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Lied für Mecklenburg-Vorpommern "Wir Norddeutschen sind ein hartes Holz"

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Sturm und Wellengang sind die Bewohner Mecklenburg-Vorpommerns gewöhnt.

(Foto: imago/blickwinkel)

Mecklenburg-Vorpommern kennen viele als Urlaubsland. Doch was zeichnet die Menschen im Nordosten aus? Ein neues Landeslied soll diese Frage klären. Im Interview mit n-tv.de erzählt die Vorsitzende des Heimatverbandes, Cornelia Nenz, wie sie auf die Idee des Wettbewerbs gekommen ist.

n-tv.de: Was zeichnet Mecklenburg-Vorpommern für Sie aus?

Cornelia Nenz: Ich fühle mich mit den Menschen eins. Ich bin hier aufgewachsen und habe fast immer in Mecklenburg-Vorpommern gewohnt. Hier lebt ein relativ ruhiger Menschenschlag (fällt ins Plattdeutsche): Wi Norddüütschen sünd en hart Holt, dat langsam Füer fängt, äwer denn ok Hitt giwwt. (Übersetzt: Wir Norddeutschen sind ein hartes Holz, das langsam Feuer fängt, aber dann auch Hitze gibt.) Es mag erstmal alles ein bisschen kühl sein. Aber eine Freundschaft, die man hier schließt, die dauert dann auch. Ich vergleiche die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern immer mit der Endmoränen-Landschaft. Keine hohen Berge, keine tiefen Täler, und so ist auch unser Temperament, nicht himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt, sondern mild geschwungen, wie das Land. (lacht)

Wie würden Sie in diesem Zusammenhang den Heimat-Begriff definieren?

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Cornelia Nenz ist ehrenamtliche Vorsitzende des Heimatverbandes von Mecklenburg-Vorpommern.

(Foto: privat)

Heimat ist immer etwas, das man fühlen muss. Ich bin der Meinung, wir als Heimatverband sind das Dach für all diejenigen, die hier Heimat haben und hier Heimat suchen. Wir sind weltoffen und aufgeklärt. Es kommt uns darauf an, kein rückwärtsgewandtes Heimatbild zu vertreten, sondern eines, das in die Zukunft zeigt.

Mecklenburger und Vorpommern sind erst relativ kurz in einem Bundesland miteinander vereint …

Das stimmt. Die Bezeichnung Mecklenburg-Vorpommern existierte zunächst kurze Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und dann wieder ab 1990. Es gibt bereits Lieder für die beiden Landesteile. Eines für Mecklenburg - dessen Melodie ist von dem Nazi-Komponisten Hermann Nielebock gemacht worden und war erst gar nicht für Mecklenburg gedacht, sondern für Oberschlesien. Dann gibt es das Pommernlied aus dem 19. Jahrhundert. Ich finde, beide sind absolut aus der Zeit gefallen. Deshalb haben wir einen Wettbewerb ausgelobt, um ein Lied zu finden, das beide Landesteile vereint. Es ist nunmal unser Bindestrich-Land. Mecklenburg-Vorpommern ist das Bundesland und so wollen wir auch genannt werden. Übrigens auch von anderen. Wenn das Land gemeint ist, dann heißt es nicht einfach Mecklenburg oder was noch schlimmer ist "Meck-Pomm".

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Wettbewerb für ein Landeslied auszurufen?

Diese Kandidaten stehen zur Wahl

1) "Mein Mecklenburg-Vorpommern" von Kally Darm

 

2) "Hymne für Mecklenburg-Vorpommern" von Ditte Clemens und Gerald Uhlendorf

 

3) "Uns Mäkelborg Vörpommern" von Gerd Brummund

 

4) "Sei gegrüßt, mein Heimatland" von Wolfgang Bernstein

 

Bis zum 25. März kann abgestimmt werden, welcher Titel gewinnen soll. Am 10. April stellen sich die Kandidaten auf einer Gala in Stralsund vor und eine Jury wählt den Sieger aus.

