Panorama

Ferien an Ost- und Nordsee? Urlaubsorte kämpfen um Sommersaison

Trotz der aktuellen Beschränkungen hofft die Reisebranche auf das Sommerurlaubsgeschäft in Deutschland.jpg

Trotz der aktuellen Beschränkungen hofft die Reisebranche auf das Sommerurlaubsgeschäft in Deutschland.

(Foto: imago images/Westend61)

Während die globale Reisewarnung weiter verlängert wird, wissen die Hoteliers in Deutschland immer noch nicht, ob und wie Sommerurlaub im Inland ermöglicht wird. Vor allem an Ost- und Nordsee kämpfen die Touristiker um die Saison und arbeiten an Schutz- und Hygienekonzepten.

Das Auswärtige Amt hat bis Mitte Juni eine globale Reisewarnung ausgesprochen - ein Sommerurlaub in Deutschland wird damit umso wahrscheinlicher. Zumindest unter den Aspekten des Gesundheitsschutzes wäre der Ostsee-Urlaub wohl denkbar - offenbar auch für die Bundesregierung: "Erst einmal wird es wohl um Deutschland-Urlaub gehen. Ich glaube, dass ein Urlaub eher regional möglich sein wird", sagte der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, vor Kurzem. Eine Ferienwohnung zu mieten, das dürfte nach seiner Einschätzung "im Sommer problemlos möglich sein", erklärte er der dpa.

Ein Argument dafür: Im Ferienhaus gibt es keine Menschenansammlungen, eine Familie könnte unter sich bleiben. Schrittweise könnten dann auch Hotels geöffnet werden, wenn man Lösungen für Frühstücksbuffets und Restaurants finde. Genau diese Lösungen müssen die Bundesländer in den nächsten Wochen erarbeiten, um in Zeiten der Pandemie genügend Schutz-Maßnahmen für Urlauber zu bieten. Das ist keine leichte Aufgabe, schließlich dürfen beliebte Ort aufgrund des großen Infektionsrisikos eben nicht überlaufen sein.

Hier gilt es, Konzepte zu entwickeln, die Urlaub unter gewissen Gesundheitsauflagen ermöglichen. "Wo die Hygieneregeln beachtet werden, muss Urlaub auch wieder möglich sein, auch in Europa", schreiben die Vertreter von Tourismus, Reiseveranstaltern, Gastgewerbe und Luftverkehr in einem gemeinsamen Artikel in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" - und appellieren damit an die Politik.

Vor allem Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sorgen sich um den Nord- und Ostsee-Tourismus und erarbeiten Pläne für Lockerungen und Schutzmaßnahmen.

Nord- und Ostsee erarbeiten Schutzkonzepte

Mecklenburg-Vorpommern kündigte bereits ein Fünf-Phasen-Modell für den Tourismus an: Zunächst dürfen Dauercamper und Zweitwohnungsbesitzer ab dem 1. Mai wieder nach MV reisen. Später könnten dann Bürger aus dem eigenen Bundesland wieder in Hotels übernachten, anschließend Gäste aus ganz Deutschland, zum Schluss könnten die Besucher aus dem Ausland anreisen. Wann Gäste aus dem ganzen Land anreisen dürfen, hängt natürlich auch von den Entscheidungen der Bundesregierung ab, die Reisebeschränkungen im Inland wieder zu lockern.

"Spätestens zu den Sommerferien soll idealerweise ein Öffnungszustand erreicht sein, der es den allermeisten touristischen Unternehmen im Land ermöglicht, unter den Rahmenbedingungen der Pandemie wirtschaftlich zu arbeiten", erklärte Lars Schwarz vom Dehoga MV. "Zusammen mit dem Dehoga und unseren Partnern in den Reiseregionen von Rügen bis zur Seenplatte stellen wir aktuell Handlungshilfen mit Checklisten für Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe zusammen. Diese bauen auf den bestehenden Standards auf und erweitern diese um spezielle Anforderungen im Umgang mit dem Coronavirus", berichtet Tobias Woitendorf vom Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern.

Daneben hätten sich bereits eine Reihe von Unternehmen Gedanken gemacht, wie sie zukünftig Gäste empfangen und versorgen könnten. "Die Palette der Ideen reicht dabei von der kontaktlosen Rezeption über den regelmäßigen Brötchen-Service bis zur Vermittlung von Anbietern regionaler Produkte, damit sich Urlauber etwa in Ferienhäusern einfach selbst versorgen können. Der Kontakt zum Gast kann beispielsweise durch Chat-Dienste erhalten bleiben", erklärt Woitendorf ntv.de.

