Panorama

"Situation war nie so ernst" Wieler fordert radikale Kontaktreduzierung

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Schließt inzwischen auch eine Impfpflicht nicht mehr aus: Lothar Wieler.

(Foto: imago images/Future Image)

Viele Kliniken sind bereits überlastet. Und die Lage wird laut RKI-Chef Lothar Wieler noch schlimmer. Der Tod von Tausenden aktuell Infizierten sei schon nicht mehr abzuwenden. Er appelliert daher an die Bürgerinnen und Bürger, alle nicht notwendigen Kontakte zu vermeiden.

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, ermahnt die Menschen in Deutschland angesichts der rasant steigenden Corona-Infektionszahlen zu besonderer Vorsicht. Die Bürgerinnen und Bürger sollten ihre privaten Kontakte freiwillig "so weit wie möglich" einschränken, sagte er der "Zeit". "Vermeiden Sie vor allem Treffen mit vielen Menschen in Innenräumen."

Wer Menschen aus Risikogruppen treffe, solle vorher einen Selbsttest machen. Außerdem sollten sich alle an die sogenannten AHA+L-Regeln halten: Abstand halten, Hygieneregeln einhalten, Mund-Nase-Schutz tragen und Lüften. "Und wenn Sie Symptome einer akuten Atemwegsinfektion haben, bleiben Sie bitte zu Hause und lassen sich PCR-testen", fügte Wieler hinzu. Zudem fordert er die Absage von Großveranstaltungen und die Schließung von Hotspots wie Bars und Clubs.

"Die Situation war noch nie so ernst wie jetzt", sagte der RKI-Chef zur aktuellen Corona-Lage. Das liege daran, dass noch immer zu wenige Menschen geimpft seien und die Menschen deutlich mehr Kontakte als vor einem Jahr hätten.

Optimale Behandlung "nicht mehr möglich"

Die Auswirkungen der hohen Fallzahlen und vielen Krankenhauseinweisungen seien regional schon deutlich spürbar. "In Deutschland sind wir es gewöhnt, jederzeit die optimale Behandlung zu bekommen. Das ist schon jetzt nicht mehr möglich", sagte Wieler. Er gehe davon aus, dass die Lage in den kommenden Wochen noch deutlich schlimmer werde.

Entscheidend sei es nun, die Impflücken zu schließen. Dafür schließt Wieler auch eine Impfpflicht nicht aus: "Am Ende geht es nicht darum, die Menschen zu bestrafen, sondern sie zu schützen, auch vor sich selbst." In Bezug auf die Booster-Impfungen sieht Wieler Deutschland nicht ausreichend gerüstet. Neben den Hausärzten müssten auch weitere Berufsgruppen wie Apotheker oder Tierärzte impfen dürfen. "In der schlimmsten Phase der Pandemie können wir nicht einfach business as usual machen", so der RKI-Chef.

Bei der derzeitigen Fallsterblichkeit von 0,8 Prozent sei es zudem nicht mehr zu ändern, dass ein bestimmter Anteil der aktuell mit Covid-19 Infizierten nicht überleben wird. "Wenn sich an einem Tag 50.000 Menschen infizieren, werden 400 von ihnen sterben", rechnet Wieler vor. Maßnahmen, um dem entgegenzusteuern, könnten erst nach zwei oder drei Wochen einen Effekt haben.

Zur späten Reaktion der Politik auf die vierte Corona-Welle sagte Wieler, es sei "bemerkenswert, dass man offensichtlich immer wieder die Hand auf die heiße Herdplatte legen muss, um zu merken, dass man sich dann verbrennt. Das ist ernüchternd, keine Frage."

Quelle: ntv.de, mdi/AFP

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