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Was Eltern wissen sollten Wie gefährlich ist Covid-19 für Kinder?

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Falls Kinder überhaupt Symptome entwickeln, sind diese schwer von einer banalen Erkältung zu unterscheiden: Husten, eine laufende Nase, Fieber.

(Foto: imago images/ingimage)

Es ist Grippesaison - die Kinderarztpraxen sind voll mit schniefenden und hustenden Kindern. Hinzu kommt nun das neuartige Coronavirus, das Eltern zusätzlich verunsichert. Wie sollen besorgte Mütter und Väter reagieren, wenn der Nachwuchs Symptome zeigt?

Das Coronavirus breitet sich weiter in Deutschland aus. Mittlerweile sind 240 Menschen infiziert. In Nordrhein-Westfalen und Berlin werden nach Verdachtsfällen Schulen und Kindergärten geschlossen. So wächst auch bei Eltern die Sorge und Unsicherheit, wie sie auf die neuartige Lungenkrankheit reagieren sollen - vor allem, wenn die Nase des Kindes tropft oder dessen Stirn glüht.

Doch besorgte Eltern können - zumindest vorerst - aufatmen: Derzeit scheint es so, dass Kinder deutlich weniger gefährdet sind als Erwachsene und insbesondere ältere Menschen. Unter den ersten Tausend Fällen in China waren lediglich neun unter 15-Jährige – und nur bei einem dieser Fälle verlief die Krankheit schwer.

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Im gemeinsamen Bericht von China und der Weltgesundheitsorganisation WHO zum Coronavirus-Ausbruch heißt es ebenfalls, die Krankheit sei bei Kindern relativ selten und verlaufe mild. Nur 2,4 Prozent der im Report verzeichneten Fälle traten demnach bei Kindern und Jugendlichen unter 19 Jahren auf. Nur einer von 40 dieser Erkrankten hatte einen schweren Krankheitsverlauf. Während des aktuellen Ausbruchs von Sars-CoV-2 wurden die meisten Fälle bei Kindern demnach entdeckt, weil in ihrer Familie Erwachsene erkrankt waren und die Kinder deshalb getestet wurden.

Bereits bei dem Sars-Ausbruch 2002/2003, dessen Krankheitserreger zur Gruppe der Coronaviren gehören, war auffällig, dass Kinder weniger betroffen sind. Zudem waren die Verläufe bei einer Erkrankung deutlich milder als bei Jugendlichen oder Erwachsenen. Es gibt mehrere Infektionskrankheiten - wie zum Beispiel die Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine Hirnhautentzündung, die durch Zecken übertragen wird - die bei Kindern weniger schwer verlaufen. Woran das liegt, ist im Detail noch nicht geklärt.

Falls Kinder überhaupt Symptome entwickeln, sind diese schwer von einer banalen Erkältung zu unterscheiden, heißt es in dem Bericht: Husten, eine laufende Nase, Fieber. Schwere Verläufe, wie sie insbesondere ältere Erwachsene haben, bei denen etwa eine Beatmung nötig ist, sind bei Kindern entweder extrem selten oder treten überhaupt nicht auf.

Arztbesuch nicht immer notwendig

Zurzeit kursiert die Grippe, ebenso wie viele Erkältungserreger. Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass viele Kinder husten, niesen und eine erhöhte Temperatur haben. Aktuell ist die Wahrscheinlichkeit allerdings sehr gering, dass dahinter das Coronavirus steckt.

Der Berliner Kinder- und Jugendarzt Jakob Maske empfiehlt deshalb Eltern das, was auch zu jeder anderen Zeit gilt: "Das Kind zu Hause gesund pflegen. Falls das Kind nur leicht krank ist, sparen Sie sich gern den Besuch in der Arztpraxis. Husten und Schnupfen müssen wir nicht behandeln", sagte er dem "Spiegel". Im Zweifel sollten Eltern erst anrufen oder per E-Mail Kontakt aufnehmen. Möglicherweise könne man so vorab klären, ob ein Arztbesuch wirklich nötig ist.

Stillende Mütter haben ebenfalls bislang keinen Grund zur Sorge: "Bislang gibt es keinen Hinweis darauf, dass Coronaviren über die Muttermilch übertragen werden können", sagte Wieland Kiess, Chef der Kinderklinik in Leipzig, dem ZDF. Stillen fördere die Abwehrkräfte des Babys. "Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen. Stillen schützt", so Kiess.

Die Kinder vorsorglich zu Hause zu behalten, davon raten er und andere Kinderärzte vehement ab: "Es gibt keinen Hinweis darauf, dass wir aktuell ein Riesenproblem in Deutschland haben", sagte Kiess. Das Problem spiele sich gerade vor allem in den Köpfen ab. Dennoch rät er, regelmäßig darauf zu schauen, was das Robert-Koch-Institut (RKI) sagt. "Falls es doch in Richtung einer Epidemie mit der Wucht einer Spanischen Grippe gehen sollte, muss man die Situation neu bewerten."

Überträgt sich das Virus im Mutterleib?

Ob schwangere Frauen das Virus an ihr ungeborenes Kind weitergeben können, ist zurzeit nicht abschließend geklärt. Analysen von chinesischen Forschern an Frauen im dritten Trimester der Schwangerschaft liefern bislang aber keine Hinweise darauf, dass sich Neugeborene über ihre infizierte Mutter anstecken, wenn sich diese in einem späteren Stadium der Schwangerschaft ansteckt.

In China war vor einigen Wochen ein Fall bekannt geworden, bei dem 36 Stunden nach der Geburt das Virus bei einem Neugeborenen nachgewiesen wurde, dessen Mutter erkrankt war. Forscher kamen in einer kurz darauf durchgeführten und im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlichten Analyse allerdings zu dem Ergebnis, dass Sars-CoV-2 offenbar nicht im Fruchtwasser oder im Nabelschnurblut zu finden ist oder übertragen werden kann. Die Studienautoren betonen jedoch, dass bislang nicht klar sei, wie sich das neue Coronavirus im frühen Stadium einer Schwangerschaft auswirke.

Experten empfehlen eine systematische Untersuchung jedes Verdachts auf eine Ansteckung während der Schwangerschaft. Wird eine Infektion mit dem neuen Coronavirus während der Schwangerschaft bestätigt, sollten Mütter und ihre Föten engmaschiger versorgt werden. Bei Symptomen wie Fieber, Husten oder Atembeschwerden sollten betroffene Frauen schnell einen Arzt aufsuchen. Dieser entscheidet, ob und welche weiteren Maßnahmen nötig sind.

Die WHO empfiehlt Schwangeren, das Ansteckungsrisiko durch die gängigen, auch vom RKI veröffentlichten Vorsichtsmaßnahmen so gering wie möglich zu halten. Schwangere sollten sich zudem, wie andere Risikogruppen auch, gegen die Grippe impfen lassen, um nicht gleichzeitig an beiden Infektionen zu erkranken.

Quelle: ntv.de