Panorama

Naturkatastrophe in Guatemala Zahl der Opfer nach Vulkanausbruch steigt

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Rettungskräfte suchen nach dem Vulkanausbruch nach Überlebenden.

(Foto: REUTERS)

Der Volcán de Fuego macht seinem Namen alle Ehre und bringt Leid über Tausende Menschen nahe der Hauptstadt Guatemalas. Die traurige Bilanz bisher: dutzende Verletzte und mehr als 60 Tote.

Mindestens 62 Tote, 46 Verletzte und Tausende Anwohner auf der Flucht - das ist die vorläufige Bilanz eines verheerenden Vulkanausbruchs in Guatemala. In den Trümmern der Dörfer an der südlichen Flanke des Feuervulkans (Volcán de Fuego) in der Nähe der Hauptstadt Guatemala-Stadt wurden heute acht weitere Tote gefunden.

Die Opferzahl könnte noch weiter steigen. Die vom Vulkan ausgespuckten Gesteinsbrocken, Geröll, Schlamm und glühende Asche begruben zahlreiche Häuser unter sich. Mehrere Menschen galten als vermisst. Nach Angaben des Sprechers der Katastrophenschutzbehörde Conred, David de León, waren von der Naturkatastrophe am Sonntag 1,7 Millionen Menschen betroffen.

Die Aschewolken stiegen bis zu 2200 Kilometer über dem 3763 Meter hohen Feuervulkan auf. Der internationale Flughafen von Guatemala-Stadt musste daher vorübergehend seinen Betrieb einstellen. In der Nacht wurden die Rettungseinsätze wegen der Dunkelheit und der allgemein gefährlichen Lage ausgesetzt. Am Morgen (Ortszeit) wurden sie in dem am meisten betroffenen Gebiet wieder aufgenommen.

Zufahrtsstraßen zerstört

In dem zerstörten Weiler San Miguel Los Lotes sah ein Reporter eine trostlose Landschaft mit zertrümmerten Häuschen, geschwärzten Leichen von Menschen und Haustieren inmitten von Schlamm und noch rauchender Asche.

Die 48-jährige Eufemia García verdankt ihr Leben ihrem Mann, der sie aus dem Haus zog. Aber heute suchte sie drei ihrer Söhne, ihre Mutter, Bruder und Neffen. "Ich wollte nicht weg, ich wollte zurück, und ich konnte nichts machen, um meine Familie zu retten", sagt sie schluchzend.

De León sagte im CNN-Fernsehen, eine Ortschaft nördlich des Feuervulkans sei von der Außenwelt abgeschnitten, weil die Zufahrtsstraßen bei dem Ausbruch zerstört worden seien. Ein heftiger Regen während des Vulkanausbruchs mischte sich mit der Vulkanasche und sorgte für Atemwegsbeschwerden sowie für eine starke Verschmutzung von Wasserläufen und Anbauflächen.

Auf Fernsehbildern waren von brennendem Gestein bedeckte Leichen und von Kopf bis Fuß mit Asche überzogene Überlebende zu sehen. Viele Menschen mussten in Notunterkünfte flüchten. Auch der bei Touristen wegen seiner Architektur im Kolonialstil beliebte Ort Antigua Guatemala war von dem Vulkanausbruch betroffen.

Morales ruft Staatstrauer aus

Der 52-jährige Efraín González wurde mit seiner Frau und seiner einjährigen Tochter aus dem am stärksten betroffenen Dorf El Rodeo in eine Unterkunft in der Stadt Escuintla gebracht. Seine zwei älteren Kinder, vier und zehn Jahre alt, wurden in ihrem von heißem Schlamm verschütteten Haus vermisst. "Dieses Mal wurden wir gerettet, das nächste Mal wird das nicht so sein", sagte González.

Guatemalas Staatschef Jimmy Morales trat mit dem Conred-Sprecher vor die Presse. Er rief eine dreitägige Staatstrauer und für die drei am stärksten betroffenen Regierungsbezirke Escuintla, Chimaltenango und Sacatepéquez Alarmstufe rot aus. Für den Rest des Landes galt Alarmstufe orange. Morales rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. "Hunderte Polizisten, Mitglieder des Roten Kreuzes und Soldaten sind im Einsatz", sagte der Präsident. Insgesamt dauerte der Vulkanausbruch mehr als 16 Stunden. Nach Angaben des Nationalen Instituts für Vulkanologie ist ein erneuter Ausbruch möglich.

Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte in einer aktualisierten Fassung seiner Reise- und Sicherheitshinweise für Guatemala, Reisende müssten mit "weiteren lokalen Verkehrseinschränkungen und erhöhter Luftverschmutzung" rechnen. Sie sollten sich daher vorab über die aktuelle Lage informieren.

Quelle: ntv.de, AFP/dpa