Panorama

Schweres Erdbeben im Himalaya Zahl der Toten steigt immer weiter

Ein Beben der Stärke 7,9 erschüttert die Himalaya-Region. Vor allem Nepal ist betroffen. Das Innenministerium spricht inzwischen von über 1800 Toten, Hunderte Menschen sind verletzt. Viele Gebäude stürzen ein, ein Weltkulturerbe ist völlig zerstört.

Schwere Zerstörungen und Hunderte Todesopfer hat ein schweres Erdbeben im Himalaya-Staat Nepal hinterlassen: Das nepalesische Innenministerium teilte mit, es seien in dem Land mindestens 1805 Menschen gestorben. Die endgültige Zahl der Toten könne womöglich noch dreimal so hoch liegen. Auch die Zahl der Verletzten ging in die Tausende. Im Basislager am Mount Everest wurden zehn Menschen durch eine Lawine getötet. Auch aus Nordindien wurden Dutzende Opfer gemeldet.

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Der Bhimsen- oder Dharahara-Turm, ein Weltkulturerbe Kathmandus, ist völlig zerstört.

(Foto: dpa)

Ein Polizeisprecher sagte, aus allen Regionen Nepals mit Ausnahme des äußersten Westens seien Opfer gemeldet worden. Die Sicherheitskräfte seien für Rettungsarbeiten mobilisiert worden. Die Kommunikation mit den entlegeneren Regionen des gebirgigen Landes war so schwierig, dass Informationen erst allmählich eintrafen.

Menschen stürzen ins Freie

Das Beben der Stärke 7,8 hatte den Himalaya-Staat und Teile Indiens zur Mittagszeit erschüttert. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS lag das Epizentrum rund 80 Kilometer nordwestlich von Kathmandu. Wie ein Reporter berichtete, stürzten Bewohner der Hauptstadt ins Freie, während Häuser einbrachen. Die Erdstöße dauerten zwischen dreißig Sekunden und zwei Minuten.

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Auch der emblematische Dharhara-Turm in der Altstadt stürzte ein. Ein Fotograf sah zahlreiche Tote vor dem historischen Bauwerk. Der 36-jährige Dharmu Subedi, der beim Einsturz des neunstöckigen Turms verschüttet wurde, sagte im Krankenbett, er habe unter dem Schutt kaum atmen können, dann hätten ihn Retter geborgen. Auch andere historische Gebäude wurden schwer beschädigt.

Der internationale Flughafen von Kathmandu wurde wegen Schäden vorübergehend geschlossen. Die niederländische Diplomatin Kari Cuelenaere sagte, sie hätten in Kathmandu mit Kindern gerade den niederländischen Nationalfeiertag am Schwimmbecken eines Hotels gefeiert, als das Wasser plötzlich herausschwappte. "Es war furchtbar, plötzlich kam das ganze Wasser aus dem Pool. Die Kinder schrien."

Zehn Tote am Mount Everest

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Das Basislager des Mount Everest, wo zum Start der Klettersaison zahlreiche Bergsteiger versammelt sind, wurde infolge des Bebens von einer Lawine getroffen. Ein Vertreter der Tourismusbehörde sprach von mindestens zehn Todesopfern, unter ihnen ausländische Bergsteiger. Die Lawine habe das Lager teilweise unter sich begraben. Dort und in der Umgebung hielten sich etwa tausend Menschen auf.

Ein Kletterer aus Rumänien, Alex Gavan, schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter, es gebe "viele Tote", es sei eine "Riesenkatastrophe". Sollte nicht bald Hilfe per Hubschrauber kommen, würden noch mehr Menschen sterben. Ein Behördenvertreter erklärte, Hilfe sei unterwegs, aber wegen heftigen Schneefalls könnten die Hubschrauber die Kletterer nicht erreichen.

In der gebirgigen Region gibt es immer wieder schwere Erdbeben. Im Jahr 2011 kamen bei einem Beben der Stärke 6,9 im Nordwesten Indiens und in Nepal 110 Menschen ums Leben. Auch am Samstag waren die Erdstöße in Nordindien und in Bangladesch zu spüren, wo in der Hauptstadt Dhaka Menschen in Panik auf die Straße stürzten. Medienberichten zufolge wurden in einer Textilfabrik am Rande Dhakas 50 Arbeiter verletzt, als sie ins Freie drängten.

Hilfsangebote aus Deutschland, Russland und den USA

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Die Karte der US-Erdbebenwarte zeigt das Epizentrum des Bebens.

(Foto: dpa)

Auch in Indiens Hauptstadt Neu Delhi bebte die Erde. Indiens Behörde für Meteorologie teilte mit, das Beben sei besonders in den nördlichen Bundesstaaten Uttar Pradesh, Bihar, Sikkim und Westbengalen zu spüren gewesen. Demnach wurde rund 20 Minuten nach dem ersten Beben ein zweiter Erdstoß der Stärke 6,6 registriert. In Nordindien wurden insgesamt 26 Tote gemeldet. Zwei weitere Tote gab es laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua in Tibet.

Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigten sich bestürzt. Deutschland stehe für Hilfe bereit, erklärte ein Regierungssprecher. Merkel habe dem nepalesischen Ministerpräsidenten Sushil Koirala ihr Mitgefühl übermittelt. Überdies bemühe sich das Auswärtige Amt um Aufklärung zum Verbleib deutscher Staatsangehöriger. Von touristischen Reisen in die betroffenen Gebiete wurde zunächst abgeraten. Das Deutsche Rote Kreuz erklärte, für Hilfe bereitzustehen.

Die USA schickten Rettungskräfte und kündigten erste Hilfen von einer Million Dollar an, wie die staatliche Hilfsorganisation USAID mitteilte. Russland kündigte an, etwa 50 Rettungskräfte sowie Technik in die Katastrophenregion schicken. Kremlchef Wladimir Putin sprach den Nepalesen sein tiefes Mitgefühl angesichts der "menschlichen Opfer und schweren Zerstörungen" aus.

Quelle: n-tv.de, vpe/mli/dpa/AFP