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Fotos mit syrischen Leichen 21-Jähriger für Kriegsverbrechen angeklagt

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Der Angeklagte betritt den Hochsicherheitssaal des Oberlandesgerichts in Frankfurt am Main.

(Foto: dpa)

Ein mutmaßlicher Islamist muss sich wegen Kriegsverbrechen vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt am Main verantworten. Er hatte im syrischen Bürgerkrieg mit aufgespießten Köpfen für ein Foto posiert. Dennoch beteuert der Angeklagte seine Unschuld.

In Deutschland steht erstmals ein mutmaßlicher Islamist wegen des Vorwurfs der Kriegsverbrechen vor Gericht. Er soll im syrischen Bürgerkrieg neben zwei aufgespießten Köpfen von getöteten Zivilisten oder Regierungssoldaten posiert haben. Der 21-Jährige räumte vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main ein, dass es entsprechende Fotos mit ihm gibt. Nach seiner Darstellung posierte er aber nicht freiwillig dafür. Er sei dazu gedrängt worden.

"Ich wollte nicht da drauf", sagte der Angeklagte Aria L. in seiner mehrstündigen Aussage zu den Fotos. Dem 21-Jährigen wird vorgeworfen, im Frühjahr 2014 für die Aufnahmen posiert zu haben. Diese sollen danach unter anderem über das soziale Netzwerk Facebook verbreitet worden sein. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, er habe die Getöteten damit verhöhnen und in ihrer Totenehre herabwürdigen wollen.

Nach der Schilderung des Angeklagten befand er sich gerade beim Essen bei einem Bekannten in Syrien, als dessen Sohn hereinkam und von den abgetrennten Köpfen berichtete. Er habe es nicht glauben können, als er diese gesehen habe, und sich dann unter dem Druck der anderen Anwesenden für ein Foto daneben gestellt. Er habe nicht vorgehabt, "jemanden zu erniedrigen oder herabwürdigend zu behandeln", sagte der 21-Jährige. Er habe auch zunächst gesagt, dass er das nicht mache. Niemals habe er zudem gedacht, dass alles ein solches Ausmaß annehmen werde.

L. sagt, er habe Syrern helfen wollen

Der unter anderem wegen Einbrüchen vorbestrafte L. begründete seine Reise nach Syrien damit, dass er den Menschen dort habe helfen wollen. Vor seiner Abreise hatte er sich nach eigenen Angaben stärker dem Islam zugewandt und schließlich über Facebook Kontakt zu Bekannten in Syrien aufgenommen. Dort nahm er demnach später auch an Schießübungen teil. Er versicherte aber, er selbst habe in Syrien nicht gekämpft.

Der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel äußerte erhebliche Zweifel an der Darstellung des Angeklagten. "Ich fühle mich gerade ein bisschen auf den Arm genommen", sagte er zu dessen Aussage, nach Syrien gereist zu sein, um den Menschen dort zu helfen.

Der Angeklagte schilderte vor Gericht auch ausführlich seine Kindheit und Jugend. Der aus einer iranischen Familie stammende L. ging nach der Grundschule zunächst auf das Gymnasium. Dort schwänzte er nach eigenen Angaben oft den Unterricht, wechselte zunächst auf eine Realschule und schaffte schließlich einen Hauptschulabschluss. Eine Ausbildung machte er bislang nicht und arbeitete auch nur zeitweilig.

Seit Oktober 2015 befindet sich L. in Untersuchungshaft. Für den Prozess vor dem Oberlandesgericht sind zunächst noch fünf weitere Verhandlungstage bis Mitte Juni angesetzt.

Quelle: n-tv.de, kpi/AFP

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