*Datenschutz

Auch in Schleswig-Holstein wird es voraussichtlich mehrere Phasen der Tourismus-Lockerungen geben. Eigentümer von Ferienwohnungen sollen wohl ab dem 4. Mai wieder ihre Domizile nutzen dürfen. Nach Angaben des Tourismus Schleswig-Holsteins sollen danach die Öffnungen von Ferienwohnungen und Hotels erfolgen. Wann das allerdings geschehen wird, ist ebenfalls noch unklar. "Der Tourismusverband Schleswig-Holstein steht mit dem Wirtschaftsministerium in Schleswig-Holstein in Kontakt, um die Interessen der Urlaubsorte in einem ausgewogenen, gesteuerten Gesamtprozess zur Öffnung des Tourismus im Land einzubringen", erklärt Geschäftsführer Frank Ketter ntv.de.

Wichtig sei, dass Hygieneregeln und Kontaktbeschränkungen jederzeit eingehalten werden können. Strände, Hotel-Restaurants und Gaststätten sind besondere Hotspots, an denen Urlauber im Sommer zusammenkommen. Genau hier setzten die Überlegungen der Destinationen und Branchenverbände an.

Konkrete Ideen für den Gesundheitsschutz werden gesammelt

Die Urlaubsorte an der Küste versuchen zumindest erste Ideen zu sammeln, wie Katja Lauritzen, Geschäftsführerin Ostsee-Holstein-Tourismus e. V., ntv.de erklärt: "Die Öffnung der Ferienwohnungen vor den Hotels bietet aus den Gegebenheiten heraus einfachere Möglichkeiten, den Gesundheitsschutz einzuhalten, da sich Familienmitglieder in einer Ferienwohnung - eine ähnliche Situation wie zu Hause - aufhalten. Soweit uns bekannt ist, gibt es in der Hotellerie unter anderem Überlegungen, jedes zweite Zimmer fortlaufend frei zu lassen." Doch aufgrund des unklaren Zeitplans seien das derzeit erst einmal Ideen. "Sobald klar ist, wann und welche Rahmenbedingungen beispielsweise für Veranstaltungen von der Landesregierung erlassen werden, können unsere Orte Regelungen für Personenbeschränkungen, Desinfektionsstationen oder Gastro-Konzepte, die die Abstands- und Hygieneregeln wahren, entwickeln", erläutert Lauritzen weiter.

Der Deutsche Tourismusverband plädiert in einem eigenen Strategiepapier für eine Maskenpflicht bei der Anreise, außerdem könnte es Einlasskontrollen geben. Darüber hinaus seien Mindestabstände von Tischen und Terminvergabe-Systeme in Restaurants denkbar. Der Verband spricht sich zudem für weitere Schutz- und Hygienepläne aus, um den Neustart des Tourismus anzuschieben.

Die Branchenvertreter rufen allerdings auch dazu auf, alle Urlaubsregionen des Landes in Betracht zu ziehen: "Für die Urlaubsplanung heißt es dann, alle Regionen Deutschlands in den Blick zu nehmen und sich auch jenseits von Meer und Alpen zu erholen. Zum Beispiel Baden im See, Wanderungen durch die Mittelgebirge, am Fluss entlang radeln, kleine Städte und Weltkulturerbe entdecken können in diesem Jahr auch beliebt sein", erklärt Markus Aspetzberger ntv.de. Insgesamt brauche die Branche für die Vorbereitung der Wiedereröffnung einen Vorlauf von ungefähr 14 Tagen. Die Kapazitäten in deutschen Hotels, Pensionen, Ferienhäusern und Campingplätzen seien in der Fläche in jedem Fall ausreichend.

Nachbarn drängen auf Austausch

In Nachbarländern wie Österreich und Polen sollen die Hotels im Mai beziehungsweise im Sommer wieder geöffnet werden. Besonders Österreich drängt darauf, dass die Grenze zu Deutschland wieder geöffnet wird und Tourismus im Sommer ermöglicht wird. Österreich hat sowohl im Sommer als auch im Winter besonders viele Besucher aus Deutschland und macht mit ihnen starke Umsätze

Doch ob die globale Reisewarnung nach Mitte Juni aufgehoben wird, weiß derzeit niemand. Erst in den kommenden Wochen - und mit Blick auf das weltweite Infektionsgeschehen - werden die Regierungen über das weitere Bestehen von Beschränkungen entscheiden. Bis dahin bleiben Urlauber im Ungewissen und sollten sich wohl eher mit dem Gedanken anfreunden, dass Ferien in Deutschland auf dem Programm stehen werden.

Quelle: ntv.de, mit dpa