Panorama

Verhinderung neuer Krankheiten WHO fordert Verkaufsverbot von Wildtieren

109444200.jpg

Wenn wilde Tiere in Käfigen gehalten, geschlachtet und auf einem offenen Markt angeboten würden, würden diese Gebiete mit Körperflüssigkeiten, Fäkalien und anderen Abfällen kontaminiert, so die WHO-Experten.

(Foto: picture alliance / imageBROKER)

Um künftige Pandemien zu vermeiden, fordert die Weltgesundheitsorganisation, dass Wildtiere auf Lebensmittelmärkten nicht mehr verkauft werden dürfen. Von ihnen gehe ein Risiko bei der Entstehung neuer Krankheiten aus. Entsprechende Marktbereiche sollen vorerst geschlossen werden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert angesichts der Corona-Pandemie ein Verkaufsverbot für lebende Wildtiere auf Lebensmittelmärkten. Ein solches Verbot könne die Ausbreitung neuer Krankheiten verhindern, erklärte die WHO in Genf. Mehr als 70 Prozent der neu auftauchenden Infektionskrankheiten beim Menschen seien auf einen tierischen Ursprung zurückzuführen - insbesondere auf Wildtiere. Vor allem wild lebende Säugetiere stellten ein Risiko bei der Entstehung neuer Krankheiten durch Erreger wie das neuartige Coronavirus dar.

Mit einigen der ersten bekannten Corona-Infektionen wird nach Angaben der WHO der Huanan-Markt im chinesischen Wuhan in Verbindung gebracht, wo neben Meeresfrüchten auch lebende Wildtiere verkauft wurden. Unter den ersten Infizierten waren demnach Standbesitzer, Angestellte und Stammkunden des Marktes. Das neuartige Coronavirus wurde nach Einschätzung von WHO-Experten wahrscheinlich von Fledermäusen über ein anderes Tier auf den Menschen übertragen.

Zwar seien traditionelle Märkte, auf denen auch lebende Tiere gehalten, geschlachtet und zubereitet würden, wichtig für die Lebensmittelversorgung und die Lebensgrundlage großer Bevölkerungsgruppen, erklärte die WHO weiter. Zugleich gehe von solchen Märkten aber eine Infektionsgefahr für Mitarbeiter und Kunden aus.

Wenn wilde Tiere in Käfigen oder Ställen gehalten, geschlachtet und auf einem offenen Markt angeboten würden, würden diese Gebiete mit Körperflüssigkeiten, Fäkalien und anderen Abfällen kontaminiert. Das erhöhe das Risiko einer Übertragung von Krankheitserregern auf dortige Arbeiter und Kunden und führe möglicherweise dazu, dass Erreger auf andere Tiere auf dem Markt übertragen würden.

Die WHO fordert daher in einer vorläufigen Empfehlung, die zusammen mit der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) und dem UN-Umweltprogramm (Unep) erarbeitet wurde, alle Länder auf, "als Notfallmaßnahme" den Verkauf in freier Wildbahn gefangener Säugetiere auf Lebensmittelmärkten auszusetzen. Marktbereiche, wo lebende Wildtiere verkauft werden, sollten bis zum Abschluss einer angemessenen Risikoanalyse geschlossen werden.

Im Januar war ein Team aus internationalen Wissenschaftlern im Auftrag der WHO nach Wuhan gereist, um die Ursprünge der Corona-Pandemie zu erforschen. Ende März stellten sie ihren Bericht vor. Die Autoren stuften es in ihrem Bericht als "wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich" ein, dass Sars-CoV-2 von Fledermäusen über ein anderes Tier als Zwischenwirt auf den Menschen übertragen wurde. Um welche Tierart es sich bei dem Zwischenwirt handeln könnte, ließen die Experten offen. Auf dem Huanan-Markt wurden ihren Angaben zufolge keine Beweise für infizierte Tiere gefunden.

Quelle: ntv.de, hek/AFP/rts

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.