Panorama

"Seine Leistungen waren groß"Zehntausende gedenken toten Cambridge-Professors

18.08.2026, 10:53 Uhr
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Am Trafalgar Square versammelten sich Zigtausende Menschen. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Als jüngster schwarzer Professor zieht Jason Arday vor drei Jahren an der britischen Elite-Universität Cambridge Aufmerksamkeit auf sich. Nach einer "rassistischen Hetzjagd" durch rechte Medien wird er Anfang August tot aufgefunden. Die Anteilnahme an seinem Tod ist groß.

In Großbritanniens Hauptstadt London haben sich Tausende Menschen an einer Mahnwache für den nach Plagiatsvorwürfen tot aufgefundenen Cambridge-Professor Jason Arday beteiligt. Die Organisatoren der Kundgebung am Montagabend auf dem Trafalgar Square sprachen von rund 30.000 Teilnehmern. Viele waren in Schwarz gekleidet und trugen Rosen und Sonnenblumen sowie Banner mit der Aufschrift "Rest in Power Professor Jason Arday".

Ardays Familie nahm nicht an der von der Organisation Stand Up To Racism organisierten Mahnwache teil, veröffentlichte jedoch eine Erklärung, die der Menge vorgelesen wurde. Darin dankte sie den Unterstützern für ihre "Liebe, Unterstützung und Trauer". "Die öffentliche Grausamkeit, der Jason ausgesetzt war, war für keinen Menschen zu ertragen", hieß es in der Erklärung weiter. "Seine Leistungen waren groß, und wir wollen nicht, dass Verzerrungen seines Charakters sie überschatten."

Zur Eröffnung der Veranstaltung sprach Bell Ribeiro-Addy, die lokale Abgeordnete für Ardays Familie in Clapham und Brixton Hill: "Ich sehe, wie viele Menschen heute Abend gekommen sind. Das zeigt, was Jason vielen bedeutet hat. Er hielt die Türen hinter sich offen. Er hielt sie offen, und Tausende von uns sind hindurchgegangen. Deshalb ist dieser Ort heute Abend voll. Und ich weiß, dass ihr alle trauert und auch viele Menschen, die gar nicht hier sind."

Arday hatte vor drei Jahren als jüngster schwarzer Professor der britischen Elite-Universität Cambridge Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Am 5. August war der 41-Jährige von seinem Posten als Professor für Bildungssoziologie zurückgetreten, nachdem zahlreiche Medien über Plagiatsvorwürfe und Zweifel an seinen Angaben zu seinem Lebenslauf berichtet hatten. Er habe "die Grenze dessen erreicht, was irgendeinem Menschen vernünftigerweise zugemutet werden sollte", erklärte Arday.

"Mobbing-Kampagne" und "Hetzjagd"

Am Freitag wurde er schließlich tot in Battersea im Süden Londons aufgefunden. Die Polizei stufte seinen Tod vorerst nicht als verdächtig ein. Sie vermutet einen Suizid oder einen natürlichen Tod. Ardays Familie bestätigte seinen Tod und sprach von einer "Mobbing-Kampagne" voller Gerüchte über die akademische Arbeit und das Privatleben des Soziologen.

Die 69-jährige pensionierte Legasthenie-Lehrerin Claire Lynch sagte am Rande der Mahnwache, sie sei von dem, was Arday widerfahren sei, "entsetzt" gewesen. Sie sprach von einer "Jagd". Der 89-jährige Alex Pascall sagte, Ardays Tod müsse als "Weckruf" dienen. Es sei "an der Zeit, dass solche Dinge aufhören".

Rat und Nothilfe bei Suizid-Gefahr und Depressionen

  • Bei Suizidgefahr: Notruf 112
  • Deutschlandweites Info-Telefon Depression, kostenfrei: 0800 33 44 5 33
  • Beratung in Krisensituationen: Telefonseelsorge (0800/111-0-111 oder 0800/111-0-222 oder 116 123, Anruf kostenfrei) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800/111-0-333 oder 116-111), auch per E-Mail oder Chat
  • Bei der Deutschen Depressionshilfe sind regionale Krisendienste und Kliniken zu finden, zudem Tipps für Betroffene und Angehörige.
  • In der Deutschen Depressionsliga engagieren sich Betroffene und Angehörige. Dort gibt es auch eine E-Mail-Beratung für Depressive.
  • Eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zur Depression bieten die örtlichen Kontaktstellen (KISS).

Die Vorwürfe gegen Arday wurden insbesondere von dem US-Forscher Nathan Cofnas aufgebracht, der die Cambridge-Universität 2024 wegen Rassismus-Vorwürfen verlassen musste. Cofnas' Vorwürfe wurden von rechtsgerichteten Zeitungen und Kommentatoren aufgegriffen, die Arday als "Aushängeschild" für Gleichstellungs- und Inklusionsprogramme bezeichneten. Am Montag verurteilte Cambridge-Rektor Chris Smith einen "rassistischen Wahn" im Zusammenhang mit Plagiatsvorwürfen. Er sprach von einer "Hetzjagd" gegen Arday.

Quelle: ntv.de, mba/AFP

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