"America's best idea"Wie die US-Nationalparks unter Trump leiden
Von Lauren Ramoser
Die US-Nationalparks spüren die Folgen der massiven Einsparungen des vergangenen Jahres. Dabei müsste durch Preiserhöhungen mehr Geld als jemals zuvor in den Kassen sein. Doch die Natur wird unter den unkontrollierten Besuchermassen erdrückt.
Pulitzer-Preis-Gewinner und Umweltschützer Wallace Stegner hat die US-Nationalparks einmal als "America's best idea" beschrieben. Das hat sich über Jahrzehnte nicht nur bei jährlich rund 300 Millionen einheimischen, sondern auch bei Millionen ausländischen Touristen und Touristinnen herumgesprochen. Beeindruckende Wanderungen, Bildungsprogramme und geführte Ranger-Touren in den Parks - und immer stehen Besuchende staunend vor Felsformationen, Wasserfällen, Wäldern, Wildtieren oder Geysiren und können nicht glauben, wie schön diese Erde ist.
Dieses Staunen gab es seit 2017 zum Schnäppchenpreis von jährlich 80 US-Dollar, unabhängig von der Herkunft. Damit ist es vorbei, die Trump-Regierung zieht die Preise für Touristen an. Seit Januar 2026 zahlen ausländische Touristen 250 US-Dollar plus eine Gebühr von 100 US-Dollar pro Person in den elf beliebtesten Parks, darunter Yosemite, Yellowstone, die Everglades und die Rocky Mountains. Für Einheimische bleibt es bei dem bisherigen Preis. Auch hier gilt also: America(ns) first!
Mehr Geld in den Kassen - theoretisch
Die gestiegenen Preise sollen die eingestampfte Finanzierung der Regierung ausgleichen. Am Beispiel von Yellowstone könnten allein die Eintrittskosten der 660.000 internationalen Besucherinnen und Besucher pro Jahr rund 66 Millionen US-Dollar an Einnahmen generieren - sofern sie denn weiterhin kommen, rechnet das "Forbes"-Magazin aus. Statistiken zu den bisherigen Besucherzahlen von 2026 gibt es noch nicht.
Das würde die Gesamteinnahmen des Parks durch alle Eintrittsgelder vervierfachen. "Während wir zustimmen, dass der National Park Service dringend mehr Ressourcen benötigt, ist es fraglich, ob dies auf Kosten des internationalen Besuchs geschehen sollte, der für einige unserer Nationalparks und die umliegenden regionalen Volkswirtschaften ein großer wirtschaftlicher Motor ist", sagte Bill Wade, Geschäftsführer der Association of National Park Rangers, in einer offiziellen Erklärung. Problematisch sei zudem, dass viele Ranger jetzt mit zeitaufwändigen Ausweiskontrollen beschäftigt seien, statt sich um ihre eigentlichen Aufgaben zu kümmern.
Entlassungen treffen Nationalparks schwer
Es müsste also genug Geld da sein, um die zahlreichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen weiterhin zu finanzieren, doch davon spüren die Ranger und Besucher aktuell nichts. Trump hatte das umfangreiche Finanzierungsprogramm, um die geschützte Natur zu erhalten, im Herbst 2025 eingestampft. Der Regierungs-Shutdown hat weitere Parkmitarbeitende getroffen. Während des Shutdowns waren 64 Prozent aller Angestellten freigestellt, mittlerweile sind es noch immer rund 25 Prozent weniger Personal, so die National Parks Conservation Association, eine gemeinnützige Organisation zum Schutz der Parks und ihrer Mitarbeitenden. Schon zuvor, im Februar verloren rund 4400 Mitarbeitende der Nationalparks und der National Forests ihre Jobs, etwa 2400 weitere wurden frühzeitig in Rente geschickt.
Die Folgen sind gravierend, vor allem für die Natur. Besucherzentren, Serviceeinrichtungen und Toiletten bleiben geschlossen, die Parks sind aber geöffnet und waren es auch während des Shutdowns im Oktober 2025, in dem keine Mitarbeitenden für ihre Arbeit bezahlt wurden. Die Berichte über Vandalismus und Unfälle häufen sich, wie auch über die Müllberge in den Parks. Es fehlt an Rangern, die die Regeln zum Schutz der Natur kontrollieren und an Personal, das die Besuchenden überwacht und auf Gefahren aufmerksam macht. Auch an den Parkeingängen wird vielerorts nicht mehr kontrolliert, Reisende können daher oftmals auch ohne zu bezahlen hineinfahren.
Die New York Times berichtet von chaotischen Zuständen im Yosemite Nationalpark in Kalifornien. Autos parken abseits der ausgewiesenen Flächen auf Wiesen und Pfaden, Wandernde halten sich nicht an die gekennzeichneten Trails, sondern schlagen sich durch die Natur der Wälder. Viele erklimmen ohne die eigentlich notwendige Genehmigung den äußerst steilen und gefährlichen Weg auf die Spitze des Half Dome und Base Jumper stürzen sich von den Klippen der Granitfelsen, was strengstens untersagt ist. Die Parks verkommen vielerorts von einem Naherholungsgebiet zu einem Freizeitpark.
Statt Natur ziert Trump den Pass
Doch das ist nicht die einzige sichtbare Auswirkung. Den Jahrespass, eine simple Plastikkarte, zierte bislang eine Naturaufnahme aus einem der Parks, gewählt in einem jährlichen Fotowettbewerb. Für 2026 sollte das ein Foto des Glacier Nationalparks werden, doch das Department of the Interior hat sich nach der offiziellen Wahl kommentarlos umentschieden. Statt Flora oder Fauna ziert ein grimmiger Donald Trump neben einer Zeichnung des ersten Präsidenten George Washington den Jahrespass. Böse Zungen behaupten, es handele sich um Anfang und Ende der Nationalparks.
Bereits im Dezember hatte das Center for Biological Diversity geklagt, um den Austausch des Gewinnerfotos zu verhindern, bislang ohne Ergebnis. Das Foto ist nicht Trumps einzige direkte Auswirkung auf die Parks. An seinem Geburtstag am 14. Juni ist der Eintritt in alle Parks kostenlos - ein Grund zur Freude ist das weder für Mitarbeitende noch für die schützenswerte Natur.