Sensation im MichiganseeWrack von Luxusdampfer nach 150 Jahren gefunden

Im Oktober 1872 läuft die "Lac La Belle" zu ihrer letzten Reise aus. Der luxuriöse Dampfer gerät in einen Sturm und sinkt. Die meisten Passagiere überleben das Unglück - doch das Schiff bleibt verschwunden. Bis ein Hinweis Wrack-Suchende zum Erfolg führt.
Suchende haben das Wrack eines Luxusdampfers gefunden, der vor mehr als 150 Jahren im Michigansee gesunken war. Die "Lac La Belle" havarierte 1872 auf ihrem Weg zum Lake Superior, nachdem sie in ein Unwetter geraten war. Ein Großteil der Besatzung konnte sich damals mit Rettungsbooten in Sicherheit bringen. Doch das Wrack der "Lac La Belle" blieb trotz der Berichterstattung der Überlebenden verschwunden.
Nun gab "Shipwreck World", eine Gruppe, die sich mit der Ortung von Schiffswracks beschäftigt, den spektakulären Fund bekannt. Demnach entdeckten die Suchenden das Schiff bereits im Oktober 2022 rund 30 Kilometer vor der Küste von Kenosha im US-Bundesstaat Wisconsin. Mit ihrer Bekanntgabe haben sie bis heute gewartet, da sie zunächst ein dreidimensionales Video des Wracks anfertigen wollten. Das Wetter erlaubte es ihnen jedoch erst im vergangenen Sommer, zum Wrack zu tauchen.
Für Paul Ehorn aus Illinois, dem Leiter der Gruppe, endete damit eine rund 60-jährige Suche. Seit 1965 habe er nach der "Lac La Belle" gesucht, erzählte er der Nachrichtenagentur Associated Press. Der Durchbruch gelang schließlich dank des Hinweises eines Kollegen. Um welchen Tipp es sich genau handelte, wollte Ehorn nicht sagen. Lediglich, dass sein Kollege von einem Fischer gehört habe, dass dieser "an einem bestimmten Ort" einen Gegenstand geborgen habe, der zu einem Dampfschiff passe. "Es ist eine Art Spiel, wie das Lösen eines Puzzles", sagte Ehorn zu AP über die Suche nach Wracks. "Manchmal hat man nicht viele Teile, um das Puzzle zusammenzusetzen, aber dieses Mal hat es geklappt und wir haben es sofort gefunden."
Die letzte Reise
Der Gruppe zufolge wurde die "Lac La Belle" 1864 in Cleveland in Ohio gebaut. Der 66 Meter lange Dampfer verkehrte zwischen Cleveland und dem Lake Superior. 1866 sank das Schiff nach einer Kollision zum ersten Mal, wurde jedoch geborgen und überholt. Am 13. Oktober 1872 begann schließlich die letzte Reise des Schiffes, heißt es in dem Bericht weiter. Bei stürmischem Wetter legte es in Milwaukee ab. An Bord waren 53 Passagiere und Besatzungsmitglieder, außerdem eine Ladung Gerste, Schweinefleisch, Mehl und Whiskey. Etwa zwei Stunden nach Beginn der Reise begann das Schiff, unkontrolliert zu lecken.
Der Kapitän reagierte dem Bericht zufolge prompt, er steuerte die "Lac La Belle" zurück in Richtung Milwaukee. Allerdings schlugen die Wellen über das Schiff hinweg, sodass die Kessel gelöscht wurden. Passagiere und Besatzung schafften es rechtzeitig in die Rettungsboote - die "Lac La Belle" sank schließlich mit dem Heck voran zu Grund. Acht Menschen kamen bei der Unglücksfahrt ums Leben, ihr Rettungsboot kenterte auf dem Weg zum Ufer. Die anderen Boote schafften es sicher zur Küste.
Das nun gefundene Wrack sei größtenteils intakt, sogar die Eichenholzausstattung sei in einem guten Zustand, berichtete Ehorn weiter. Lediglich die oberen Kabinen seien verschwunden und das Äußere des Schiffes sei vollständig mit Quagga-Muscheln bedeckt. Die "Lac La Belle" ist bereits das 15. Wrack, das Ehorn gefunden habe. "Das war ein weiteres, das ich abhaken konnte", sagte er. "Jetzt geht es weiter zum nächsten. Es wird immer schwieriger. Die leichteren sind bereits gefunden worden."
In den Großen Seen der USA liegen laut der Wisconsin Water Library der Universität Wisconsin-Madison zwischen 6000 und 10.000 Schiffswracks, von denen die meisten noch unentdeckt sind.