Der Wunsch wurde eigentlich schon viele Jahre verfolgt und zwar ganz besonders von unserem Alt-Ministerpräsidenten Harald Ringstorff. Der hat immer gesagt, es muss ein Landeslied oder eine -hymne her. Das war vor über 20 Jahren. Der erste Vorschlag hat sich allerdings nicht durchgesetzt. Ein Landeslied muss von den Menschen gerne gesungen werden.

Welche Anforderungen hatten Sie an die aktuellen Kandidaten?

Unsere Intention bei dem Wettbewerb war: keine rückwärtsgewandte Geschichte. Es sollten gute Bilder für dieses Land gefunden werden und nicht irgendwelche Plattitüden. Das Lied muss singbar, aber auch in verschiedenen Arrangements spielbar sein. Es haben sich sehr viele Menschen an der Ausschreibung beteiligt. Wir hatten 150 Einsendungen - und zwar bundesweit. Das ist an sich schon ein Erfolg, finde ich. Es sind einige gute und schöne Lieder entstanden. Eine Jury musste schließlich vier Lieder auswählen. Die Beiträge sind nun arrangiert worden. Drei wurden von unserem Landespolizei-Orchester eingespielt. Der Komponist und Texter Gerd Brummund wird sein Werk allein, in seiner eigenen Version vorstellen.

Das von Ihnen angesprochene Lied von Gerd Brummund ist auf Plattdeutsch. Diese Sprache hat eine lange Tradition im Nordosten, wird aber kaum noch gesprochen. Meinen Sie, ein Landeslied in dieser Sprache hat eine Chance, zu gewinnen?

Ich meine schon. Wir werden das abwarten. Wir haben sehr unterschiedliche Genres, die bedient werden. Das angesprochene Lied war eine Version, die der Musiker uns angeboten hat. Es gibt auch eine hochdeutsche Variante.

Es gibt allerhand Lieder im Zusammenhang mit Mecklenburg und Vorpommern - darunter auch neuere Lieder, die für ein breiteres Publikum geschaffen worden sind. Zum Beispiel hat der Rapper Marteria ein Lied gemacht, das nennt sich "Mein Rostock" ...

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Das ist wahr. Ich hätte mir gewünscht, dass Marteria auch etwas für Mecklenburg-Vorpommern einreicht. Aber er hat das nicht getan. Es haben sich leider ganz wenige junge Leute beteiligt.

Der Gewinner des Wettbewerbs bekommt 20.000 Euro Preisgeld. Wer bestimmt am Ende den Sieger?

Bis zum 25. März läuft noch eine Abstimmung im Internet. Deren Ergebnis wird am 10. April verkündet. Zum Schluss bestimmt die große Jury, wer der Gewinner ist. Ganz gewiss werden die Ergebnisse der Abstimmung in das Urteil einfließen. Aber es ist eigentlich üblich, dass das am Ende eine Jury entscheidet.

Aus wem besteht dieses Gremium?

Die erste, eine Arbeits-Jury, bestand aus Fachleuten für Musik und Literatur. Dann kam eine sogenannte Ehren-Jury. Die bestand aus Vertretern von ganz vielen unterschiedlichen gesellschaftlichen Organisationen im Land. Das ging vom Landesseniorenbeirat bis zum Landesjugendring. Vom Chorverband, dem Musikschulverband, der Hochschule für Musik in Rostock, auch aus der Landesregierung waren Vertreter dabei. Ebenso waren die Landtagspräsidentin und der Städtetag vertreten. Wir hatten also einen Querschnitt durch die Gesellschaft mit ungefähr 20 bis 25 Teilnehmern.

Welche Vision haben Sie für das Landeslied?

Das Landeslied sollte beim Neujahrsempfang der Ministerpräsidentin gespielt werden. Es gibt auch andere Landeslieder, da heißt es zum Beispiel: "sturmfest und erdverwachsen". Ich wünsche mir unser zukünftiges Lied dagegen leichter und flockiger und heutiger. Und wenn sich ein Mecklenburg-Vorpommer irgendwo bewegt und sagt: Ich singe euch mal das Lied von meinem Land vor. Dann soll er das singen voller Stolz und mit geschwellter Brust.

Mit Cornelia Nenz sprach Friederike Zörner.

Quelle: n-tv.de

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