Panorama

Keine Vorfälle oder VorstrafenZugbegleiter getötet: Angreifer war nicht polizeibekannt

05.02.2026, 14:07 Uhr
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Martin-Burkert-l-MdB-und-Vorsitzender-der-Eisenbahnergesellschaft-EVG-spricht-zu-Mitgliedern-der-EVG-und-anderen-Beschaeftigen-der-Deutschen-Bahn-nach-der-Schweigeminute-fuer-einen-getoeteten-Zugbegleiter
Martin Burkert, Vorsitzender der Eisenbahnergesellschaft EVG, spricht mit Bahn-Beschäftigen nach der Schweigeminute für den getöteten Zugbegleiter. (Foto: picture alliance/dpa)

Ein 26-jähriger Grieche prügelt einen Zugbegleiter ins Krankenhaus. Der stirbt dort an den Verletzungen. Die Polizei erklärt, der Angreifer sei bisher nicht straffällig geworden. Derweil fordert ein Gewerkschafter Bodycams und mehr Personal. Daran wurde gespart, klagt auch der DB-Betriebsrat.

Der Mann, der einen Zugbegleiter bei einem Angriff in einem Regionalzug tödlich verletzt haben soll, ist nicht polizeibekannt. Es gebe keine "Vorfälle, polizeiliche Erkenntnisse oder Vorstrafen hier in Deutschland", sagte die Leitende Oberstaatsanwältin Iris Weingardt in Zweibrücken.

"Wir haben natürlich weitere Ermittlungen veranlasst, die dauern an." Zudem seien ergänzende rechtsmedizinische und kriminaltechnische Untersuchungen beauftragt worden. "Es wird Videomaterial gesichtet und ausgewertet, und es werden Zeugen vernommen", sagte sie.

Gegen den 26 Jahre alten Tatverdächtigen war am Dienstag Haftbefehl wegen versuchten Totschlags ergangen. Da der Zugbegleiter am Mittwochmorgen gestorben sei, habe man einen Antrag auf Änderung des Haftbefehls gestellt - auf Totschlag, sagte Weingardt.

Der Beschuldigte habe sich selbst bisher nicht zur Sache eingelassen. Er sei griechischer Staatsangehöriger und nach eigenen Angaben in Luxemburg wohnhaft.

Die Tat löst deutschlandweit Entsetzen aus. Der 36 Jahre alte Bahnmitarbeiter war bei einer Ticketkontrolle in einem Regionalexpress von dem Beschuldigten ohne gültiges Ticket mit Schlägen gegen den Kopf attackiert worden. Er verlor das Bewusstsein und starb später in einer Klinik an einer Hirnblutung.

Gewerkschafter fordert Bodycams und Doppelbesetzung

Gewerkschaften forderten nun erneut Konsequenzen. Martin Burkert, Chef der EVG, forderte etwa eine Doppelbesetzung im Zug. "Dann wäre das vielleicht verhinderbar gewesen", sagte im Radiosender Bayern2. "Wir weisen seit Jahren darauf hin", fügte er hinzu. 82 Prozent der Bahn-Mitarbeiter hätten einen verbalen oder körperlichen Angriff erlebt. "Das sind schockierende Zahlen." Die Ausstattung könne verbessert werden. Dazu zählten beispielsweise Bodycams mit Ton oder ein Notrufknopf an der Armbanduhr. "Das ist alles immer mit Kosten verbunden. Aber Sicherheit ist nicht verhandelbar", sagte Burkert.

"Wir brauchen Doppelbesetzung, wir brauchen eine Bodycam, die auch Tonaufzeichnungen wiedergibt", sagte auch der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats der DB Regio Schiene und Bus, Ralf Damde, dem Radiosender WDR5. Nötig seien dabei neue Sicherheitskonzepte und eine stärkere Zusammenarbeit mit der Bundespolizei.

Damde kritisierte zudem die Betreiber der Bahnen. Bei den Ausschreibungen in der Vergangenheit habe "je billiger, desto besser" gegolten. Dadurch sei zugelassen worden, dass Züge nicht mehr von ausreichend Personal begleitet würden. Einer der "Hotspots bei den Übergriffen" sei Nordrhein-Westfalen, sagte Damde.

Quelle: ntv.de, als/dpa

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