Panorama

B.1.1.7 ist jetzt "Alpha" WHO benennt Virusvarianten um

imago0116268348h.jpg

Die Mutationen werden jetzt in der Reihenfolge ihrer Entdeckung nach dem griechischen Alphabet benannt.

(Foto: imago images/Christian Ohde)

B.1.1.7 oder B.1.617 sind zwar präzise Bezeichnungen für Coronavirus-Mutationen, aber nicht besonders alltagstauglich. "Britische" oder "indische" Variante, das geht leichter über die Lippen. Für die betreffenden Länder ist das allerdings stigmatisierend. Deshalb verpasst die WHO den Varianten jetzt neue Namen.

Die Varianten des Coronavirus bekommen neue Namen. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekannt gab, sollen die Mutationen künftig nach griechischen Buchstaben benannt werden - und zwar in der Reihenfolge ihrer Entdeckung: So wird aus der britischen Variante "Alpha", aus der südafrikanischen "Beta", aus der brasilianischen "Gamma". Bei der sogenannten indischen Variante B.1.617 wird unterschieden zwischen der besorgniserregenden Variante B.1.617.2, die zu Delta wird, und der Variante B.1.617.1, die derzeit als "von Interesse" eingestuft wird. Sie heißt nun Kappa.

"Kein Land soll für die Entdeckung und die Meldung von Varianten stigmatisiert werden", erklärte WHO-Epidemiologin Maria Van Kerkhove. Die griechischen Buchstaben sollen nicht die wissenschaftlichen Bezeichnungen ersetzen, sondern "in der öffentlichen Diskussion helfen". Die wissenschaftlichen Bezeichnungen hätten ihre Vorteile, seien aber schwer auszusprechen und zu behalten und daher anfällig für eine falsche Wiedergabe, erklärte die WHO. "Deshalb benennen die Leute die Varianten oft nach dem Ort, wo sie entdeckt wurden, was stigmatisierend und diskriminierend ist." Um dies zu verhindern und die öffentliche Kommunikation zu erleichtern, ermutige die WHO nationale Behörden, Medien und andere, die neuen Namen zu übernehmen.

Mehr zum Thema

Der Entscheidung für das griechische Alphabet waren monatelange Überlegungen vorausgegangen, wie der daran beteiligte Bakteriologe Mark Pallen berichtet. Dabei hätten die Experten zunächst auch griechische Götter oder pseudo-klassische Wortschöpfungen in Betracht gezogen. Doch die Ideen seien verworfen worden, weil viele der Namen bereits genutzt würden - für Marken, Unternehmen und Außerirdische. Er selbst habe den Vorschlag gestoppt, die Varianten als VOC1, VOC2 und so weiter zu bezeichnen, so Pallen: Ausgesprochen ähnelten sie doch zu sehr einem englischen Schimpfwort.

Wie stigmatisierend die Bezeichnung nach Ländern wirken kann, zeigt sich insbesondere in den USA, wo seit Beginn der Corona-Pandemie vermehrt Angriffe auf Menschen asiatischer Herkunft registriert werden. Aktivisten führen dies auch auf die Verbal-Attacken des früheren US-Präsidenten Donald Trump gegen China zurück. Trump hatte das Coronavirus immer wieder als "China-Virus" bezeichnet, weil es im chinesischen Wuhan zuerst nachgewiesen wurde.

Quelle: ntv.de, ino/AFP/rts

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.