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Dreckige Luft vor Dieselurteil 35 Städte melden zu hohe Stickoxidbelastung

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Die Grenzwerte seien ohne Hardware-Nachrüstungen von Dieselautos "unmöglich" einzuhalten, so Dudenhöffer.

(Foto: imago/photothek)

Am Donnerstag entscheidet das Bundesverwaltungsgericht, ob Fahrverbote für Diesel grundsätzlich möglich sind. Für viele Menschen wäre das hilfreich: In den ersten Wochen des Jahres übersteigt die Belastung mit Stickoxiden in 35 Städten die Grenzwerte.

Der gesetzliche Grenzwert für Stickoxide ist in den ersten sechs Wochen des Jahres in 35 Städten überschritten worden. Dabei hätten sogar günstige Wetterverhältnisse geherrscht, die die NO2-Belastung gesenkt hätten, erklärte Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer. Das zeige, dass die Grenzwerte ohne Hardware-Nachrüstungen von Dieselautos "unmöglich" einzuhalten seien.

Dudenhöffers CAR-Institut der Universität-Duisburg-Essen hat die Mittelwerte aus den Daten von insgesamt 399 Messstationen berechnet. Statt der erlaubten 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) pro Kubikmeter Luft waren es in München 64 Mikrogramm. In Stuttgart, Kiel und Hamburg meldeten die Stationen Werte ab 55 Mikrogramm.

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Greenpeace fordert bei einer Protestaktion auf der Bundesstraße 14 in Stuttgart saubere Luft.

(Foto: imago/Arnulf Hettrich)

Im Schnitt lag die Belastung laut den Berechnungen in den ersten sechs Wochen 2018 aber um 26 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum. Die Daten seien "sehr positiv durch Wetterbedingungen beeinflusst", erklärte Dudenhöffer. "Man muss davon ausgehen, dass sich die Messwerte im Verlauf des Jahres gegenüber den ersten sechs Wochen zum Teil deutlich verschlechtern."

"Verschlimmbesserung der Umweltlage"

Am Donnerstag entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig über Fahrverbote für Dieselautos in einigen deutschen Innenstädten. Konkret beschäftigen sich die Richter mit der Frage, ob Fahrverbote rechtlich zulässig sind. Die Verwaltungsgerichte in Düsseldorf und Stuttgart sind der Meinung, dass solche Verbote in Betracht gezogen werden müssen, um die Stickoxid-Grenzen einzuhalten. Gegen die Entscheidung haben Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg Revision eingelegt.

Auf die Fahrverbote geklagt hat die Deutsche Umwelthilfe in einer Reihe von Städten. Die Organisation hoffe auf eine wegweisende Gerichtsentscheidung, die letztlich bedeute, "dass die Menschen in allen deutschen Städten am Ende des Jahres saubere Luft einatmen", sagte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. Er hofft darauf, dass sich die Autoindustrie durch die rechtliche Möglichkeit von Fahrverboten dazu gezwungen sieht, ältere Diesel auf ihre Kosten nachzurüsten.

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil hält Sperrzonen für Dieselfahrzuge dagegen grundsätzlich für den falschen Weg. Mit Fahrverboten würden Dieselfahrer "in unverhältnismäßig harter Weise belastet", sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Dies könne außerdem zu einer "Verschlimmbesserung der Umweltlage" führen, wenn stattdessen die Zahl der Benziner und damit die CO2-Emissionen stiegen. "So käme man von einem Übel ins andere", sagte Weil mit Blick auf neue CO2-Grenzwerte, die in den kommenden Jahren eingeführt werden.

Quelle: n-tv.de, chr/AFP

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