."

Wenn die WHO eine Notlage von internationaler Tragweite erklärt, verpflichtet das alle Länder, Fälle zu melden und die Ausbreitung einzudämmen. Maßnahmen wie Reisebeschränkungen kann die WHO aber nicht anordnen. Am 30. Januar 2020 gab es weniger als 100 registrierte Fälle und keine Todesfälle. Vor wenigen Tagen wurde die Zahl von 100 Millionen gemeldeten Infektionen weltweit überschritten. Die Dunkelziffer liegt nach Expertenmeinung weitaus höher.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa

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