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Hetzel macht den besten Aufguss "Wieso gehen Sie bei der Hitze in die Sauna?"

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Der deutsche Aufguss-Meister Hetzel in Aktion.

(Foto: Deutscher Sauna-Bund)

Am vergangenen Sonntag erlebt Deutschland einen neuen Temperaturrekord für den Monat Juni - doch manche mögen's noch heißer: Bei der Deutschen Aufguss-Meisterschaft konkurrieren in der Sauna des Jordanbads in Biberach knapp 30 Teilnehmer um die Gunst einer 13-köpfigen Jury. Die internationalen Experten achten unter anderem auf Professionalität, Wedeltechnik, Duftauswahl und Kreativität der Darbietungen und küren Marcel Hetzel zum Sieger. Im Gespräch mit n-tv.de erklärt der 25-Jährige aus Baden-Württemberg, warum der Aufguss-Wettbewerb besonders und weshalb der Gang in die Sauna auch im Hochsommer normal ist.

n-tv.de: Gestern wurde der Juni-Hitzerekord geknackt und Sie waren in der Sauna. Warum tun Sie sich das an?

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Marcel Hetzel (m., hier mit dem drittplatzierten Manuel Müller und dem zweitplatzierten Gabriel Pekala) ist Deutschlands bester Sauna-Aufgießer.

(Foto: dpa)

Hetzel: Die Show findet ja in der Sauna statt. Natürlich hat die Hitze von außen auch einen gewissen Einfluss auf den Aufguss. Die ganze Kabine wird dadurch heißer. Deshalb kommt es sehr auf die Professionalität des Aufgießers an. Er muss die Menge des Wassers und des Eises genau beachten und die Zeremonie im Rahmen halten. Aber wenn man die ganzen Leute sieht, die Spaß am Aufguss haben, ist alles nur noch halb so anstrengend.

Wie heiß ist es denn bei einem Show-Aufguss?

Bei dem Wettbewerb herrschen immer 80 Grad in der Sauna. Wenn überhaupt, dann sinkt die Temperatur während des Aufgusses. Viele denken, dass wir dann 90 oder 100 Grad hätten. Aber bei einem Saunaaufguss steigt die Luftfeuchtigkeit und nicht die Temperatur. Die Luftfeuchtigkeit ist dann letztlich auch das, was sich als Gefühl der Hitze widerspiegelt.

Ist es gut für den Kreislauf, bei hohen Außentemperaturen wie derzeit zu saunieren?

Natürlich hat die Außentemperatur auch Einfluss auf den menschlichen Körper. Für den Saunagang an sich ist sie aber relativ egal. Wichtig ist, sich um den eigenen Körper zu kümmern und zu wissen, wie man am besten damit umgeht. So sollte man zum Beispiel auf ausreichende Pausen achten oder sich nach dem Aufguss komplett ins kalte Wasser hocken, um den ganzen Körper herunterfahren zu können. Und vor allem: Ganz, ganz, ganz viel trinken!

Mit dem Sieg haben Sie unter anderem den Titelverteidiger Gabriel Pekela hinter sich gelassen. Was haben Sie besser gemacht?

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Das weiß nur die Jury. Jeder Teilnehmer bekommt noch seine Punktzahl zugeschickt. Dann kann jeder sehen, wo er seine Stärken und seine Schwächen hat. Auch wenn es ein von Emotionen geprägter Wettkampf ist, hat er insgesamt aber einen familiären Charakter. Man hilft sich gegenseitig, es geht sehr sozial zu.

Wie haben Sie denn Ihren Aufguss inszeniert?

Mein Aufguss-Thema war "Pompeii". Dabei habe ich rund um die legendäre antike Stadt eine Geschichte erzählt, in deren Zentrum der Ausbruch des Vulkans Vesuv steht. Dafür habe ich gemeinsam mit meinem Papa einen Vulkan nachgebaut, der auf dem Ofen steht, leuchtet und aus dem oben das Wasser herauskommt. Das war eine Menge Arbeit.

Wie lange dauert die Inszenierung?

Das kann ich Ihnen genau sagen: 14 Minuten und 32 Sekunden. Eine Show darf bei dem Wettbewerb ohnehin nicht länger dauern als 15 Minuten. Mehr Zeit wäre gesundheitlich nicht akzeptabel. Weil die Kandidaten zusätzlich zum Aufguss eine Geschichte erzählen möchten, sind die meisten Shows aber schon zwischen 13 und 15 Minuten lang.

Bekommen Ihre Gäste in der Thermen- und Badewelt Sinsheim auch solche Shows geboten oder geht es im Alltag gediegener zu?

Ich mag auch mal ruhige und dezente Aufgüsse. Einfach mal ohne Musik und ganz klassisch. Damit habe ich schließlich mal angefangen. Diese Show-Aufgüsse sind lediglich eine Leidenschaft. Allerdings trainiere ich dafür schon in Sinsheim, auch vor Publikum. Deshalb weiß ich, dass Event-Saunieren immer beliebter wird.

Nun sind Sie für die Weltmeisterschaft Mitte September in den Niederlanden qualifiziert. Welche Chancen rechnen Sie sich aus?

In erster Linie freue ich mich riesig, dabei zu sein. Deshalb werde ich auch dort mit großem Ehrgeiz antreten. Und als Deutscher Meister möchte ich unser Land natürlich ordentlich vertreten. Allerdings ist die Konkurrenz wahnsinnig stark. Das Niveau liegt noch ein paar Klassen höher. Im Vordergrund steht aber die internationale Gemeinschaft. Zudem kann man sich über neue Techniken austauschen. Ich werde aber mein Bestes geben, das ist klar.

Wann geht es denn für Sie das nächste Mal in die Sauna?

Zum Glück habe ich jetzt erst mal zwei Tage frei. Das ist nach so einem aufregenden Event auch nötig. Am Mittwoch gehe ich dann wieder ganz normal zur Arbeit. Dann bin ich aber froh, dass ich den Gästen nur mit einem Eimer Wasser, ein bisschen Eis, Öl und einem Handtuch ganz gemütlich für acht bis zehn Minuten ein schönes Erlebnis bescheren darf.

Mit Marcel Hetzel sprach Christoph Rieke

Quelle: n-tv.de

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