Panorama

Bereits elf Corona-Tote Würzburger Seniorenheim bittet um Hilfe

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44 Bewohner eines Würzburger Heims haben sich mit Corona infiziert.

(Foto: picture alliance/dpa)

Seniorenheime gelten als besonders kritische Orte in der Corona-Pandemie. Die Bewohner sind hoch betagt und zumeist vorerkrankt. In Würzburg haben sich in einer Einrichtung Dutzende infiziert. Die Behörden halten eine Evakuierung aber für noch gefährlicher.

Das Würzburger Seniorenheim St. Nikolaus wird nicht evakuiert - obwohl dort in den vergangenen Tagen bereits elf Bewohner nach einer Corona-Infektion gestorben sind. Die positiv auf das Virus Sars-CoV-2 getesteten Personen auf Stationen innerhalb der Einrichtung zu isolieren, sei nach langer Abwägung aller Faktoren die medizinisch sinnvollste Lösung, teilten Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt und der Leiter des Würzburger Gesundheitsamtes, Johann Löw, mit.

Der Einrichtung fehlten derzeit vor allem Personal und Schutzkleidung, sagte Schuchardt. Er appellierte an Unternehmen "und an die Allgemeinheit", weiter zu helfen. Es gebe ein großartiges Engagement in der Würzburger Bevölkerung. So nähten einige Unternehmen Atemmasken und Schutzkleidung, ein Farbenhersteller habe nicht benötigte Schutzmasken zur Verfügung gestellt.

76 von 161 infiziert

Inzwischen sind den Angaben zufolge alle 161 meist hochbetagte und demenzkranke Bewohner sowie alle Mitarbeiter der Einrichtung auf das Coronavirus getestet worden, davon 44 Bewohner und 32 Mitarbeiter positiv. Alle drei Tage sollen die Tests wiederholt werden.

Alle positiv getesteten Bewohner würden auf zwei bis drei Stationen verbracht. Bewohner, die nicht positiv getestet sind, bleiben auf ihren bisherigen Stationen. Gegen eine Evakuierung des Heims habe gesprochen, dass beim Transport der hochbetagten, infizierten Menschen eine neue Infektionsgefahr entstanden wäre, so Schuchardt.

Der ärztliche Leiter des Krisenstabs, Michael Schwab, sagte, bei der Komplett-Testung des Heims seien auch völlig unauffällige Bewohner positiv gewesen. Auch habe sich gezeigt, dass es bei der Krankheit häufig nach sieben Tagen zu einem weiteren Schub komme. "Bei der Behandlung von Corona lernen wir Ärzte jeden Tag dazu", sagte er. "Es kann jedes Heim treffen. Wir mussten schmerzhaft lernen, wie schnell die Pandemie sich ausbreitet." Die jetzt in dem Heim getroffenen Maßnahmen könnten für andere zu einer "Blaupause" werden, um Herausforderungen durch das Virus besser zu bewältigen.

"Menschen mit Demenz zu pflegen, bedeutet Körperkontakt"

In der Pflegeeinrichtung herrschten "überraschend geordnete Verhältnisse", sagte Schwab weiter. Pflegekräfte und Ärzte arbeiteten dort an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Sie gingen das eigene Risiko einer Infektion ein, um die Bewohner zu versorgen. "Menschen mit Demenz zu pflegen, bedeutet Körperkontakt - beim Waschen, beim Anziehen, beim Medikamente-Verabreichen. Und Sie können demente Menschen nicht fixieren oder in ihrem Zimmer einsperren", sagte er.

Eine gute Nachricht sei, dass von zwölf Bewohnern, die mit Krankheitssymptomen in Würzburger Kliniken gebracht worden waren, inzwischen sechs genesen seien, sagte der Pandemiearzt. Diese könnten wieder zurückverlegt werden.

Er mahnte aber auch: "Wenn wir das Leben dieser hochbetagten Patienten retten wollen, brauchen wir die bestmögliche Unterstützung, insbesondere mehr Schutzausrüstung, mehr Testkapazitäten und Pfleger, die bereit sind, das Risiko einer Infektion einzugehen."

In dem Seniorenheim St. Nikolaus war am gestrigen Donnerstag der inzwischen elfte Patient nach einer Infektion mit dem neuartigen Erreger gestorben. Gesundheitsamtsleiter Löw zufolge wurde auch in einem weiteren Würzburger Altenheim eine Patientin positiv getestet. Sie werde nun ebenfalls isoliert. Auch im Landkreis Fürth und in Augsburg wurden Corona-Fälle in Seniorenheimen bekannt.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa