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Wenn Inland-Reisen möglich wären Wie könnte Urlaub trotz Corona aussehen?

Könnte der Ferienhaus-Urlaub möglich sein? Noch ist das unklar.

Könnte der Ferienhaus-Urlaub möglich sein? Noch ist das unklar.

(Foto: imago/photo2000)

Niemand weiß genau, ob Auslandsreisen in diesem Sommer noch möglich sein werden. Genauso wenig ist sicher, wie ein Inlands-Urlaub in Zeiten der anhaltenden Corona-Pandemie aussehen könnte. Doch es gibt ein wenig Hoffnung - denn zumindest halten es Politiker und Tourismusexperten für wahrscheinlich, dass Ferien innerhalb des eigenen Landes ab einem gewissen Zeitpunkt wieder möglich sind. Was kann man also planen? Diese Frage stellen sich sicherlich zurzeit viele Menschen in Deutschland. Ferien und Pandemie, wie geht das 2020 überhaupt zusammen? ntv.de erklärt, welche Urlaubsformen gute Chancen hätten, trotz Pandemie und Schutzmaßnahmen, Entspannung zu bieten.

Wie realistisch ist ein Ferienhaus-Urlaub in Deutschland?

Derzeit gelten in Deutschland immer noch Reise- und Kontaktbeschränkungen. Touristische Übernachtungen dürfen nicht angeboten werden. Allerdings sieht es die Bundesregierung als wahrscheinlich an, dass bei einer möglichen Lockerung Deutschland-Urlaub in Ferienhäusern und Wohnungen möglich sein wird. Dennoch herrscht - wie auch in allen anderen Fällen - erst Planungssicherheit, wenn die Bundesregierung die Reisebeschränkungen zum Teil aufheben würde. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Art von Urlaub ermöglicht wird, ist hoch. Abstandsregelungen könnten in Ferienhäusern gut eingehalten werden - und das ist auch für den Tourismusbeauftragten der Bundesregierung ein überzeugendes Argument, wie er vor kurzem öffentlich erklärte.

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Welche Aussichten gibt es für Camping-Urlaub mit Wohnmobilen und Campervans?

Diese Abstandsregelungen könnten auch beim Camping-Urlaub mit Mobilen eingehalten werden. Denn auch in diesem Fall ist die Ansammlung von Personengruppen überschaubar - und könnte aus Sicht des Bundesverbandes der Campingwirtschaft diese Urlaubsform auch in der Pandemie möglich machen. Doch noch fehlt den Camping-Platzbetreibern die Planungssicherheit, da die Reisebeschränkungen bislang nicht aufgehoben sind.

In einem offenen Brief appellieren sie deshalb an die Regierungen von Bund und Ländern: "Erste Lockerungen treten bereits in Kraft und es werden entsprechende Perspektiven aufgezeigt. Aus unserer Sicht ist das auch für einzelne Bereiche im Tourismus möglich. Insbesondere der Campingtourismus mit seinen autarken Freizeitfahrzeugen wie Wohnmobilen, Wohnwagen und Campervans mit Abstands-regulierten Plätzen bietet ideale Voraussetzungen für kontaktarme Erholung im Sinne des Infektionsschutzes." Der Verband fordert, dass Tourismus-Politiker das Potenzial erkennen und gemeinsam eine praxisnahe Umsetzung für die Branche entwickeln.

Wie sieht es mit mehrtägigen Wander- und Fahrradtouren aus?

Sofern ein Bundesland-übergreifender Reiseverkehr möglich ist, wäre eine mehrtägige Fahrrad- oder Wanderreise in Eigenregie möglich. Natürlich hängt es auch daran, ob Hotels oder Pensionen wieder touristische Übernachtungen anbieten dürfen.

In Deutschland gibt es unzählige Fernradwege und Wanderwege, die auch genügend Abstand zwischen den Menschen zulassen würden. Somit könnte man Touristenmassen aus dem Weg gehen. Sofern nicht alle die Hauptrouten anvisieren, sondern auch unbekannte Route wählen, könnten sich die Urlauber gut verteilen und das Infektionsrisiko könnte möglichst gering gehalten werden. Möglicherweise wird diese Reiseform erlaubt, sofern sich Urlauber an Hygiene- und Abstandsregelungen halten könnten.

