Panorama

Bevor das Gift schlecht wird Warum Arkansas im Akkord hinrichtet

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Die US-Behörden haben Nachschubprobleme bei Midazolam.

(Foto: dpa)

Innerhalb von fünf Tagen sterben im US-Bundesstaat Arkansas drei Menschen durch die Giftspritze, zwei allein im Abstand weniger Stunden. Zuvor hatte es jahrelang keine Hinrichtung gegeben. Warum jetzt?

Im US-Bundesstaat Arkansas werden zum ersten Mal seit 17 Jahren zwei Todeskandidaten am gleichen Tag hingerichtet. Im Abstand von weniger als vier Stunden starben Jack Jones und Marcel Williams durch die Giftspritze. Der republikanische Gouverneur von Arkansas, Asa Hutchinson, wollte ursprünglich bis Ende April sogar acht Häftlinge hinrichten lassen. Vier der geplanten Exekutionen wurden aber inzwischen von Gerichten gestoppt.

Grund für die Tötungseile in Arkansas ist nicht etwa, dass der US-Bundesstaat von einer Verbrechenswelle heimgesucht und nun der Platz im Todestrakt knapp wird. Die Motivation von Gouverneur Hutchinson ist sehr viel banaler. Das Beruhigungsmittel Midazolam, das die Behörden als erstes von bis zu drei Medikamenten für die Ausführung der Todesstrafe benutzen, wird schlecht.

Die Chargen, die der Bundesstaat Arkansas eingelagert hat, laufen am 30. April ab. Doch hinter den "Fließbandtötungen", wie sie Amnesty International nennt, steckt nicht Sparsamkeit. Vielmehr müssen die Justizbehörden befürchten, künftig keine weiteren Midazolam-Lieferungen zu erhalten.

Heilen, nicht töten

Denn die Pharmakonzerne, die das Mittel herstellen, heißen dessen Verwendung zur Tötung von Menschen nicht gut. Sie sehen es lieber, wenn Patienten das Mittel vor einem Eingriff zur Beruhigung erhalten. Oder bei Krampfanfällen. Die US-Pharmafirma McKesson hat kürzlich Klage eingereicht, weil bei der Bestellung eines muskelentspannenden Mittels der Zweck der Verabreichung verschwiegen wurde. McKesson argumentiert, dass die Lieferadresse der Gefängnisgesundheitseinrichtungen dazu geeignet waren, sie zu täuschen und beklagt den Missbrauch des Mittels.

Midazolam wird zudem schon seit längerem nachgesagt, dass es nicht stark genug ist, um Schmerzen der Todeskandidaten zu vermeiden. Gegner der Todesstrafe argumentieren, dass das Risiko verpfuschter Exekutionen mit dem Mittel äußerst hoch sei und sprechen von einem minutenlangen Todeskampf. Als Beweis gilt ihnen der qualvolle Tod eines verurteilten Mörders im April 2014 bei einer Hinrichtung im Bundesstaat Oklahoma: Der Todeskampf von Clayton Lockett hatte nach einer Giftinjektion mit Midazolam 43 Minuten gedauert. Dabei wand er sich vor Schmerzen.

Bei Jones' und Williams' Hinrichtung wurden keine Schwierigkeiten beobachtet. Allerdings bewegte sich Jones nach Aussage von Williams' Anwälten noch mehr als fünf Minuten nach der Injektion, die ihn eigentlich bewusstlos machen sollte. Die Anwälte von Jones hatten zuvor versucht, die Hinrichtung zu verhindern, weil ihr Mandant wegen zahlreicher Erkrankungen und der damit verbundenen Medikamentengaben gegen Midazolam resistent sein könnte. 14 Minuten nach der Injektion wurde er für tot erklärt.

Bei Williams wiederum fürchteten die Anwälte wegen seines erheblichen Übergewichts einen "quälenden und unmenschlichen Tod". Es könnte schwierig sein, eine Vene zu finden, durch die das Gift in Williams Körper fließen soll. Doch am Ende wurden die Gefängnisärzte fündig. Williams wurde 17 Minuten nach der Injektion für tot erklärt. In der Nacht zum Freitag war bereits Ledell Lee hingerichtet worden. Auch dessen Tötung verlief störungsfrei. Allerdings wird es nach den jüngsten Gerichtsentscheidungen schwierig, alle acht Hinrichtungen bis Ende April durchzuführen. Und danach ist das Midazolam abgelaufen.

Quelle: ntv.de