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Die Spezialkräfte trugen bei ihrem Einsatz Sicherheitskleidung.
Die Spezialkräfte trugen bei ihrem Einsatz Sicherheitskleidung.(Foto: imago/Eibner)
Donnerstag, 14. Juni 2018

Mehr Fragen als Antworten: Was steckt hinter dem Rizin-Fund in Köln?

In einem Kölner Mehrfamilienhaus stellt die Polizei hochgiftiges Rizin sicher. Ein Mann wird festgenommen und sitzt nun in U-Haft. Noch stehen die Ermittlungen am Anfang, es gibt viele Fragen und noch längst nicht alle Antworten.

Wo und bei wem wurde das Rizin gefunden?
Die hochgiftige Substanz wurde in einem Mehrfamilienhaus in Köln-Chorweiler gefunden. Ein Spezialeinsatzkommando stürmte die Wohnung einer mehrköpfigen Familie und durchsuchte auch noch eine Nachbarwohnung, die sich jedoch als leer erwies. Polizei und Feuerwehrleute waren teils mit Atemschutzmasken im Einsatz. Spezialisten in Dekontaminationsanzügen hatten die zu diesem Zeitpunkt unbekannten Stoffe sichergestellt und erste Analysen durchgeführt. Ein 29-jähriger Tunesier und seine deutsche Ehefrau wurden festgenommen. Die Frau ist inzwischen wieder frei, gegen sie besteht kein Tatverdacht.

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Wie kamen die Ermittler dem Fall auf die Spur?
Die Sicherheitsbehörden sind auf den Tunesier der "Bild"-Zeitung zufolge wegen auffälliger Interneteinkäufe gestoßen. Demnach soll der 29-Jährige auch Zutaten für einen Sprengsatz bestellt haben. Der Tipp an die deutschen Sicherheitsbehörden sei vom US-Geheimdienst CIA gekommen, der den Interneteinkauf von Rizinussamen bemerkt habe, berichtete die Zeitung. Als der 29-Jährige auch noch Chemikalien gekauft habe, die zur Gewinnung des Giftes notwendig seien, sei der Zugriff erfolgt. In Ermittlerkreisen gab es die Vermutung, dass der in Köln lebende junge Mann eine Rizin-Bombe bauen wollte. "Wir haben uns sehr schnell entschlossen, zuzugreifen, um mögliche Gefahren abzuwehren", sagte ein Polizeisprecher.

Ist die Gefahr jetzt gebannt?
Die Ermittler sind sich nicht sicher. Der Verdächtige soll mehr Rizinussamen gekauft haben, als gefunden wurden. In der "Bild"-Zeitung war davon die Rede, dass nicht alles gekaufte Material sichergestellt werden konnte. Möglicherweise wurden ein Teil zu Übungszwecken verbraucht. Das Blatt zitiert einen Anti-Terror-Ermittler: "Es handelt sich dabei um das größte Gefahrenpotenzial, das jemals in Europa gefunden wurde." Inzwischen ist die Bundesanwaltschaft sicher, dass der Mann "vorsätzlich biologische Waffen" herstellte.

Wie ist bisher die Beweislage?
In der Wohnung wurde eine rizinhaltige Substanz gefunden. Der Bundesgerichtshof erließ am Mittwochabend Haftbefehl gegen den 29-jährigen Tunesier. Es bestehe der dringende Verdacht des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, hieß es am Donnerstag vom Generalbundesanwalt. Ab Mitte Mai habe der Mann damit begonnen, die für die Gewinnung von Rizin notwendigen Gerätschaften und Substanzen zu beschaffen. "Unter anderem erwarb er bei einem Internetversandhändler 1 000 Rizinussamen sowie eine elektrische Kaffeemühle. Anfang Juni 2018 setzte der Beschuldigte sein Vorhaben um und stellte erfolgreich Rizin her. Dieses konnte bei dem Beschuldigten sichergestellt werden." Ob der Mann das Rizin bei einem isalmistisch motivierten Anschlag einsetzen wollte, sei noch nicht "abschließend geklärt". Es bestehe jedoch kein dringender Tatverdacht wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Auch für eine Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung gab es zunächst keine Anhaltspunkte.

Was weiß man über den mutmaßlichen Täter?
Laut "Kölner Stadt-Anzeiger" und "Express" soll der Mann, dessen Name der Bundesanwaltschaft zufolge Sief Allah H. ist, erst im November 2016 nach Deutschland eingereist sein. Laut "Bild"-Zeitung zog er bereits 2015 nach Deutschland, nachdem er seine jetzige Frau im Internet kennengelernt hatte. 2017 sei das erste Kind des Paares zur Welt gekommen, inzwischen ist die 46-jährige Jasmin D. wieder schwanger. Die Familie lebt demnach von Hartz IV.

War der Mann polizeibekannt?
Laut Bundesanwaltschaft ist der Verdächtige polizeilich bisher nicht in Erscheinung getreten. "Er war den Sicherheitsbehörden bisher nicht aufgefallen. Sie hatten ihn nicht auf dem Radar", sagte auch Terrorismus-Experte Michael Götschenberg in der ARD.

Quelle: n-tv.de