Spaziergangsforscher Bertram Weisshaar empfiehlt im Gespräch mit ntv.de, bei einer möglichen Öffnung Wanderungen in der Natur. Dort könnte man besonders gut abschalten - auch autofreie Inseln würden sich dazu besonders gut eigenen.

Welche Schutzkonzepte gibt es oder werden entwickelt?

Die Tourismusbranche arbeitet derzeit viele Ideen und Vorschläge aus, um Abstands- und Hygieneregeln zu gewährleisten. Beispielsweise sind kontaktlose Rezeptionen im Gespräch oder auch spezielle Tisch-Reservierungszeiten für Hotel- und Pensionsgäste. Genaue Regeln gibt es dazu allerdings noch nicht. Wie ntv.de vor kurzem berichtete, bereiten sich Hotels und Gastronomie derzeit vor - und arbeiten an eigenen Konzepten, um Urlaub unter hohem Infektionsschutz zu gewährleisten. Die Branche ist dabei im Austausch mit der Politik. Wenn es die Entwicklung des Infektionsgeschehens und die Schutzkonzepte zulassen, dann könnten Hotels gegebenenfalls geöffnet werden. Über die mögliche Öffnung von Hotels müssten Bund und Länder ebenfalls noch entscheiden.

Deutschlands größter Reiseveranstalter Tui geht ebenfalls von einer schrittweisen Lockerung aus. In einer Mitteilung erklärt das Unternehmen zu den Schutzmaßnahmen: "Die Sicherheit und Gesundheit unserer Urlauber haben oberste Priorität. Wir entwickeln daher schon jetzt neue Standards für Hygiene und Social Distancing in Reisebüros, Hotels und Restaurants, bei Flügen oder Transfers."

Sollten man den Urlaub in Deutschland schnellstmöglich buchen, sofern es Lockerungen gibt?

Tourismusexperte Torsten Kirstges von der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven sieht mögliche Schwierigkeiten bei den Kapazitäten: "Ich gehe in der Tat davon aus, dass die touristischen Kapazitäten in Deutschland schnell ausgebucht sein werden, wenn zumindest gewisse Lockerungen endlich beschlossen werden", sagte er der dpa.

Was ist mit Nachbarländern wie Österreich?

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz geht davon aus, dass die Grenze zwischen Österreich und Deutschland bald wieder geöffnet wird. "Aus unserer Sicht ist es möglich, in absehbarer Zeit die Grenze zu Deutschland, aber auch zu anderen Nachbarländern, wo die Entwicklung ähnlich gut ist, zu öffnen", sagte er der "Bild". Er sei sicher, dass Deutsche im Winter in Österreich wieder Skiurlaub machen könnten; auch einen Sommerurlaub hält er für "möglich".

Sind Auslandsreisen in irgendeiner Form denkbar?

Ein Sommerurlaub im Ausland ist allerdings trotz des großen Optimismus von Kurz immer noch offen: "Wir wollen eine abgestimmte Lösung für den Sommer. Wir wollen, dass der Sommerurlaub möglich wird, wenn er verantwortbar ist", erklärte der deutsche Außenminister Heiko Maas zuletzt. Die Situation in Spanien und Italien sei anders als beispielsweise in den Niederlanden, Dänemark und Österreich. Einige Länder seien sehr vorsichtig und wollten die Grenzen nicht so schnell öffnen. Andere wollten möglicherweise nur einheimischen Tourismus ermöglichen. "Die Lage ist sehr differenziert. Aber wir wollen alles dafür tun, dass wir nicht noch länger Reisewarnungen brauchen". Außerdem sagte Maas, dass er sich bei einem etwaigen Auslandsurlaub vorstellen könnte, dass Touristen einen sehr aktuellen negativen Corona-Test mitbringen müssten. Bislang gelten bis Mitte Juni globale Reisewarnungen. Ob es danach eine Lockerung geben wird, ist ungewiss.

Quelle: ntv.de, mit dpa