Panorama

Infiziertenzahl steigt rasant Werden bald die Intensivbetten knapp?

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In den deutschen Kliniken sind von etwa 30.000 Intensivbetten noch knapp 9000 Betten frei.

(Foto: imago images/Markus van Offern)

Fast täglich melden die Gesundheitsämter in Deutschland neue Herbst-Rekordzahlen: zuletzt wurden 5132 Neuinfektionen gemeldet. Das sind fast 1000 mehr als am Vortag und fast die doppelte Anzahl an Fällen im Vergleich zur Vorwoche, so meldet es das Robert-Koch-Institut (RKI). Die Entwicklung ist rasant, und mit ihr steigt die Sorge, ob die Klinikbetten ausreichen werden, wenn auch die Zahl der schwerkranken Patienten zunimmt.

"Man muss weiter besorgt sein", glaubt auch Prof. Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Er rechnet nun vermehrt mit Patienten, die wegen anderer Viruserkrankungen im Krankenhaus behandelt werden müssen. Die Grippesaison starte erst noch, und jedes Jahr im Herbst komme es zu einer Zunahme von schwer erkrankten Patienten. "Das wird nun dazu addiert und uns vor Herausforderungen stellen", so Janssens.

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Die Zahl der Covid-19-Patienten, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen, hat sich in den vergangenen zwei Wochen fast verdoppelt. Laut aktuellem RKI-Lagebericht sind das derzeit 618 Patienten, 319 davon werden beatmet. In den Kliniken sind von etwa 30.000 Intensivbetten noch knapp 9000 Betten frei, also etwa 30 Prozent der Kapazität. Zusätzlich gibt es eine Notfallreserve von 12.000 Betten, die innerhalb von sieben Tagen kurzfristig zur Verfügung gestellt werden können. Das bedeutet, dass bundesweit in den Krankenhäusern auch bei einem weiteren Anstieg der Covid-19-Patienten noch genügend Betten bereitstehen.

In Berlin werden Operationen bereits verschoben

Experten gehen allerdings davon aus, dass sich der Anstieg der Neuinfektionen erst mit Verzögerung bei der Zahl der schwer erkrankten Patienten bemerkbar machen wird. Vor allem in den Großstädten steigt die Zahl der Klinik-Patienten seit September stetig an, in der vergangenen Woche waren es bundesweit 1000.

Berlin hat unter den deutschen Millionenstädten mit zuletzt 13,4 Prozent die geringste Quote an freien Intensivbetten, nur noch 166 Intensivbetten in den Berliner Krankenhäusern sind nicht belegt. Damit nähert sich Berlin dem Grenzwert von 10 Prozent, ab da müsse laut Medizinexperten gegengesteuert werden. Planbare Operationen werden bereits verschoben.

Doch nicht nur auf die Bettenauslastung sollte geschaut werden, es muss auch ausreichend Pflegepersonal verfügbar sein, das sich um Covid-19-Patienten kümmern kann. DIVI-Präsident Janssens übt Kritik: "Das Kernproblem ist und bleibt in Deutschland der Fachpflegepersonal-Mangel, ganz eindeutig. Daran hat sich leider während der Pandemie nichts geändert. Wir können nicht innerhalb von sechs Monaten die Lücke füllen, die über Jahre aufgebaut wurde."

Auch wenn die Zahl der Corona-Infizierten steigt, bleibt die Frage, wie viele tatsächlich im Krankenhaus behandelt werden müssen. Im Sommer waren es vor allem jüngere Menschen, die sich mit Covid-19 infizierten. Doch je mehr Menschen sich anstecken, desto eher steigt auch wieder die Zahl der Infizierten in Risikogruppen, etwa ältere Menschen und chronisch Kranke. Da sie ein höheres Risiko eines schweren Verlaufs haben, werden sie eher im Krankenhaus behandelt werden müssen. Sich und andere vor einer Infektion zu schützen, ist das wichtigste Ziel in den kommenden Wochen, so sieht es auch das RKI.

Quelle: ntv.de