Panorama

Sexistische Rollenbilder Wenn Mama Papa den Hintern versohlt

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You mean a man can open it?

(Foto: Instagram/elirezkallah)

Sexismus ist überall, nicht nur in Hollywood. Wie absurd die Darstellung von Frauen in der Werbung war und immer noch ist, zeigt Eli Rezkallah. Der Künstler dreht den Spieß um - und plötzlich sind es die Männer, die zu blöd sind, eine Ketchupflasche zu öffnen.

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Der Mann geht arbeiten, die Frau schmeißt den Haushalt - so sah die klassische Rollenverteilung in den 1950er-Jahren aus. Propagiert und aufgegriffen von zahlreichen Werbeclips. In haarsträubenden Anzeigen verbeulten blonde Dummchen Autos, bekamen den Hintern versohlt - oder wurden buchstäblich zum Fußabtreter degradiert.

Auch in den 60er- und 70er-Jahren verschwand die Mutter- und Hausfrauenrolle noch nicht aus der Werbung. Erst in den wilden Jahren nach 1980 präsentierte sich die Frau etwas selbstbewusster. Dann kam Verona Pooth - und mit ihr das "Dummchen-Image" zurück.

Wie absurd und sexistisch die Darstellung von Frauen in der Werbung war, zeigt der Fotograf und Künstler Eli Rezkallah. Für sein Projekt "In a Parallel Universe" hat er die Geschlechter einfach vertauscht.

Der 31-Jährige aus dem Libanon machte eine Bilderserie, inspiriert von Plakaten aus den 1950er-Jahren - allerdings tauscht er die Rollen der Geschlechter. Und siehe da: Plötzlich sind es die Männer, die zu blöd sind, eine Ketchupflasche zu öffnen oder in ihrem eigenen Heim zum Diener degradiert werden.

Die Idee sei ihm während eines Besuchs bei seiner Familie in New Jersey gekommen, schreibt der Fotograf auf seiner Website. Genauer gesagt, als er an Thanksgiving zufällig eine Unterhaltung zwischen seinen Onkeln mit anhörte. "Sie sprachen darüber, dass Frauen besser dran wären, wenn sie kochen, die Küche putzen und ihre 'weiblichen Pflichten' erfüllen", so Rezkallah. Auch wenn ihm klar war, dass nicht alle Männer wie seine Onkel denken, war er doch ziemlich bestürzt. Die Unterhaltung habe ihm vor Augen geführt, dass Frauen und Männer noch immer nicht gleichgestellt sind. Also habe er sich ein Paralleluniversum vorgestellt, in dem die Rollen vertauscht sind und die Männer eine Portion ihres eigenen sexistischen Giftes verabreicht bekommen.

Um das zu veranschaulichen, orientierte sich Rezkallah an Werbeplakaten aus den Fünfziger und Sechziger Jahren, Plakate mit Slogans wie "Mach dir nichts draus Schatz, immerhin hast du das Bier nicht verbrannt", oder "Frauen verlassen die Küche nicht". Seine detailverliebten Nachahmungen zeigen, wie absurd diese Geschlechterrollen waren und noch immer sind. "Ich hoffe, dass Menschen, die immer noch im patriarchalischen Gesellschaftsdenken stecken, in diesen Fotos einen Riss erkennen."

Dass Sexismus in der Werbung auch heute (trotz Sexismus-Debatte) noch ein weitverbreitetes Problem ist, haben Wissenschaftler der Hochschule der Medien in Stuttgart jüngst festgestellt.  Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass heute knapp jede dritte Frau in der Werbung sexualisiert dargestellt wird. 1996 war es noch mehr als jede zweite Frau. Immerhin, die alten Rollenbilder bröckeln.

Quelle: ntv.de, dsi