Ehemann des Sohnes getilgtZeitung in Texas "bereinigt" Nachruf

Barry Giles und sein Mann John Gambill sind seit mehr als 30 Jahren ein Paar. Doch im Nachruf von Giles' Mutter kommt Gambill nicht vor. Denn das Paar passt nicht in jedermanns Familienbild.
Barry Giles verlor im Februar seine Mutter Brenda. In seinem Nachruf, der in der Zeitung "Olton Enterprise" erscheinen sollte, erinnerte er an viele Familiengeschichten, die er mit seiner Mutter verbindet.
Doch in dem Artikel, der schließlich in der Wochenzeitung im US-Bundesstaat Texas erschien, fehlte ein entscheidendes Detail. Denn Barry Giles hatte in seinem Text auch ausdrücklich seinen Ehemann John Gambill erwähnt, der zu seiner Schwiegermutter ein herzliches Verhältnis hatte. In dem Nachruf, den die Leser in der Zeitung vorfanden, war von Gambill keine Rede. Dort hieß es lediglich, Brenda Light hinterlasse einen Sohn.
Giles und Gambill waren der Zeitung "Dallas Voice" zufolge mehr als 30 Jahre zusammen. Nachdem Brenda Light ihren Ehemann 2010 verloren hatte, zog sie in die Nähe des Paares. Gambill erzählte dem Blatt, sie seien gemeinsam nach Australien und Neuseeland gereist und auf dem Mittelmeer gesegelt. Weil sich seine Schwiegermutter nicht mehr so gut bücken konnte, habe er ihr mit dem Katzenklo geholfen und auch Blumen in ihrem Garten geppflanzt.
Problem mit Ehe für alle
"Wir haben getan, was eine Familie tut", sagte Gambill, der selbst als Bestatter arbeitet. Seine Erfahrung in dem Geschäft sage ihm, dass es unzulässig sei, jemandem aus einem Nachruf einfach zu streichen. Als habe er den Herausgeber und Besitzer der "Olton Enterprise" angerufen und gefragt, ob der Nachruf nicht vollständig angekommen sei.
Doch das war nicht der Fall. Offenbar hatte Herausgeber Phillip Hamilton ein Problem mit dem Inhalt. Hamilton, der auch Baptistenprediger ist, sagte dem Lokalsender Fox4: "Es ist meine religiöse Überzeugung, dass ein Mann keinen Ehemann haben kann. Es wäre unethisch, eine Nachricht, die dem Herausgeber als falsch bekannt ist, zu veröffentlichen." Wegen der Wahrheit Gottes habe er deshalb Gambill rausstreichen müssen.
In den USA ist die Ehe für alle seit 2015 landesweit rechtens, nachdem das Oberste Gericht eine entsprechende Entscheidung getroffen hatte.