Crew soll "verdammt sein!"Mutter von noch vermissten Kindern schildert Fährunglück vor Nordzypern
Vor der Küste Nordzyperns kentert eine Passagierfähre, acht Menschen sterben, nach 18 weiteren wird noch gesucht. Eine Mutter berichtet von ihren zwei Kindern, die momentan als vermisst gelten. Zudem macht sie der Crew des Schiffes schwere Vorwürfe: Sie hätten die Warnungen der Passagiere nicht ernst genommen.
Unter den Vermissten bei dem Fährunglück vor Zypern mit mehreren Toten sind laut Medienberichten auch ein zwölfjähriges Mädchen und ein neunjähriger Junge. Die Mutter der beiden erzählte dem türkischen Sender NTV unter Tränen, wie sie ihre Kinder beim Untergang des Schiffes verloren hat: "Meine Tochter ist mir aus den Händen entglitten. Ich konnte sie nicht halten. Ich habe ihre Hand gehalten, auf uns sind Koffer gefallen und ihre Hand ist mir entglitten."
Die Passagiere seien übereinander gestiegen, um sich zu retten. Ihre Kinder hätten geschrien: "Mama, lass unsere Hände nicht los!" Überall sei Treibstoff ausgelaufen und der Boden sei rutschig gewesen.
Die Mutter warf der Schiffs-Crew Fahrlässigkeit vor. Die Besatzung habe die Warnungen der Passagiere nicht ernst genommen, sagte sie. Auf den Hinweis, dass Wasser am Schiffsboden sei, habe ein Crewmitglied gefragt, ob sie etwa noch nie mit dem Meer in Berührung gekommen seien.
Kinder hatten keine Rettungswesten
"Verdammt sollen sie sein!", sagte die Mutter. Sie gehe davon aus, dass ihre Kinder im Schiff eingeklemmt wurden und dort zurückbleiben werden. Sie hätten keine Rettungswesten angehabt.
Die Familie aus dem südtürkischen Hatay war der Nachrichtenagentur DHA zufolge im Urlaub auf Zypern und auf dem Rückweg. Der Vater, die Mutter und ein weiterer Sohn im Alter von zehn Jahren hätten überlebt.
Die Express-Fähre "Filo Jet" war am Sonntag kurz nach dem Auslaufen aus der Hafenstadt Kyrenia (türkisch: Girne) im Norden der Mittelmeerinsel auf dem Weg ins südtürkische Mersin gekentert. Aus noch ungeklärten Gründen drang Wasser ein, der Katamaran lief voll, kippte zur Seite - und sank schließlich wenige Kilometer vor der Küste. Das Wrack liegt in rund 500 Metern Tiefe auf Grund.
Mindestens acht Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben. 18 gelten als vermisst, die meisten der rund 260 Passagiere konnten gerettet werden.
